Streit um Getreideimporte

Polen droht mit Grenzschließung zur Ukraine – „müssen unsere Bauern schützen“

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Ukrainisches Getreide sorgt in Polen für Ärger. Ministerpräsident Morawiecki droht nun mit Grenzschließungen, sollte die EU nicht reagieren.

Warschau – Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt – doch das Land steht seit Russlands Angriffskrieg vor massiven Problemen, sein Getreide in andere Länder zu exportieren. Erst recht, da Russlands Präsident Wladimir Putin am Montag bekannt gab, das Getreideabkommen nicht zu verlängern und jetzt sogar damit droht, jedes Handelsschiff, das ukrainische Häfen ansteuert, als Feind Russlands zu betrachten.

Neben dem Seeweg bleibt der Ukraine der Landweg, um sein Getreide über angrenzende EU-Staaten weiterzutransportieren. Doch auch das führt zu Streit – und treibt jetzt den polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki auf die Barrikaden: Er droht damit, die polnischen Grenzen für ukrainische Getreideimporte ab dem 15. September dichtzumachen, wenn die EU nicht reagiert. Morawiecki sieht die Lebensgrundlagen der polnischen Bauern in Gefahr.

Streit im Getreideimporte: Polen will kein Getreide aus der Ukraine ins Land lassen, um seine Bauern zu schützen. Auf dem Bild ist der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (r.) bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Warschau zu sehen.

Polen droht mit Grenzschließung zur Ukraine: „Entweder wird EU zustimmen, oder werden es selbst tun“

Konkret fordert Warschau, dass die EU eine Vereinbarung mit Polen und vier anderen osteuropäischen Staaten verlängern soll. Es gilt seit dem 2. Mai und verbietet den Import von Weizen, Mais, Raps und Sonnenblumensamen aus der Ukraine. In die restlichen Länder der EU kann die Ukraine ihre Agrarprodukte zollbefreit einführen.

Doch die Ausnahmeregelung der EU für Polen soll nun auslaufen, und dagegen protestiert Morawiecki. Er sagte laut der ukrainischen Zeitung Ukrajinska Prawda wörtlich: „Ich möchte im Namen des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Polens klarstellen, dass wir diese Grenze nicht öffnen werden. Entweder wird die Europäische Kommission zustimmen, gemeinsam Regelungen zur Verlängerung dieses Verbots zu entwickeln, oder wir werden es selbst tun.“ Neben Polen betrifft das auslaufende Moratorium auch Ungarn, Bulgarien, Rumänien und die Slowakei.

Die G20: Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in einer Gruppe

19 Staaten und die Europäische Union bilden die G20. Sie repräsentieren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, erwirtschaften über 85 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Staaten gehören dazu:
19 Staaten und die Europäische Union bilden die G20. Sie repräsentieren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, erwirtschaften über 85 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Staaten gehören dazu: © Lars Berg/dpa
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In Sachen Bevölkerung nur auf Platz Drei, doch bei der Wirtschaftsleistung ganz oben: Die Vereinigten Staaten von Amerika. © Michael Brochstein/dpa
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Das bevölkerungsreichste Land unter den G20 ist die Volksrepublik China. Regiert wird der autoritäre Staat von Präsident Xi Jinping, der seine Macht auf dem Parteitag 2022 endgültig festigte. Die 1,3 Milliarden Menschen in China sind für 15 Prozent der Wirtschaftsleistung der G20-Gruppe verantwortlich. © Jade Gao/afp
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Die Gründungskonferenz der G20 fand 1999 in Berlin statt. Bis 2008 firmierten die Gipfel unter der Bezeichnung „Finanzministertreffen“. 2017 kehrte die Gruppe der G20 nach Deutschland zurück und kam in Hamburg zusammen. Der Gipfel wurde von massiven Protesten begleitet. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen von Sicherheitskräften und Demonstranten. Zentrum des Konflikts war der Stadtteil Sankt Pauli. © Michael Kappeler/dpa
Deutschland ist als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ebenfalls Mitglied der G20. 2017 fand der Gipfel in Hamburg statt - und wurde begleitet von massiven Protesten und einem gigantischen Polizeiaufgebot.
Deutschland ist als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ebenfalls Mitglied der G20. 2017 fand der Gipfel in Hamburg statt - und wurde begleitet von massiven Protesten und einem gigantischen Polizeiaufgebot. © imago
Gastgeber des G20-Gipfels 2017 war der damalige Bürgermeister Hamburgs und spätere Bundeskanzler Deutschlands, Olaf Scholz. Er begrüßte unter anderem US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania in der Hansestadt.
Gastgeber des G20-Gipfels 2017 war der damalige Bürgermeister Hamburgs und spätere Bundeskanzler Deutschlands, Olaf Scholz. Er begrüßte unter anderem US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania in der Hansestadt. © imago
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Die viertgrößte Wirtschaftsleistung bei den G20 erzielt Japan. Der ostasiatische Staat besteht aus 6.852 Inseln. Bewohnt sind davon 425, auf denen mehr als 125 Millionen Menschen leben. Der Ballungsraum Tokio ist mit 37,3 Millionen Einwohner die größte Stadt der Welt. © Philip Fong/afp
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Großbritannien ist nach dem Brexit zwar kein Mitglied der EU mehr, dafür aber immer noch vertreten bei der G20. Staatsoberhaupt des Königreichs ist seit dem Tod von Königin Elisabeth II. ihr Sohn Charles III. Bei der G20 wird das Land aber durch die Regierung vertreten. © Aaron Chown/dpa
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Frankreich ist eines der drei EU-Länder, das auch mit einer eigenen Vertretung bei der G20 teilnimmt. Das einzige Treffen der Gruppe in der „Grande Nation“ fand im Jahr 2007 in der Hafenstadt Cannes statt. Aktivisten von Oxfam karikieren das Teilnehmerfeld: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Barack Obama, David Cameron, usw. © Martin Bureau/afp
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Indien ist das Land unter den G20 mit der zweitgrößten Bevölkerung. Im Jahr 2002 fand in Dehli der einzige Gipfel der Gruppe in dem Land statt. Chili gilt als Grundnahrungsmittel in Indien, das offenbar auch von diesen beiden als indische Götter verkleideten Kindern geschätzt wird. © Avishek Das/dpa
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Brasilien ist das größte Land Südamerikas und eines der zwei Länder des Kontinents, die auch in der G20 vertreten sind. Das Land der Strände wie hier Ipanema in Rio de Janeiro erlebte kurz vor dem G20-Gipfel in Bali einen Regierungswechsel. Präsident Jair Bolsonaro wurde abgewählt und Lula da Silva feierte sein Comeback. © Jose Lucena/dpa
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Neben den USA ist auch der andere nordamerikanische Staat Teil der G20: Kanada. Das Land hoch im Norden wurde von 2015 bis 2025 von Premierminister Justin Trudeau regiert. Zweimal hintereinander trafen sich die Mitglieder der G20 in Kanada: Im Jahr 2000 in Montreal und im Jahr 2001 in Ottawa. Mit gerade einmal 35 Millionen Menschen stellt Kanada die drittkleinste Bevölkerung innerhalb der G20. © Chris Roussakis/dpa
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Südkorea ist neben China und Japan das dritte Land aus Ostasien, das bei der G20 dabei ist. Die Hauptstadt Seoul wurde kurz vor dem G20-Gipfel in Bali von einer Tragödie erschüttert. Mehr als 150 Menschen starben bei einer Massenpanik. Tausende kamen in den Straßen zusammen, um der Opfer zu gedenken. © Anthony Wallace/afp
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Russland ist eigentlich auch Mitglied der G20. Ob Präsident Wladimir Putin aber am G20-Gipfel in Bali teilnehmen wird, das steht noch nicht fest. Das Land ist aufgrund des Kriegs mit der Ukraine international zunehmend isoliert, hat mit Ländern wie China und Indien aber auch unter den G20-Staaten noch Verbündete. © Alexander Nemenov/afp
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Australien ist mit Blick auf die Bevölkerung das kleinste Land der G20. Der Staat „Down Under“, berühmt für das Opernhaus in Sydney, ist auch das einzige Land aus Ozeanien in der Gruppe der Zwanzig. © Bai Xuefei/dpa
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Mexiko ist wie der Nachbar im Norden, die USA, Mitglied der G20. Der mittelamerikanische Staat ist mit einer Einwohnerzahl von 127 Millionen der achtgrößte der G20. Viele Menschen in Mexiko feiern wie hier jedes Jahr den Tag der Toten, mit aufwendigen und gruseligen Kostümen. © Eduardo Verdugo/dpa
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Indonesien ist ebenfalls Mitglied der G20. Der Inselstaat beheimatet 257 Millionen Menschen und 128 Vulkane. 80 davon gelten als aktiv. Ausbrüche wie hier beim Vulkan Merapi gehören in Indonesien zum Alltag. © Slamet Riyadi/dpa
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Ein Land auf zwei Kontinenten und ebenso Mitglied der G20: die Türkei. Die Bosporus-Meerenge in Istanbul, der größten Stadt der Türkei, ist der Zugang zum Schwarzen Meer, über das wiederum Getreide für die ganze Welt aus den Häfen von Odessa und Mariupol verschifft wird. © Ozan Kose/afp
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Saudi-Arabien ist, was Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl angeht, eines der kleinsten Länder der G20. Doch aufgrund der großen Rohstoff-Reserven, hauptsächlich Erdöl, kommt dem Land eine strategisch wichtige Bedeutung zu. Regiert wird das Königreich von Salman ibn Abd al-Aziz. Doch als eigentlicher Strippenzieher in dem absolutistisch regierten Land gilt Kronprinz Mohammed bin Salman (im Bild). © Uncredited/afp
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Südafrika ist das einzige afrikanische Land in der Gruppe der Zwanzig. Es hat außerdem die geringste Wirtschaftleistung aller G20-Staaten. Das Land am Kap der Guten Hoffnung gilt mit seinen Städten wie Johannesburg und Kapstadt als eine Hochburg der Mode - vom Minimalismus bis zur Haute Couture. © Kim Ludbrook/dpa
Italien ist ebenfalls Teil der G20 und wird aktuell durch Premierministerin Giorgia Meloni, hier beim Gipfel in Rio de Janeiro und im Gespräch mit dem ehemaligen Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, vertreten.
Italien ist ebenfalls Teil der G20 und wird aktuell durch Premierministerin Giorgia Meloni, hier beim Gipfel in Rio de Janeiro und im Gespräch mit dem ehemaligen Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, vertreten. © imago
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Eine Sonderrolle in den G20 kommt der Europäischen Union zu. Sie ist als Staatenbund mit einer eigenen Delegation bei den G20 vertreten. Die EU weist die zweitgrößte Wirtschaftsleistung und die zweitgrößte Bevölkerung in der G20 aus. Mit Deutschland, Frankreich und Italien sind drei EU-Mitgliedsländer auch als Einzelstaaten in der G20 vertreten. © Dragan Tatic/dpa
Neben der EU ist auch die Afrikanische Union beim G20-Gipfel 2025 in Südafrika mit einer Delegation vertreten.
Neben der EU ist auch die Afrikanische Union beim G20-Gipfel 2025 in Südafrika mit einer Delegation vertreten. © imago
2025 findet der G20-Gipfel in Johannesburg statt - unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung Südafrika gab bekannt, mehr als 3.500 zusätzliche Polizisten einzusetzen.
2025 findet der G20-Gipfel in Johannesburg statt - unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung Südafrika gab bekannt, mehr als 3.500 zusätzliche Polizisten einzusetzen. © imago

Ukrainisches Getreide überflutet Polen – Bauern bleiben auf Ernte sitzen

Die Nachbarländer der Ukraine haben mit einem Problem zu kämpfen: Weil der Seeweg wegen des Ukraine-Kriegs stark blockiert ist, kommt besonders viel Getreide aus der Ukraine auf dem Landweg nach Polen und andere osteuropäische Länder. Und auch, wenn sie eigentlich in andere Länder weiter exportiert werden sollen, bleiben sie aus logistischen Problemen oft in diesen ukrainischen Nachbarländern hängen.

Die Folge: Volle Silos, sinkende Preise und fehlende Möglichkeiten für die heimischen Bauern, ihr selbst angebautes Getreide zu verkaufen. Bauern in Polen und Ungarn laufen deswegen schon seit längerem Sturm. Der polnische Ministerpräsident betonte jetzt laut Ukrajinska Prawda: Warschau erwäge eine Grenzschließung für ukrainische Agrarprodukte „nicht gegen die Ukraine“, sondern „für polnische Bauern“.

Polen großer Untersützer der Ukraine im Krieg

Polen gehört zu einem der größten Unterstützern der Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland, entschied sich zum Beispiel als eines der ersten Länder dafür, Kampfjet-Lieferungen an die Ukraine zu genehmigen. Polen forderte zudem einen schnellen Beitritt der Ukraine in die Nato, womit es sich allerdings auf dem Nato-Gipfel in Vilnius nicht durchsetzen konnte. (smu)

Rubriklistenbild: © Artur Widak/Imago

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