Wechsel im Kadyrow-Clan

Problem für Putin: Tschetschenien sucht nach einem Thronfolger

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Ramsan Kadyrow ist dem Tode geweiht – so lauten Gerüchte. Auf einem Fitness-Video will der Tschetschenen-Führer aber aussehen wie das blühende Leben.

Grosny – „So Gott will, wirst Du ewig leben“ – das läuft als Singsang im Hintergrund eines Videos von Fitness-Übungen Ramsan Kadyrows. Der Tschetschenen-Führer lanciert pressewirksam seinen vermeintlich tadellosen Gesundheitszustand, nachdem das russische Online-Medium Nowaja Gaseta Europa unter Berufung auf anonyme Quellen verbreitet hatte, Kadyrow sei todkrank – deren Meldungen zufolge leide er unter nekrotisierender Pankreatitis, einer schweren Erkrankung der Bauchspeicheldrüse – und das möglicherweise schon seit vier Jahren. Die Bild spricht jetzt von „plötzlicher Panik in Putins Machtapparat", die Nowaja Gaseta sucht bereits einen Thronfolger für die Teilrepublik der Föderation Russlands. Denn: Ein blutiger Machtkampf soll unbedingt verhindert werden.

Seit dem vergangenen Jahr soll dem Vasallen von Wladimir Putin sein schlechter Gesundheitszustand deutlich anzusehen sein, wie die Gaseta schreibt: „Selbst der unaufmerksamste Beobachter konnte erkennen, dass Kadyrow aufgrund von Nierenversagen und Flüssigkeit in der Lunge auf das Eineinhalbfache seiner ursprünglichen Größe angewachsen war. Er zeigte alle Anzeichen einer abnormalen Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum, litt unter schrecklicher Atemnot, hatte Schwierigkeiten beim Sprechen, ging langsam und war für das tschetschenische Klima überbekleidet.“

Aderlass: Putin verliert mit Kadyrow neben Prigoschin seinen zweiten Warlord

Dieser Beobachtung folgten mehrere öffentliche Termine, die Kadyrow hatte platzen lassen, dazu Berichte über Krankenhausaufenthalte in Moskau, teilweise zur intensivmedizinischen Behandlung. Jetzt schießen die Gerüchte über seine Nachfolge ins Kraut, wobei die Gaseta auch klar macht, dass über den künftigen tschetschenischen Machthaber definitiv im Kreml entschieden werden würde. Das ARD-Magazin Monitor hat Kadyrow zu einem „der schlimmsten Diktatoren unserer Zeit“ erklärt – er ist einer der engsten Abhängigen von Wladimir Putin – sein „Bluthund“, wie ihn die Medien betiteln, weil er in Person und seine Truppen immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang gebracht werden. Kadyrow ist neben dem vermeintlich toten Führer der Wagner-Söldner, Jewgeni Prigoschin, der zweite bedeutende Warlord, der im Ukraine-Krieg mitmischte.

„Der 15-jährige Sohn von Ramsan Kadyrow hat schon sieben Orden, den Titel ,Held Tschetscheniens‘ und einen ,verantwortungsvollen Posten‘ im Sicherheitsdienst seines Vaters erhalten. Warum bekommt er solche Aufmerksamkeit?“

Markian Ostaptschuk über Adam Kadyrow in der Deutschen Welle

Kadyrow scheint vor allem wirtschaftliche Ziele abseits der Schlachtfelder zu verfolgen. Während Staatspräsident Wladimir Putin nach Macht giert, schielt sein tschetschenischer Vasall auf Profit. Auch lässt er Familienmitglieder auf gut dotierte Posten setzen. Politik scheint ihn dabei nur zu interessieren hinsichtlich des Nord-Kaukasus; dort streitet sich das unter seiner Herrschaft stehende Tschetschenien mit dem Nachbarn Inguschetsien um die Vorherrschaft.

Die Nowaja Gaseta sucht einen Nachfolger zunächst unter seinen Kindern – er hat zwölf davon. Ende vergangenen Jahres hatte auch die Deutsche Welle das Spekulieren begonnen – mit dem Blick auf Adam Kadyrow hat sie diskutiert: „Der 15-jährige Sohn von Ramsan Kadyrow hat schon sieben Orden, den Titel ,Held Tschetscheniens‘ und einen ,verantwortungsvollen Posten‘ im Sicherheitsdienst seines Vaters erhalten. Warum bekommt er solche Aufmerksamkeit?“ Kadyrow junior leitet offenbar die Sicherheitsabteilung, die seinen Vater beschützt, und er soll auch schon Orden der Russischen Föderation erhalten haben. Das Magazin nd stempelte ihn quasi zum geborenen Diktator: Adam Kadyrow hat zu seinem 16. Geburtstag Orden und eine Armeeeinheit bekommen.“

Der geborene Diktator? Adam Kadyrow ist der jüngste Sohn des Tschetschenen-Führers Ramsan Kadyrow. Zum 16. Geburtstag soll er einen Orden und das Kommando über eine Armee-Einheit bekommen haben. Er gilt als potenzieller Nachfolger seines möglicherweise todgeweihten Vaters.

Familienbande: Putins nächster Vasall eventuell ein Sproß aus dem Kadyrow-Clan

Ein Video zeigt den Sprössling bei der Misshandlung eines tschetschenischen Häftlings – das erwecke unter Beobachtern den Eindruck, als würde Kadyrow einen Nachfolger küren und ihn Putin schmackhaft machen wollen, vermutet Nikolaj Petrow gegenüber der Deutschen Welle: Der Leiter des russischen Zentrums für politisch-geografische Forschung schließt nicht aus, „dass Ramsan Kadyrow austesten will, wie weit er gegenüber Moskau gehen und selbstständig handeln kann“. Auch eine Tochter des Autokraten steht bereits in den Startlöchern. Seine mit 24 Jahren älteste Tochter, Aishat Kadyrowa, ist laut Informationen von Radio Free Europe (RFE) im Oktober von der Kulturministerin zur stellvertretenden Vorsitzenden der tschetschenischen Nationalregierung geworden.

„Kadyrow erklärte offen, dass er es nicht zulassen werde, dass ihm Ernennungen von außen aufgezwungen würden und seine Personalpolitik diskreditiert werde“, schrieb im Oktober 2022 Natalia Kildiyarova für das RFE-Medienprojekt Caucasus.Realities. Nach deren Recherchen „waren im Jahr 2016 zu verschiedenen Zeiten etwa 100 Personen aus dem sogenannten Kadyrow-Clan in Regierungsämtern tätig, ein Drittel davon waren Blutsverwandte des tschetschenischen Oberhauptes. Im Jahr 2018 veröffentlichte der BBC Russian Service eine Untersuchung, in der behauptet wurde, dass von 158 Beamten in Tschetschenien etwa 47 Personen mit Kadyrow verwandt seien“.

Geben und Nehmen: Kadyrow hält Tschetschenien zusammen und darf sich dafür austoben

Neben dem Belarusen Alexander Lukaschenko gilt Kadyrow als wohl Putins engster Verbündeter im Rahmen der Russischen Föderation – in Tschetschenien ist der Clan-Chef scheinbar auch unangefochten, „und dem Kreml scheint diese gewaltsame Befriedung den Preis beinahe totalitärer Willkür und gelegentlicher Übertreibungen wert zu sein. Aber ohne den Kreml käme der bärtige, oft entrückt wirkende Tschetschene nicht weit. Verlöre er die Gunst Putins, könnten sich weder er noch seine ebenso wenig vor Folter und Mord zurückschreckenden Mitstreiter lange an der Macht halten“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung am Ende des ersten Jahres des Ukraine-Kriegs.

Außenpolitisch fehlen Putin unverrückbare Freundschaften, insofern wird erwartet, dass der russische Diktator sehr genau auswählen wird, wer Kadyrow folgen könnte. Die Nowaja Gaseta Europa spekuliert neben den Familienangehörigen noch mit den externen Kandidaten Magomed Daudow und Adam Delimchanow. Daudow ist Sprecher des tschetschenischen Parlaments, und Delimchanow Abgeordneter für Tschetschenien im Unterhaus des russischen Parlaments, der Staatsduma. Dritter externer Kandidat mit – nach Meinung der Gaseta – vielleicht besten Chancen ist Apti Alaudinow, der die tschetschenische Freiwilligeneinheit Achmat kommandiert und die Reste der nach dem Putsch verstreuten Wagner-Söldner unter sein Kommando genommen hatte – mit dem Segen des Kreml-Chefs.

Wie die Gaseta berichtet hat, wurde Alaudinow von Putin selbst zum Stellvertreter der Hauptdirektion für militärische und politische Arbeit im Verteidigungsministerium ernannt. „Putins Anordnung könnte als Bestätigung dafür dienen, dass sich der Kreml endlich auf einen Nachfolger für Kadyrow geeinigt hat, dessen Gesundheitszustand im vergangenen Jahr die Hauptnachricht aus Tschetschenien war“, wie die Gaseta berichtet. Ihr zufolge soll das aktuell veröffentlichte Video den wahren Gesundheitszustand des Diktatoren verschleiern.

Nestbeschmutzer: Kadyrow wirft ein schlechtes Licht auf das Image Wladimir Putins

Ob mit oder ohne ihn wird sich am Kurs des rund 1,5 Millionen Menschen zählenden Völkchens möglicherweise kaum etwas ändern; die Teilrepublik hängt wirtschaftlich am Tropf Russlands. Nach Monitor-Angaben sind auch die Truppen des Landes ein unverzichtbarer Teil der russischen Invasion der Ukraine – den Tschetschenen werden auch zahlreiche Kriegsverbrechen vorgeworfen. In einem Fernseh-Interview in 2017 hatte Kadyrow seine hündische Abhängigkeit von Putin offen zugegeben: „Kadyrow beschrieb Putin als sein ,Idol‘ und sagte in dem Interview: ,Ich bin bereit, für ihn zu sterben, jeden Befehl zu erfüllen‘“, wie der britische Guardian berichtet hat.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow, der als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus eigene Truppen befehligt. „Putins Bluthund“, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervor. Mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. © Yelena Afonina/imago
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Kadyrows diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, Korruption und einem ausufernden Personenkult. Seit Oktober 2022 ist er darüber hinaus Generaloberst der russischen Streitkräfte. © Yelena Afonina/imago
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“. Seit März 2004 im Amt, verteidigt Lawrow seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder die Behauptung, dass Russland die Ukraine von den dort regierenden Nazis befreien zu wollen. Anfang Mai 2022 versuchte Lawrow im italienischen Fernsehen das Argument zu entkräften, als Jude könne der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kein Nazi sein: „Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ © Imago
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland. „Wenn wir über das sprechen, was in der Ukraine vorgeht, so ist das kein hybrider, sondern schon fast ein richtiger Krieg, den der Westen lange gegen Russland vorbereitet hat“, sagte Lawrow während einer Afrika-Reise im Januar 2023, die ihn u. a. auch nach Angola führte. Der Westen wolle alles Russische zerstören, von der Sprache bis zur Kultur, so Lawrow. © Imago
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten.
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten. Der Gefolgsmann des russischen Präsidenten war von 2008 bis 2012 Präsident Russlands und anschließend bis 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht Medwedew, inzwischen Vizechef des russischen Sicherheitsrates, ein ums andere Mal mit Verschwörungserzählungen und martialischen Äußerungen über die Ukraine und den Westen auf sich aufmerksam. Unter anderem drohte er mit dem „Verschwinden der Ukraine von der Landkarte“. © Artyom Geodakyan/imago
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt.
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt. Gerne droht der Vizechef des russischen Sicherheitsrates den Nato-Staaten mit einem Angriff oder gar mit Atomschlägen. Im Sommer 2022 bezeichnete er die Regierung in Kiew als „vereinzelte Missgeburten, die sich selbst als ‚ukrainische Regierung‘ bezeichnen“, die US-Regierung waren für ihn „Puppenspieler jenseits des Ozeans mit deutlichen Anzeichen senilen Wahnsinns“. Ende 2022 versuchte er sich als Prophet für das Jahr 2023: In Deutschland entsteht demnach ein „Viertes Reich“, die EU zerfällt, in den USA bricht ein Bürgerkrieg aus. © Yekaterina Shtukina/imago
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren.
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren. © Sergei Ilnitsky/AFP
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“.
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“. Die frühere Spitzensportlerin galt in der Rhythmischen Sportgymnastik jahrelang als Nonplusultra. Ihre Erfolge (Olympiagold 2004 in Athen, neun WM- sowie 15 EM-Titel) sprechen für sich. Von 2007 bis 2014 war sie Abgeordnete der Russischen Staatsduma für die Partei „Einiges Russland“, seit September 2014 ist sie Vorsitzende des Verwaltungsrates der Nationalen Mediengruppe (NMG). Sie gilt Medienberichten zufolge als Geliebte des russischen Präsidenten und soll mit diesem mehrere Kinder haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. © Imago
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten.
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten. Eine offizielle Bestätigung aus Russland hat es aber nie gegeben. Der britischen Regierung zufolge steht sie „in enger persönlicher Beziehung zu Putin“. Kabajewa soll mehrere Kinder von Putin haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. 2015 soll sie in Lugano Zwillinge zur Welt gebracht haben, andere Quellen berichten von einer Geburt eines Jungen im Kanton Tessin und einer weiteren Geburt eines Sohnes in Moskau. Gesichert ist, dass Kabajewa nach 2015 für einige Jahre aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwand und auch heute nur äußerst selten öffentlich auftritt. © Valery Sharifulin/imago
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg.
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg. Seine seit 2012 im Sender Rossija 1 ausgestrahlte politische Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ gilt als vielleicht wichtigste innerrussischen Propagandasendung. Im Dezember 2022 drohte er dort zahlreichen europäischen Ländern mit militärischen Interventionen, weil diese die Ukraine unterstützen würden und Teil des europäischen Nazismus seien. Auch forderte er wiederholt den Einsatz von russischen Atombomben gegen Nato-Staaten. Im April 2022 bezeichnete er die Massaker von Butscha sowie Srebrenica als inszeniert. © Sergei Karpukhin/imago
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut, beschimpft die deutsche Regierung, streut deutsche Wörter ein und imitiert dabei eine schroffe Nazi-Aussprache. Einmal bezeichnete er Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als „Miss Ribbentrop“. Joachim von Ribbentrop war deutscher Außenminister unter Adolf Hitler, den Solowjow im Februar 2021 in seiner Sendung einmal als „sehr mutigen Menschen“ und „tapferen Soldaten“ bezeichnet hatte. Von seiner 2014 geäußerten Meinung, „Gott verbietet, dass die Krim nach Russland zurückkehrt“, hat er sich nach dem Euromaidan, der Revolution der Würde, schnell distanziert. © Artyom Geodakyan/imago
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet. Schon in den 1970er Jahren war Alexander Bortnikow zeitgleich mit Putin in St. Petersburg für den KGB im Einsatz. Putin, der einst selbst Direktor des FSB war, ernannte ihn im Mai 2008 zum Chef des Geheimdienstes und sicherte sich so maximalen Einfluss. Es gilt als gesichert, dass Putin auch als Präsident entscheidende Befehle selbst übermittelt.  © Alexei Druzhinin/imago
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken.
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken. Ein Beispiel ist der Anschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny, der nach Angaben des Recherchekollektivs Bellingcat zuvor monatelang von FSB-Agenten verfolgt worden war. Unter Bortnikow wurde die Macht des FSB durch mehrere Reformen immer stärker ausgeweitet. Zudem soll der FSB die prorussischen Separatisten im Osten des Landes unterstützt haben. Nach der Annexion der Halbinsel Krim ging der FSB gegen Medien und Kultur vor. © Mikhail Metzel/imago
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne.
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne. In Schoigus Amtszeit fallen zunächst die militärische Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine, die Annexion der Krim 2014 sowie das Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg aufseiten des Assad-Regimes. Wegen der Intervention zugunsten der Separatisten im Donbass eröffnete die Ukraine 2014 ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ihn. Seit Februar befehligt Schoigu als Verteidigungsminister die russischen Truppen im Ukraine-Krieg. © Pavel Golovkin/dpa
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng.
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng. So verbringt er regelmäßig seinen Sommerurlaub zusammen mit dem russischen Präsidenten im südsibirischen Tuwa – Schoigus Heimatregion, wo sich die beiden, wie hier im Jahr 2017, auch schon mal ein Sonnenbad in einer Pause vom Angeln gönnen. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist offen. So wies das „Institute for the Study of War“ in einem Bericht im Herbst 2022 darauf hin, dass Putin Schoigu für die Fehler im Ukraine-Krieg verantwortlich macht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Putin seinen Vertrauten doch noch zum Sündenbock macht.  © Alexei Nikolsky/dpa
Russia s First Deputy Prime Minister Andrei Belousov
Schoigus Nachfolger soll der bisherige Vize-Regierungschef Andrej Beloussow werden. Die militärische Komponente im Verteidigungsministerium bleibe auch nach der Ernennung Beloussows unverändert. „Heute gewinnt auf dem Schlachtfeld derjenige, der offener für Innovationen und deren Umsetzung ist“, erklärte Kremlsprecher Peskow Putins Entscheidung für einen Zivilisten an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Beloussow sei nicht nur Zivilbeamter, sondern habe auch viele Jahre erfolgreich in der Politik gearbeitet und Putin in Wirtschaftsfragen beraten. © IMAGO/Alexander Astafyev
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kirill I. bekannt.
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kyrill I. bekannt. Bürgerlich heißt der Patriarch allerdings Wladimir Gundjajew – und hat eine bewegte Vergangenheit. Unter dem Decknamen „Michailow“ hat er laut dem schweizerischen Bundesarchiv in den 1970er Jahren in Genf als Agent für den früheren sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB gearbeitet. Diese Vergangenheit verbindet ihn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. © Sergei Chirikov/dpa
Seit Februar 2009 ist Gunjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Seit Februar 2009 ist Gundjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche. Er gilt als enger Verbündeter Putins, dessen Regentschaft er im Zuge der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 als „Wunder Gottes“ bezeichnete. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs fällt er zunehmend durch Hasspredigten auf. Einmal bezeichnete er die Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“, zudem sprach er der Ukraine ihr Existenzrecht ab. Verbal lässt Kyrill I., anders als im April 2017 in Moskau, jedenfalls keine Tauben fliegen.  © Alexander Zemlianichenko/dpa
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden.
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden. Dugin, der viele Bücher geschrieben hat, gilt als antiwestlicher Hassprediger und Kämpfer für die Idee einer slawischen Supermacht. In seinem Buch „Grundlagen der Geopolitik“ sprach er sich gegen die Ukraine als souveränen Staat aus. Kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs wurde diese Rhetorik aufgegriffen, als Putin das ukrainische Staatsgebiet in einem Aufsatz infrage stellte. © Kirill Kudryavtsev/afp
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat. Größere Bekanntheit erlangte er in den 1990er Jahren, als er über Radio und Fernsehen seine Ideologie verbreitete. Zugleich war Dugin auch Mitglied von esoterischen und okkulten Zirkeln. Unklar ist, wie nahe Dugin dem russischen Präsidenten steht. Putins Äußerungen geben aber oft die Rhetorik Dugins wider. Als Beispiel sei das Konzept „Noworossija“ („Neurussland“) geannnt, das Russland benutzt hat, um die Krim-Annexion zu rechtfertigen. Damals gab Dugin in einem Interview auch unmissverständlich kund, wie nun vorzugehen sei: „Töten, töten, töten, das ist meine Meinung als Professor.“ © afp
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew.
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates war lange Jahre Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und gilt als radikaler, europafeindlicher Hardliner. Patruschew verbindet viel mit Putin: Sie sind etwa gleich alt, beide kommen aus dem heutigen Sankt Petersburg, vor allem aber entstammen sie beide dem sowjetischen Geheimdienst KGB. Patruschew wird als engster Vertrauter Putins wahrgenommen und soll von diesem zu seinem Stellvertreter für den Fall einer zeitweiligen Verhinderung der Amtsausübung erkoren worden sein © Zubair Bairakov/imago
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben.
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben. Im Herbst 2021 bezeichnete er die Ukrainerinnen und Ukrainer als „Nicht-Menschen“. Noch Ende Januar 2022 bestritt er jede Kriegsabsicht Russlands als „komplette Absurdität“. Ende Februar 2022 beschuldigte er in einem Manifest die USA und die EU, in der Ukraine eine „Ideologie des Neonazismus“ zu unterstützen.  © Aram Nersesyan/imago
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt.
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt. Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges warf er den USA und anderen westlichen Staaten vor, Russland zerstören zu wollen: „Die Masken sind gefallen. Der Westen will Russland nicht nur mit einem neuen Eisernen Vorhang umgeben“, zitierte der SWR Anfang März 2022 seinen Chef. „Wir reden über Versuche, unseren Staat zu zerstören, über seine ‚Annullierung‘, wie heutzutage in einem ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umfeld gesagt wird.“ Naryschkin gehörte zu jenen, die schon damals behaupteten, zwischen Russland und dem Westen tobe ein „heißer Krieg“. © Alexander Zemlianichenko/dpa
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten.
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten. Der SWR-Chef sprach sich damals versehentlich für eine russische Einverleibung der Volksrepubliken Luhansk und Donezk aus. Putin korrigierte ihn bei der im Staatsfernsehen übertragenen Sitzung und betonte, dass die Frage nicht gestellt sei. „Wir sprechen über die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit oder nicht“, kanzelte Putin den SWR-Chef ab. © Valery Sharifulin/imago
Zu den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin zählt der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin.
Zu den engsten Vertrauten Wladimir Putins zählte Jewgeni Prigoschin. Russlands Präsident und der erfolgreiche Geschäftsmann kannten sich lange. Als Putin noch KGB-Offizier war und in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trug der in den chaotischen 1990er Jahren in Russland zu Reichtum gekommene 61-Jährige den Beinamen „Putins Koch“. Auch wegen Raubes saß er in Haft.  © Mikhail Metzel/imago
Inzwischen ist Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet.
Lange war Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet. Putin ließ ihn lange schalten und walten, als hätte diese Schattenarmee, eine paramilitärische Organisation mit vielen verurteilten Verbrechern, längst das Zepter der Macht in der Hand. Vom 23 bis 24. Juni 2023 kam es zu einem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland. Danach bezeichnete ihn Putin als „Verräter“. Am 23. August 2023 kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. © Vyacheslav Prokofyev/imago

Erstaunlicherweise hatte der seit 2007 durch Russlands Gnaden regierende Politiker vor den Oberhauptswahlen in seinem Land im Jahr 2016 eine noch sehr schüchterne Meinung von seiner Rolle – er war einer der Kandidaten. Laut dem Guardian sagt er in einem Interview dem staatlichen russischen Fernsehsender Rossija 1: „Früher gab es für Leute wie mich das Bedürfnis zu kämpfen, die Dinge in Ordnung zu bringen. Jetzt haben wir Ordnung und Wohlstand ... und es ist Zeit für Veränderungen in der Republik Tschetschenien. Allerdings gelten diese Aussagen als vermeintliche Beschwichtigung, weil parallel auch Putin zur Wahl stand und eine zu große Nähe zu Kadyrow einen Schatten auf sein Image geworfen hätte.

Auf die in diesem Interview gestellte Frage, ob er zum Rücktritt bereit sei, soll Kadyrow geantwortet haben: „Man kann sagen, dass es mein Traum ist.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Yelena Afonina/TASS

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