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Ein öffentlicher Bruch erschüttert die Republikaner. Die Abgeordnete forderte Transparenz bei brisanten Akten. Trump bezeichnete sie als wahnsinnig.
Washington, D.C. – Nach einem öffentlichen Bruch mit US-Präsident Donald Trump hat die rechte Hardlinerin Marjorie Taylor Greene ihren Rücktritt aus dem Repräsentantenhaus angekündigt. In einer gut zehnminütigen Videobotschaft auf X erklärte die Republikanerin, sie werde ihr Mandat am 5. Januar 2026 niederlegen. Ob sie auch ihrer Partei den Rücken kehrt, ließ sie offen. Greenes Statement richtete sich gegen Trump persönlich – und gegen den Politikbetrieb in Washington insgesamt. In sozialen Medien wurde umgehend spekuliert, sie könne 2028 um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner kämpfen.
Der US-Präsident reagierte am Freitagabend (22. November) gelassen auf die Ankündigung des Rückzugs. „Ich denke, das sind hervorragende Neuigkeiten für das Land. Das ist großartig“, so Trump gegenüber ABC News. Er teilte außerdem mit, dass er derzeit keine Pläne habe, mit der Republikanerin aus Georgia zu sprechen, ihr jedoch alles Gute wünsche. „Ich denke, sie sollte glücklich sein“, so der POTUS.
Epstein-Akten führen zu Bruch: Taylor Greene forderte die Freigabe zunächst gegen Trumps Willen
Auslöser des Zerwürfnisses war die Veröffentlichung von Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Greene forderte eine vollständige Freigabe und ging damit auf Konfrontationskurs mit dem US-Präsidenten. Dieser hatte die Veröffentlichung zunächst vehement abgelehnt. Trump lenkte erst ein, als sich im Repräsentantenhaus eine überparteiliche Mehrheit für die Freigabe abzeichnete. Vor einer Woche entzog er seiner Parteifreundin die Unterstützung und bezeichnete sie als „durchgeknallt“. Greene zeigte sich frustriert: Wenn sie sich für missbrauchte amerikanische Frauen einsetze, „sollte ich dafür nicht als Verräterin bezeichnet und vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, für den ich gekämpft habe, bedroht werden“.
Trump drohte Greene zudem, bei der Wahl zum Repräsentantenhaus in einem Jahr einen parteiinternen Gegenkandidaten zu unterstützen. Andere Konservative hätten inzwischen „die Nase voll von ihr und ihren Eskapaden“, schrieb er auf Truth Social. „Ich kann nicht jeden Tag die Anrufe einer pöbelnden Wahnsinnigen entgegennehmen.“
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Taylor Greene kritisiert Trump: Republikanerin beklagt mangelnde Loyalität des US-Präsidenten
Greene erklärte daraufhin, sie werde sich keinem von Trump angezettelten „verletzenden und hasserfüllten“ parteiinternen Vorwahlkampf aussetzen, nur um zu gewinnen und dann zuzusehen, wie die Republikaner die Wahlen „wahrscheinlich verlieren werden“. Mit Blick auf den Präsidenten forderte sie: „Ich habe härter als fast jeder andere gewählte Republikaner dafür gekämpft, Donald Trump und die Republikaner an die Macht zu bringen.“ Loyalität müsse in beide Richtungen gelten.
Seit 2021 vertritt Greene einen Wahlkreis im südlichen Bundesstaat Georgia. Nach ihrem Einzug ins Parlament avancierte sie schnell zu einer der Führungsfiguren des rechten Flügels und profilierte sich als glühende Trump-Unterstützerin mit erzkonservativen Positionen beim Abtreibungs- und Waffenrecht sowie in der Einwanderungspolitik. Ihre Äußerungen waren dabei wiederholt gewaltverherrlichend und rassistisch.
America First-Flügel verliert Stimme: Taylor Greene vertritt Isolationismus und Enthaltung im Ukraine-Krieg
Zuletzt positionierte sie sich als führende Vertreterin des eher isolationistischen „America First“-Flügels, der sich primär den Problemen einfacher Bürger widmen will statt internationalen Krisen wie dem Ukraine-Krieg. In ihrem Statement behauptete Greene, die normalen Amerikaner im Kongress vertreten zu haben, weshalb sie im politischen Washington stets verachtet worden sei.
Bei den Kongresswahlen im November 2026 werden alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses und etwa ein Drittel der Senatoren neu gewählt. Trump selbst kann bei der Präsidentenwahl 2028 nicht erneut antreten. Er hat angedeutet, dass Vizepräsident JD Vance der logische Nachfolger wäre – der muss allerdings im parteiinternen Ringen mit Gegenkandidaten rechnen. (Quellen: ABC News, dpa, Newsweek) (tpn)
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