Antwort auf deutsches Vorgehen

Polen führt neue Grenzkontrollen ein: So geht es jetzt weiter

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Polen führt befristete Kontrollen an der deutschen Grenze durch: Diese Aktion erfolgt als Antwort auf deutsche Kontrollen – mit Staus ist zu rechnen.

Update, 7. Juli, 6.14 Uhr: Polens Grenzschutz hat mit vorübergehenden Kontrollen an der gemeinsamen Grenze zu Deutschland begonnen. Seit Mitternacht werden Reisende an 52 Grenzübergängen überprüft, wie das Innenministerium auf X mitteilte. „Die Kontrollen richten sich gegen diejenigen, die an der illegalen Schleusung von Migranten über die Grenze beteiligt sind. Normale Reisende haben nichts zu befürchten“, sagte Innenminister Tomasz Siemoniak laut einem Post seiner Behörde. Die Grenzer haben besonders Minibusse, Autos mit vielen Insassen und Fahrzeuge mit getönten Scheiben im Auge. Die Kontrollen sollen zunächst bis zum 5. August andauern. Reisende, die die Grenze überqueren wollen, müssen einen Personalausweis oder einen Reisepass dabeihaben.

„Verkehrskollapse“ befürchtet: Polen startet Grenzkontrollen – So geht es jetzt weiter

Erstmeldung: Berlin – Ab diesem Montag führt Polen vorübergehend Grenzkontrollen zu Deutschland ein. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die bereits seit Oktober 2023 bestehenden deutschen Kontrollen an der Grenze, die zur Eindämmung irregulärer Migration dienen sollen. Auf der polnischen Seite führen sie oft zu langen Staus.

Grenzkontrollen in Polen: Maßnahme vorerst bis zum 5. August befristet

Die polnischen Kontrollen sollen stichprobenartig erfolgen und betreffen laut einem Grenzschutzbeamten vor allem Busse, Kleinbusse und Pkw mit vielen Insassen, wie er der polnischen Nachrichtenagentur PAP mitteilte.

Auch Fahrzeuge mit getönten Scheiben sollen im Fokus stehen. Es wird keine Schlagbäume oder Absperrungen geben, stattdessen sollen die Fahrbahnen vor den Kontrollpunkten verengt oder Schilder zur Verlangsamung des Verkehrs aufgestellt werden.

Die Kontrollen werden von Kräften des polnischen Grenzschutzes, der Militärpolizei, des Heimatschutzes sowie der Polizei durchgeführt. Zunächst sind die Kontrollen bis zum 5. August befristet.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Grenzkontrollen in Polen: Reaktion auf deutsche Maßnahmen

Hintergrund für die polnischen Kontrollen ist ein ähnliches Vorgehen aus Deutschland: Polen gehört seit 2007 dem Schengenraum an – der verspricht unbegrenzte Reisefreiheit ohne Schlagbäume und Grenzposten. Doch seit zwei Jahren kontrolliert Deutschland an seinen Ostgrenzen, um Migranten ohne erforderliche Papiere die Einreise zu verwehren. Seit Anfang Mai wurden diese Regeln unter der neuen Bundesregierung verschärft. Jetzt können auch Menschen abgewiesen werden, die ein Asylbegehren äußern – anders als zuvor.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) registrierte die Bundespolizei seit dem 8. Mai an allen deutschen Landgrenzen 7.960 unerlaubte Einreisen und wies 6.193 Menschen unmittelbar zurück (Stand 1. Juli). Allein an der deutsch-polnischen Grenze gab es rund 1.300 Zurückweisungen, wovon in jedem zehnten Fall ein Asylgesuch geäußert wurde.

Auf Straßen in Richtung Polen: Politik stellt sich auf „lange Wartezeiten“ ein

Auf deutscher Seite befürchtet Brandenburgs Innenminister René Wilke bei beidseitigen Kontrollen „mögliche Verkehrskollapse“, die Hunderttausende betreffen könnten. Auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) beklagt sich gegenüber der dpa: Er geht davon aus, dass die deutschen Kontrollen bereits eine Belastung für Pendler seien und nun die polnischen Kontrollen hinzukämen, was zu „langen Wartezeiten, Planungsunsicherheit und gestörtem Warenverkehr“ führe. Allein nach Sachsen pendeln täglich 13.000 Menschen aus Polen, nach Brandenburg über 14.000.

Die Wirtschaft schlägt indes Alarm: Industrie- und Handelskammern in Brandenburg sprechen laut dpa von einer Eskalation. Polen ist Brandenburgs wichtigster Außenhandelspartner, mit Exporten von 4,1 Milliarden Euro und Importen von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2024. Der Logistikverband BGL verzeichnete 2024 gut 9,7 Millionen Ein- und Ausfahrten mautpflichtiger Lkw an den deutsch-polnischen Grenzübergängen.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg warnt vor Einbußen durch Staus, die sich auf den gesamten EU-Wirtschaftsraum auswirken könnten. Auch polnische Transportunternehmer sind in Sorge: Jan Buczek, Vorsitzender des polnischen Verbandes der internationalen Transportunternehmen, äußerte gegenüber der Zeitung Dziennik Gazeta Prawna, dass bei Verzögerungen Strafen für Hersteller und Lieferanten drohen und er hundertprozentige Kontrollen befürchte, die zu Blockaden von Stunden oder sogar Tagen führen könnten.

Deutschlands Kontrollen an der Grenze zu Polen sorgen für Unruhe. Jetzt, wo Polen diese erwidert, sind lange Staus und Planungsunsicherheiten zu erwarten. (Archivbild)

Polens neue Grenzkontrollen: Innenpolitische Spannungen steigen

Polens Entscheidung für Grenzkontrollen hat vor allem innenpolitische Gründe. Die Zurückweisungen aus Deutschland sind ein Reizthema für viele Polen, das von der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS aufgegriffen wird, um antideutsche Ressentiments mit der Angst vor Migranten zu verbinden. Die PiS, deren Kandidat Karol Nawrocki kürzlich die Präsidentenwahl gewann, erhöhte den Druck auf die proeuropäische Regierung von Donald Tusk, bis diese sich zur Einführung der Grenzkontrollen entschied.

Gleichzeitig organisieren polnische Rechtsextreme, angeführt von dem bekannten Rechtsradikalen Robert Bakiewicz, sogenannte Bürgerwehren. Diese „Bewegung zur Verteidigung der Grenzen“ hält eigenmächtig Fahrzeuge an, fragt Passanten nach Dokumenten und fahndet nach Migranten. Die Regierung in Warschau betrachtet diese Gruppierungen als Dorn im Auge, und Innenminister Tomasz Siemoniak hat angekündigt, Fälle von Amtsanmaßung und Beamtenbeleidigung konsequent zu bestrafen. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet zudem ein „Pingpong-Spiel“ beim Zurückweisen von Asylbewerbern, obwohl Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dies verneint und die gute Zusammenarbeit mit den polnischen Grenzschützern betont.

Grenzkontrollen von Polen und Deutschland: Gemeinsames europäisches Asylsystem könnte Grenzlage entspannen

Die polnischen Kontrollen sind zunächst bis zum 5. August befristet. Wann sich die Lage insgesamt normalisiert, ist jedoch nicht abzusehen. Es hängt unter anderem davon ab, wie sich die Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in der Praxis bewähren. Dieses soll ab Mitte Juni 2026 gelten.

Die Reform sieht vor, dass Schutzsuchende künftig an den EU-Außengrenzen registriert werden, inklusive Identitätsfeststellung und biometrischer Daten. Für Menschen aus Staaten mit niedriger Anerkennungsquote sollen beschleunigte Asylverfahren an den Außengrenzen durchgeführt werden. (kox/dpa)

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