VonHannes Niemeyerschließen
Überraschung in der Hauptstadt. Kevin Kühnert erklärte seinen Rückzug als SPD-Generalsekretär. Aus der Politik kamen erschütterte Reaktionen und Wünsche zur Erholung.
Berlin – Ein Beben erschüttert die SPD. Kevin Kühnert, der Generalsekretär der Partei, gab am Montag überraschend seinen Rückzug aus der Politik bekannt. Nicht nur das, er hat auch entschieden, bei der kommenden Bundestagswahl 2025 nicht erneut für ein Abgeordnetenmandat zu kandidieren.
In einem Schreiben an die Parteimitglieder erklärte der 35-Jährige, dass gesundheitliche Probleme der Grund für seine Entscheidung seien. „Die Energie, die für mein Amt und einen Wahlkampf nötig ist, brauche ich auf absehbare Zeit, um wieder gesund zu werden. Deshalb ziehe ich die Konsequenzen“, teilte er mit. Er hatte bereits vor einigen Tagen die Parteivorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil über seine Entscheidung informiert.
SPD-Generalsekretär Kühnert löst mit Rücktritt erschrockene Reaktionen aus
Kevin Kühnert, der seit 2021 das Amt des Generalsekretärs der Sozialdemokraten innehat, betonte, dass seine Entscheidung ihm nicht leicht gefallen sei. „Diese Entscheidungen haben mich Überwindung gekostet und sie schmerzen mich, weil ich meine politische Arbeit mit Herzblut betreibe“, erklärte er. Er fügte hinzu, dass er sowohl für sich selbst als auch für die SPD Verantwortung trage. „Indem ich mich jetzt ganz um meine Gesundheit kümmere, glaube ich, meiner doppelten Verantwortung am besten gerecht zu werden.“ Er betonte, dass ein Wahlsieg der SPD den vollen Einsatz aller Parteimitglieder erfordere.
Die Nachricht von Kühnerts Rückzug löste in der politischen Landschaft Bestürzung aus. „Der politische Betrieb kann ein hässlicher Raubbau sein“, kommentierte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf dem Kurznachrichtendienst X. Sie fügte hinzu: „Egal, was einen politisch trennt - wenn es um die Gesundheit geht, wird fast alles zweitrangig. Ich wünsche Kevin Kühnert von Herzen alles Gute und eine vollständige Genesung.“
SPD-Reaktionen auf Kühnert-Rücktritt – „Ringt mir höchsten Respekt ab“
Auch innerhalb der SPD wurde Kühnerts Entscheidung mit Bedauern aufgenommen. Macit Karaahmetoğlu, stellvertretender rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sagte gegenüber IPPEN.MEDIA: „Wir als Sozialdemokraten werden Kevin Kühnert im Jahr vor der Wahl schmerzlich vermissen. Er hat als meinungsstarker Vordenker über die Jahre das Gesicht der SPD mitgeprägt.“ Er betonte jedoch, dass „beim engagiertesten Politiker“ die Gesundheit an erster Stelle stehen sollte. „Der Schritt, sich ein Jahr vor der Wahl darauf zu besinnen und sich zurückzuziehen, ringt mir höchsten Respekt ab. Ich bin mir sicher, wir werden Kevin irgendwann voller Tatendrang zurück begrüßen können. Bis dahin wünsche ich ihm schnelle Genesung!“, so Karaahmetoğlu.
Die scheidende Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang äußerte sich ebenfalls zu Kühnerts Rückzug. Sie bezeichnete ihn als „einen der klügsten und schlagfertigsten Politiker, die ich kennenlernen durfte. Und er zeigt gerade auch in dieser Situation, dass es ihm um die Sache geht und nicht um sich selbst. Er wird fehlen, als Politiker - und mir persönlich auch als Freund“. Lang selber hatte erst kürzlich ihren Rücktritt von der Grünen-Parteispitze angekündigt.
SPD-Beben um Kühnerts Rücktritt – Göring-Eckardt spricht von „hartem Schlag“
Langs Parteikollegin Katrin Göring-Eckardt schrieb via X von einem „harten Schlag. Für die SPD, aber auch für die deutsche Politik.“ Sie bezeichnete Kühnert als „einen der Klügsten seiner Generation“ und wünschte „viel Kraft und Genesung“.
Anne Will, ehemalige ARD-Talkmasterin, die Kühnert oft interviewt hatte, äußerte sich ebenfalls. Sie schrieb, sie habe ihn „immer als ausgesprochen professionellen Politiker und zudem als sehr angenehmen Menschen erlebt“. Sie wünschte ihm ebenfalls eine schnelle Genesung. Der Grünen-EU-Politiker Erik Marquardt, der Kühnert seit seiner Zeit als Juso-Vorsitzender persönlich kennt, schrieb: „Kevin Kühnert kenne ich seit seiner Zeit als Juso-Vorsitzender persönlich. Er ist ein unglaublich talentierter Politiker und ein feiner, prinzipientreuer Mensch. Ich wünsche ihm alles ersehnlich Gute für die Zukunft, aber vor allem schnelle Genesung und wenig Nachbohren.“
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