VonLukas Rogallaschließen
Russlands Präsident Wladimir Putin könnte sich wohl weiter zurückziehen: Drohnenangriffe auf Moskau sorgen offenbar im Kreml für Angst.
Moskau – Angesichts neuer Drohnenangriffe auf Moskau mit beschädigten Gebäuden und einigen Verletzten steigt die Nervosität in Russlands Hauptstadt. Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, auch die russische Elite soll sich mittlerweile nicht mehr sicher fühlen – selbst Präsident Wladimir Putin.
Sowohl die Angriffe auf russischem Gebiet als auch der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs soll laut kremlnahen Quellen dafür sorgen, dass Putin das Land vorerst nicht verlässt. Das berichtet unter anderem das unabhängige Portal Verstka. Der ukrainische Militärgeheimdienst gibt Putin derweil offen als Tötungsziel aus.
Präsident Putin fühlt sich offenbar nach Drohnenangriffen ängstlich und unsicher
Offenbar fühlt sich der Präsident, auch wegen der jüngsten Drohnenangriffe auf Moskau, nicht sicher genug und versucht, die Risiken für sich selbst zu minimieren. „Das ist jedenfalls der Gedanke, der am Rande des Kremls verbreitet wird“, zitiert Verstka die Quelle weiter. Es gebe kein Gefühl der Sicherheit für den Präsidenten.
Wie The Moscow Times berichtet, soll sich Putin zum Zeitpunkt der neuesten Drohnenangriffe auf Moskau in seinem Anwesen Nowo-Ogarjowo im Stadtteil Krylatskoje befunden haben, rund 30 Kilometer westlich des Kremls. Auch wenige Minuten von dort entfernt seien Drohnen abgeschossen worden. Eine kremlnahe Quelle berichtet, der Sicherheitsdienst soll den Präsidenten am frühen Dienstagmorgen über den Abschuss informiert haben. Ob Putins Residenz das Ziel der Angriffe war, ist unklar.
Putin das Ziel der Ukraine? „Wir versuchen, ihn zu töten“
Vadim Skibitsky, stellvertretender Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, sagte jüngst im Interview mit der Welt: „Putin steht ganz oben auf der Liste. Wir versuchen, ihn zu töten.“ Der Präsident sei nämlich derjenige im Ukraine-Krieg, der „koordiniert und entscheidet, was passiert“. Putin merke, dass „wir ihm näher und näher kommen“. Vielleicht habe er aber auch Angst, „von seinen eigenen Leuten getötet zu werden“.
Putin traut sich nun offenbar auch nicht mehr ins Ausland wegen des Haftbefehls aus Den Haag. Russische Staatsmedien berichteten am Mittwoch (31.05.2023), dass Putin nicht an der Amtseinführung des erneut gewählten türkischen Präsidenten Erdoğan teilnehmen werde. Stattdessen soll Wjatscheslaw Wolodin, Sprecher der Staatsduma, nach Ankara reisen.
Putin nach Drohnenangriffen in Angst? Russischer Präsident will nicht mehr ins Ausland reisen
Ein Gipfeltreffen der „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit“, an dem unter anderem Putin und Chinas Präsident Xi Jinping teilnehmen sollen, wird nicht mehr wie vorgesehen in Neu-Delhi, sondern virtuell stattfinden. Offiziell sprechen die Organisatoren von Schwierigkeiten bei der Planung.
Das Portal The Hindu spekuliert, dass die Umstellung mit Putins Zurückhaltung zusammenhängen könnte, ins Ausland zu reisen. „Wenn Putin nicht nach Indien reist, dann liegt das natürlich an dem Haftbefehl“, soll eine hochrangige Quelle im russischen Parlament Verstka mitgeteilt haben. Auch die Drohnenangriffe würden eine Rolle spielen. Der Präsident habe „kein Gefühl für Sicherheit“ mehr, heißt es. Der Kreml würde versuchen, jegliche Risiken für Putin zu minimieren.
Wagner-Chef Prigoschin und Putins Bluthund offenbar auch auf der Tötungsliste
Auch ein Treffen der BRICS-Staaten in Südafrika kommenden August könnte für Putin brenzlig werden. Die südafrikanische Opposition erhöht den Druck auf die Regierung, den russischen Präsidenten festzunehmen, sollte er einreisen. Die Regierung gab bekannt, allen Teilnehmenden „Immunität“ zu gewähren.
Doch nicht nur Putin steht auf der Tötungsliste: Jewgeni Prigoschin, Chef der Wagner-Gruppe, sowie der russische Ultranationalist Igor Girkin sind ebenfalls laut Skibitsky im Visier der ukrainischen Geheimdienste stehen. Auch Generalstabschef Waleri Gerassimow, Verteidigungsminister Sergei Schoigu und „Putins Bluthund“ Ramsan Kadyrow müssten sich für ihre „Taten verantworten“ Oligarchen aus Russland, die etwa Waffen produzieren oder den Krieg mitfinanzieren, würden auch zu den Feinden gehören. Nach internationalen Konventionen seien sie „ein legitimes Ziel“, sagte Skibitsky. (lrg)
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