Pentagon-Insider enthüllt Geheimtreffen: Hegseth will Generäle auf „Krieger-Ethos“ trimmen
VonBettina Menzel
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US-Verteidigungsminister Hegseth zwingt offenbar hunderte Generäle nach Virginia zu reisen – für eine kurze Rede. Die Unruhe im US-Militär wächst.
Washington, DC – US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat kurzfristig für kommenden Dienstag (30. September) ein Treffen hochrangiger Militärs einberufen. Wie die Washington Post berichtet, reisen dazu Militärangehörige aus dem In- und Ausland zum Stützpunkt Quantico im US-Bundesstaat Virginia. Eingeladen ist demnach jede Person in einer Führungsposition mit dem Rang eines Ein-Stern-Generals, Admirals sowie ihre hochrangigen Unteroffiziere. Der genaue Anlass des Treffens war zunächst unklar. Es sei aber eine kurze Rede des Ministers über militärische Standards und das „Krieger-Ethos“ (Original: „warrior ethos“) geplant, wie Insider der Washington Post mitteilten.
Ausnahmen zur Anreise werden laut dem Bericht, der auf anonymen Aussagen hochrangiger Militärs basiert, nur in seltenen Fällen gewährt. Unter Hegseths Führung hatte es zuvor eine Reihe von Entlassungen gegeben, darunter auch hochrangige prominente Personalien wie Admiral Lisa Franchetti, die Chefin der Marineoperationen, General Jim Slife, den stellvertretenden Chef der Luftwaffe sowie die Generalrichter der Militärdienste. Zudem hatte der Minister tausende Soldaten und Soldatinnen vom Dienst entbunden, die sich offen als transgeschlechtlich bekannten. Diese und weitere Maßnahmen wurden von Kritikern als Politisierung des US-Militärs gewertet.
Im Mai hatte der US-Verteidigungsminister angekündigt, die Zahl der aktiven Vier-Sterne-Generäle und Admiräle im US-Militär um mindestens 20 Prozent zu reduzieren – laut einem Memo, um unnötige Kommandostrukturen abzubauen. Das Treffen in der kommenden Woche sorgte daher für Unruhe in der US-Armee. Ob weitere Einsparungen folgen oder andere Änderungen geplant sind, blieb vorerst offen. Hegseth hatte zuletzt auch eine „Rückkehr zur Tödlichkeit“ des US-Militärs gefordert. Auch hier bleibt zunächst unklar, was genau dies beinhalten soll.
Über Pete Hegseth
Pete Hegseth steht als US-Verteidigungsminister mehr als drei Millionen Beschäftigten vor, das Pentagon gilt als der größte Arbeitgeber der Welt. Vor seiner Ernennung zum Pentagon-Chef im Kabinett von US-Präsident Donald Trump war Hegseth Moderator bei dem ultrakonservativen Sender Fox News, davor Infanterie-Offizier der Nationalgarde. Als sich der heute 45-Jährige bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden 2021 freiwillig meldete, um die Veranstaltung als einer von über 20.000 Nationalgardisten zu überwachen, wurde er abgelehnt.
Der Grund: Man vermutete bei ihm Kontakte zu rechtsextremistischen Milzen und damit ein Gefahrenpotential für die Veranstaltung, wie Reuters berichtete. Hegseth selbst bestätigte die Ablehnung und gab seine Tattoos als Grund an. Er hat unter anderem ein Jerusalemkreuz tätowiert, das oftmals auch von rechtsextremen, nationalistischen Gruppen verwendet wird. Spätestens seit dem Signal-Skandal, als geheime Militäroperationen lax per Signal-Chat besprochen wurden und aus Versehen ein US-Journalist eingeladen wurde, stellen manche Experten die Kompetenz und Eignung des US-Verteidigungsministers infrage.
Empörung im Pentagon: Offizielle kritisieren weite Anreise für Hegseths Kurzauftritt
Hunderte hochrangige Offiziere müssen nun kurzfristig Flug und Unterkunft organisieren. Geschätzte Reisekosten: mehrere Millionen US-Dollar. An der kurzfristige anberaumten Veranstaltung gab es Kritik unter vorgehaltener Hand. Manche Offizielle stellten laut Washington Post die Sinnhaftigkeit einer langen Anreise für eine wenige Minuten lange Rede des US-Verteidigungsministers infrage. Empörung gab es auch darüber, erfahrenen Generälen einen Vortrag darüber zu halten, wie man richtig kämpft. „Sie brauchen keine Rede von Minister Hegseth über die Ethik des Kriegers“, sagte ein Verteidigungsbeamter, der anonym bleiben wollte.
Teilweise gab es auch offene Kritik. Der frühere US-Offizier, Generalleutnant Ben Hodges, fühlte sich bei Hegseths Praktiken offenbar an Nazi-Deutschland erinnert. Der Ex-General schrieb auf der Plattform X, dass auch deutsche Generäle 1935 „zu einer Überraschungsversammlung in Berlin einberufen“ und „verpflichtet wurden, einen persönlichen Eid auf den Führer zu schwören“. US-Verteidigungsminister Hegseth reagierte darauf nur knapp mit den Worten „Coole Geschichte, General“. Zuvor hatte auch der frühere US-General Stanley McChrystal vor einer „politischen Säuberung“ im US-Militär gewarnt. (Quellen: Reuters, dpa, Washington Post, Plattform X) (bme)