„Noch lange nicht zu Ende“

Schwere Krawalle in Frankreich: Jetzt packt Randalierer aus

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Nach dem Tod eines 17-Jährigen durch einen Polizeischuss gibt es in Frankreich seit fast einer Woche Krawalle. Ein Randalierer kündigt langanhaltende Proteste an.

Marseille/Paris/München - Seit fast einer Woche wird in mehreren Städten Frankreichs nahezu unentwegt demonstriert, randaliert und geplündert. Auslöser der Unruhen sind die tödlichen Polizeischüsse auf einen 17-Jährigen während einer Verkehrskontrolle bei Paris. Doch offenbar klingen die Ausschreitungen ab.

In Frankreich gibt es nach dem Tod Nahels durch einen Polizeischuss seit mehreren Tagen schwere Krawalle.

In der Nacht zu Montag gab es dem Innenministerium zufolge zu deutlich weniger Festnahmen als noch in den Nächten zuvor. Bereits von Samstag auf Sonntag war die Welle der Gewalt auf den Straßen Frankreichs etwa abgeebbt. Doch glaubt man den Aussagen von Randalierern, war es das noch lange nicht.

Unruhen in Frankreich: Randalierer attackiert Polizei - „Das sind Rassisten“

„Heute Nacht wird es wieder abgehen. Die Bullen haben keine Chance. Wir nehmen uns, was uns gehört“, hatte ein Mann der Bild in Marseille, der zweitgrößten Stadt in Frankreich, noch gesagt. „Es ist Krieg! Wir gegen die. Ihr habt doch gesehen, was sie mit Nahel gemacht haben. Einfach gekillt. Das sind Rassisten. Deshalb kämpfen wir“, fügte er hinzu. Ein junger Mann, der in Nahels Auto gesessen haben will, sagte aus, dass die Polizisten von Anfang an aggressiv aufgetreten seien. Eine andere Zeugin filmte den tödlichen Polizeieinsatz in Nanterre.

Polizist erschießt 17-Jährigen – dann brennen in Frankreich die Vororte

Die gewaltsamen Revolten in Frankreich weiten sich aus. Nach dem Tod eines Jugendlichen in Nanterre lautet der Vorwurf: Polizeigewalt
Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen 17-Jährigen: Im Großraum Paris und zahlreichen weiteren französischen Städten kommt es zur Randale, wie hier in Nanterre. © Christophe Ena/AP/dpa
Fahrzeuge und Mülltonnen stehen in Flammen.
Ein Auto steht in Nanterre in Flammen. © Zakaria Abdelkafi/AFP
„Eine Nacht unerträglicher Gewalt gegen Symbole der Republik“ beklagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin.
„Eine Nacht unerträglicher Gewalt gegen Symbole der Republik“ beklagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin. © Geoffroy van der Hasselt/AFP
Der Polizist, der den tödlichen Schuss abgefeuert hatte, befand sich zunächst in Polizeigewahrsam. Gegen ihn wird wegen Totschlagsverdacht ermittelt.
Der Polizist, der den tödlichen Schuss abgefeuert hatte, befand sich zunächst in Polizeigewahrsam. Gegen ihn wird wegen Totschlagsverdacht ermittelt. © Florian Poitout/ABACA/Imago
E.in Anwohner in Nanterre filmt die Krawalle mit seinem Smartphone.
E.in Anwohner in Nanterre filmt die Krawalle mit seinem Smartphone. © Geoffroy van der Hasselt/AFP
Staatschef Emmanuel Macron nannte den Tod des 17-Jährigen „unverzeihlich“, rief aber zugleich zur Ruhe auf.
Staatschef Emmanuel Macron nannte den Tod des 17-Jährigen „unverzeihlich“, rief aber zugleich zur Ruhe auf. © Lionel Bonaventure/AFP
Ausgebrannte Autos in Neuilly-sur-Marne nach den nächtlichen Krawallen.
Ausgebrannte Autos in Neuilly-sur-Marne nach den nächtlichen Krawallen. © Bertrand Guay/AFP
Polizeigewerkschaften und die Rechtspopulistin Marine Le Pen hingegen prangerten eine Vorverurteilung der Polizei an.
Polizeigewerkschaften und die Rechtspopulistin Marine Le Pen hingegen prangerten eine Vorverurteilung der Polizei an. © Florian Poitout/ABACA/Imago
Im Pariser Vorort Nanterre soll am 29. Juni ein Trauermarsch für den Jugendlichen stattfinden.
Im Pariser Vorort Nanterre soll am 29. Juni ein Trauermarsch für den Jugendlichen stattfinden.  © Lionel Bonaventure/AFP

Womöglich instrumentalisieren die Randalierer den Tod des 17-Jährigen, um gegen ihre eigene Situation zu demonstrieren. In Marseille wohnen viele Migranten, die sich in der Gesellschaft benachteiligt fühlen. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist hoch, Kriminalität steht an der Tagesordnung. Der Numbeo Crime Index listet Marseille in einem Ranking der gefährlichsten Städte Europas auf Rang zwei.

Unruhen in Frankreich: Nahels Großmutter appelliert an Randalierer

Die Wut entlädt sich jetzt an dem Ereignis. Eine Aussage des Mannes untermauert die Theorie: „Das hier ist noch lange nicht zu Ende. Wir haben hier keine Zukunft, keine Arbeit. Scheiß Macron!“, kündigte er an. Dass Nahels Tod der einzige Grund der Gewalttätigen ist, glaubt auch dessen Großmutter nicht. „Die Leute, die gerade etwas kaputt machen, denen sage ich: ‚Hört auf‘“, appellierte sie am Sonntag im Sender BFMTV.

Die Randalierer hätten ihren 17 Jahre alten Enkel „als Vorwand genommen“. Sie sei zwar wütend auf den Beamten, wolle aber nicht verallgemeinern. Der Polizist werde bestraft werden, wie jeder andere auch. „Ich habe Vertrauen in die Justiz.“ Die Menschen auf den Straßen sollten ruhig bleiben und nicht alles kaputt machen. Während der Krawalle ist ein junger Mann zu Tode gekommen. (mt)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Urman Lionel/ABACA

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