Der Tschetschenenführer veröffentlichte ein Video mit MMA-Star Khamsat Chimaev. Nicht zum ersten Mal nutzt Kadyrow den Erfolg von Sportlern aus.
München – In den vergangenen Monaten rankten sich immer wieder Gerüchte um den Gesundheitszustand von Ramsan Kadyrow. Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien trat selten in der Öffentlichkeit auf und wirkte auf Fotos sichtbar aufgedunsen. Zwischenzeitlich machten sogar Gerüchte über Krankenhausaufenthalte und sogar den Tod von Putins Bluthund die Runde. Kadyrows offizieller Telegram-Kanal dementierte die Meldungen jedoch in regelmäßigen Abständen. Am Montag (23. Oktober) veröffentlichte Kadyrow ein neues Lebenszeichen. In einem Video zeigte sich der Tschetschenenführer mit einem der größten Sportstars der Teilrepublik: MMA-Kämpfer Khamsat Chimaev.
Putins Bluthund Kadyrow teilt Propaganda-Video mit Kampfsport-Star
Das Video zeigt, wie Kadyrow am Samstag im Fernsehen den Kampf zwischen Chimaev und dem Nigerianer Kamaru Usman verfolgt. Nach dem Punktsieg für Chimaev sieht man Kadyrow die Fäuste in die Höhe recken und „Allahu Akbar“ (dt. Allah ist groß) rufen. Anschließend kommt es in dem Video zum persönlichen Zusammentreffen von Kadyrow und Chimaev in Abi Dhabi, bei dem der Tschetschenenführer dem MMA-Kämpfer zum Sieg gratuliert.
Seite an Seite besteigen die beiden Tschetschenen daraufhin ein Privatflugzeug, das sie nach Tschetschenien bringt. In dem Video sieht man immer wieder, wie Kadyrow seinen Schützling freundschaftlich in den Arm nimmt. Am Flughafen in Grosny angekommen, werden Kadyrow und Chimaev von einer jubelnden Menge erwartet, die tschetschenische Fahnen mit dem Konterfei von Kadyrows Vater, Akhmad Kadyrow, schwenken.
Kadyrows Galionsfigur: MMA-Kämpfer Chimaev und seine Nähe zum tschetschenischen Autokraten
Geteilt wurde das Video nicht nur auf Kadyrows Telegram-Kanal, sondern auch auf über den Instagram-Account von Chimaev, wo dem Sportler 6,7 Millionen Menschen folgen. Es ist nicht das erste Mal, dass Kadyrow die Erfolge Chimaevs für seine pro-tschetschenische Propaganda nutzt. Immer wieder zeigte sich der Tschetschenenführer an der Seite des Kampfsport-Stars und betonte das freundschaftliche Verhältnis der beiden. Kadyrows Söhne Ali und Adam unterstützten Chimaev am Samstag sogar in dessen Ecke.
Der 29-jährige Chimaev wurde in Tschetschenien geboren, emigrierte jedoch im Alter von 18 Jahren nach Schweden. Seit 2020 kämpft der frühere Ringer in der UFC – der größten MMA-Organisation der Welt – wo er sich schnell einen Namen machte. In 13 Kämpfen ist Chimaev bisher noch ungeschlagen und zählt mit zu den größten Namen des Sports. Das macht ihn zu einer perfekten Galionsfigur für Kadyrows Tschetschenien. Putins Bluthund bezeichnete Chimaev nach dem Kampf am Samstag auf Telegram als „leuchtendes Beispiel“ für alle tschetschenischen Athleten.
Die Sport-Propaganda von Putins Bluthund – der Kriegstreiber und der Social-Media-Star
Chimaevs über sechs Millionen Follower wird Kadyrow im Gegenzug als Freund, Mentor und Kampfsport-Fan präsentiert. Hinweise auf die Beteiligung von Putins Bluthund und dessen Soldaten an den Kämpfen in der Ostukraine sucht man vergeblich. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine Ansprache, die Chimaev am Samstag nach seinem Kampf noch im Octagon – dem achteckigen Käfig, in dem die Kämpfe ausgetragen werden – hielt.
Mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und in Israel sagte der Sportler: „Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt, in der Ukraine, in Syrien, in Afghanistan, in Palästina. USA. Spielt keine Rolle. Wenn Kinder sterben, ist das hart, Jungs. Ich liebe die Kinder.“ Während Chimaev für seine Rede viel Zuspruch auf den sozialen Medien erhielt, zeigten sich einige Nutzer verwundert über die Bilder mit Kadyrow, die er ebenfalls nach dem Kampf teilte. Kadyrow tritt seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder als politischer Hardliner auf und übte zwischenzeitlich auch Kritik an Präsident Wladimir Putin, da er dessen Vorgehen in er Ostukraine für zu weich hielt.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten
Kampfsportnation Russland: Putins Bluthund nutzt Reichweite von MMA-Stars
Russland kann seit Beginn der UFC auf eine lange Reihe von erfolgreichen MMA-Kämpfern zurückschauen. Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs wurden russische Athleten in diversen Sportarten von den Wettkämpfen ausgeschlossen oder durften nur unter neutraler Flagge antreten. Nicht so in der UFC. Bei der Veranstaltung am Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten waren russische Sportler in jedem der fünf Hauptkämpfe vertreten. Das „Main Event“ des Abends bestritt mit dem Russen und aktuellen Weltmeister im Leichtgewicht Islam Makhachev einer der absoluten Top-Stars des Sports.
Makhachev stammt ebenso wie sein Mentor, der ehemaliger Weltmeister Khabib Nurmagomedow, aus der russischen Teilrepublik Dagestan, die östlich von Tschetschenien am Kaspischen Meer liegt. Auch Makhachev ließ sich immer wieder gemeinsam mit Kadyrow ablichten und schenkte Putins Bluthund auch seinen ersten Weltmeister-Gürtel.
Propaganda trotzt Sanktionen im Ukraine-Krieg – Kadyrow und die UFC
Dass Kadyrow die russischen MMA-Kämpfer für Propagandazwecke nutzt, ist auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass es sich bei der UFC um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt. Putins Bluthund steht gemeinsam mit diversen anderen russischen Offiziellen auf den Sanktionslisten der USA und der EU. Doch die MMA-Organisation hat offenbar kein Interesse daran, die Verbindungen zum Tschetschenenführer zu unterbinden. UFC-Präsident Dana White posierte am Samstagabend sogar für ein Foto mit den Söhnen von Kadyrow.
Gegenüber der New York Times betonte die UFC bereits im vergangenen Jahr, man habe „kein Vertragsverhältnis oder kommerzielle Geschäfte mit Ramsan Kadyrow oder einem seiner Familienangehörigen, Partnern oder verbundenen Unternehmen“. (fd)