Umfrage zur Wehrpflicht: Entscheidend sind Alter und Parteipräferenz
VonDavid Fischer
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Eine knappe Mehrheit der Deutschen wollen die Wehrpflicht zurück. Die direkt Betroffenen sehen das kritischer. Ein Gesetzentwurf soll nun in den Bundestag.
Berlin – Laut einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag von RTL und Stern wollen 54 Prozent der Deutschen eine Rückkehr zur Wehrpflicht. 41 Prozent sind dagegen. Tendenzen sind demnach vor allem entlang der Altersklassen erkennbar. Unter den 18- bis 29-Jährigen, die unmittelbar von der Wehrpflicht betroffen wären, sind 63 Prozent gegen das Vorhaben. Bei der Generation Ü60 sind 61 Prozent dafür.
Die Bundesregierung will die Zahl der Streitkräfte in den kommenden Jahren auf 260.000 erhöhen. Mittelfristig soll sie bis auf 460.000 Truppen steigen – inklusive Reserve. Reichen die Freiwilligen nicht aus, soll ein Pflichtdienst her. Am Donnerstag geht ein entsprechender Gesetzentwurf für eine erste Lesung in den Bundestag.
Die AfD streitet über die Wehrpflicht
Aus der Opposition regt sich lauter Widerstand. „Zwei Drittel der jungen Menschen wollen nicht zur Armee gehen“, schrieb Linken-Abgeordnete Sören Pellmann auf Instagram. „Die Linke lehnt einen Zwangsdienst grundsätzlich ab!“
Die AfD hingegen ist sich Berichten zufolge uneinig. Laut Stern haben die ostdeutschen Verbände um Björn Höcke durchgesetzt, dass die Partei keinen eigenen Entwurf zur Wiedereinführung der im Bundestag einbringt. Der Grund: Die Rechtsextremen fordern Neutralität im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
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Während die Fraktionsvorsitzenden nun versuchen, ihre Abgeordneten bis zur Abstimmung auf Parteilinie zu bringen, zeichnet sich in der Anhängerschaft ein gemischtes Bild ab. Die Forsa-Umfrage zeigt politische Neigungen, aber bei keiner Parteipräferenz herrscht Einstimmigkeit. Zu 70 Prozent pro Wehrpflicht positionierten sich Sympathisanten von CDU und CSU. Mit 58 Prozent Zustimmung ist die Stimmung unter Anhängern des Koalitionspartners SPD ambivalenter. Wer die Linken wählt, stimmte mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit gegen die Wehrpflicht.
Per Losverfahren zur Bundeswehr
Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete gestern, dass das Verteidigungsministerium eine Wehrpflicht per Losverfahren erwägt. Sollte es nicht ausreichend Freiwillige geben, würde das Los darüber entscheiden, wen die Bundeswehr zur Musterung einberuft. Ein ähnliches Modell soll es bereits in Dänemark geben. Demnach gilt beim Nachbarn im Norden zwar eine Wehrpflicht für alle, nur 20 Prozent sollen aber zum Dienst eingezogen werden. (Quellen: dpa, RTL/ntv, Stern, Instagram, Redaktionsnetzwerk Deutschland) (dafi)