Belastung für Pendler und Touristen

Polen reagiert mit Grenzkontrollen: Hubig fordert Dobrindt-Reaktion

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Nach dem Gerichtsurteil zu Zurückweisungen an deutschen Grenzen fordert Justizministerin Hubig eine Antwort von Dobrindt. Polen reagiert mit Gegenmaßnahmen.

Warschau – Die neue Bundesregierung hat ihre Migrationspolitik verschärft. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) hat unmittelbar nach seinem Amtsantritt nicht nur die Grenzkontrollen intensiviert, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, Asylsuchende direkt an der Grenze abzuweisen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig fordert von Dobrindt eine Begründung für die umstrittene Praxis.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Nach Gerichtsurteil zu Grenzkontrollen: Hubig fordert Begründung für Dobrindts Zurückweisungen

Das Verwaltungsgericht in Berlin hat die Zurückweisung von drei somalischen Asylbewerbern an der Grenze zu Polen als rechtswidrig eingestuft. Trotz dieses Urteils hält Dobrindt an der Maßnahme fest und beruft sich auf Artikel 72 des EU-Rechts sowie den Schutz der öffentlichen Ordnung. Er strebt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs an. Justizministerin Hubig fordert von Dobrindt eine zügige Reaktion auf die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts.

Gerichtsurteil zu Grenzkontrollen unter Bundesinnenminister Dobrindt

Das Berliner Verwaltungsgericht entschied am 2. Juni 2025, dass die Zurückweisung von Asylsuchenden an deutschen Grenzen rechtswidrig ist. Ohne Dublin-Verfahren dürfen sie nicht abgewiesen werden. Geklagt hatten drei Somalier, die am Bahnhof Frankfurt (Oder) zurückgewiesen wurden. Bundesinnenminister Dobrindt hält trotz des Urteils an der Praxis fest.

„Für mich ist klar: Der Bundesinnenminister muss nun sehr rasch die von ihm zugesagte Begründung nachliefern. Sollten unabhängige deutsche Gerichte dann immer noch zu der Auffassung gelangen, dass diese Zurückweisungen rechtswidrig sind, wäre es schwer vermittelbar, solange daran festzuhalten“, erklärte Hubig im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Der Bundesinnenminister hat die Zurückweisungen in eigener Verantwortung angeordnet“, fügte Hubig hinzu. Weitere Urteile seien aufmerksam zu verfolgen und könnten eine politische Neubewertung erforderlich machen.

Tusk kündigt polnische Grenzkontrollen an: Belastung für Grenzpendler und Touristen

Deutschlands Kurs in der Grenzpolitik hat auch in Polen für Unruhe gesorgt. Premierminister Donald Tusk reagierte darauf mit der Ankündigung, ab dem Sommer Kontrollen an der polnisch-deutschen Grenze einzuführen. „Ich habe unseren Nachbarn, nicht nur Deutschland, sondern auch anderen Nachbarstaaten, mitgeteilt, dass ich nicht zögern werde, vorübergehende Kontrollen einzuführen“, erklärte Tusk am Mittwoch während einer Regierungsbefragung im Parlament in Warschau.

Die Maßnahme werde in Kraft treten, „wenn die Lage an der Grenze angespannt und der Druck groß ist“. Zudem habe er die Bundesregierung gewarnt, dass Warschau „jeden Versuch, irgendeinen Migranten nach Polen zu schicken“, genau beobachten werde.

Tusk hob hervor, dass er eine vollständige Schließung der Grenze vermeiden wolle, da dies „Probleme für Hunderttausende von Menschen von Schlesien bis Stettin“ verursachen würde. Teilkontrollen seien jedoch wahrscheinlich, erläuterte der Premierminister im Parlament. Betroffen wären nicht nur Grenzpendler, sondern auch viele Touristen und Flugreisende, die in den Ferien den Flughafen Berlin-Brandenburg nutzen.

Die deutsche Regierung hat die Grenzkontrollen intensiviert. Die polnische Regierung hat Gegenmaßnahmen angekündigt (Symbolbild)

Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Polen: Sorge vor „Ping-Pong-Spiel“

In Deutschland stoßen Tusks Ankündigungen über mögliche Grenzkontrollen auf gemischte Reaktionen. Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht neben den Risiken für Pendler und den Warenverkehr auch potenzielle Vorteile: Migranten ohne Aufenthaltsberechtigung könnten früher gestoppt werden, sodass möglicherweise „weniger Menschen an unseren Kontrollen teilnehmen, die nicht berechtigt sind, nach Deutschland einzureisen“, äußerte Roßkopf gegenüber dem RND. Gleichzeitig warnt er jedoch vor einem „Ping-Pong-Spiel“, bei dem unerwünschte Personen zwischen beiden Ländern hin- und hergeschickt würden.

Knut Abraham (CDU), Polen-Beauftragter der Bundesregierung, mahnt zur Vorsicht. Grenzkontrollen sollten so gestaltet werden, dass sie die grenzüberschreitenden Alltagsbeziehungen nicht stören. Seit über 30 Jahren seien enge Verflechtungen zwischen den Regionen gewachsen, die es zu bewahren gelte, sagte Abraham dem RND. (dpa/lw)

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