Proteste gegen ICE spitzen sich zu: Trump-Regierung setzt weiter auf Härte
VonChristian Stör
schließen
Die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten entfachen Proteste in Minneapolis und anderen US-Städten. Die Trump-Regierung bleibt bei ihrer Linie.
Minneapolis – Das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE stößt in den USA weiter auf erheblichen Widerstand. Die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf eine Frau in Minneapolis haben die Proteste weiter befeuert. Die Reaktion der US-Regierung auf die zahlreichen Demonstrationen fällt unterdessen eindeutig aus: Sie setzt weiter auf Härte und schickt Hunderte weitere Bundesbeamte in die Stadt.
So solle gewährleistet werden, dass bereits eingesetzte ICE-Beamte und Grenzschützer ihre Arbeit in der Großstadt im Bundesstaat Minnesota im Norden der USA sicher machen könnten, sagte US-Heimatschutzministerin Kristi Noem dem Sender Fox News. Sie kündigte ein hartes Durchgreifen an: „Wenn Einzelpersonen Gewalt gegen die Ordnungskräfte ausüben oder unsere Einsätze behindern, ist das eine Straftat, und wir werden sie für die Folgen zur Verantwortung ziehen.“
Trump-Regierung schickt noch mehr Bundesbeamte nach Minneapolis
Am zweiten Januar-Wochenende sind Zehntausende Menschen in Minneapolis gegen die Tötung einer 37-Jährigen auf die Straßen gegangen. Allein in Minneapolis, wo sich der tödliche ICE-Einsatz ereignete, demonstrierten am Samstagabend Tausende gegen die Behörde, wie örtliche Medien berichteten. Auch in vielen anderen US-Städten protestierten zahlreiche Menschen, am Samstag etwa in Los Angeles, Washington und Portland, am Sonntag zum Beispiel in Oakland, Nashville und New York.
Viele Menschen forderten ein Ende der Einsätze von ICE. US-Präsident Donald Trump setzt seit seinem Amtsantritt eine rigorose Migrationspolitik um. ICE-Beamte treten bei Razzien teils vermummt auf. Videoaufnahmen zeigen, wie sie Menschen festnehmen und in unmarkierten Fahrzeugen abtransportieren. Oft ist unklar, ob es sich bei den Festgenommenen schlicht um Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus handelt – oder um gefährliche Kriminelle, wie Trumps Regierung es darstellt. Einer YouGov-Umfrage zufolge war das Ansehen der Einwanderungsbehörde bereits vor dem Schusswaffenangriff stark gesunken.
Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen
ICE-Beamter erschießt Frau – Minneapolis wird zum Schauplatz einer Tragödie
Ein ICE-Beamter hatte in Minneapolis die unbewaffnete US-Staatsbürgerin Renee Good am 7. Januar in ihrem Auto mit drei Schüssen getötet. Nach Angaben der Behörden hatte sie bei einem ICE-Einsatz die Straße mit ihrem Auto blockiert. Ein ICE-Beamter näherte sich zu Fuß, ging um ihren Wagen herum und filmte auch, wie sie ihn ansprach. Die Trump-Regierung stellt Good als „inländische Terroristin“ dar, die in Notwehr getötet worden sei.
Heute ist ein guter Tag für ICE, um Minnesota zu verlassen.
Die demokratische US-Senatorin für Minnesota, Tina Smith, erhob deshalb schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung: Trump, Noem und der US-Vizepräsident JD Vance versuchten, „zu vertuschen“, was in Minneapolis geschehen sei, sagte sie dem Sender ABC News. „Was ich damit meine, ist, dass man sehen kann, dass alles, was sie tun, darauf abzielt, das Narrativ zu beeinflussen, um ohne jegliche Untersuchung zu sagen, was geschehen ist.“ Auf Videos ist zu sehen, dass Good ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuert, bevor er schießt.
Good ist das vierte Todesopfer bei ICE-Einsätzen seit Beginn der Trump-Abschiebekampagne
Noem hatte zuvor behauptet, die oppositionellen Demokraten hätten die Menschen zu Gewalt gegen Beamte der Einwanderungspolizei angestachelt. „Sie haben die Öffentlichkeit aufgehetzt“, sagte die Ministerin dem Sender CNN. „Sie haben zu den Zerstörungen und Gewalttaten ermutigt, die wir in den vergangenen Tagen in Minneapolis gesehen haben.“
In Minneapolis und St. Paul im Bundesstaat Minnesota läuft seit Tagen ein großer ICE-Einsatz, an dem laut Heimatschutzministerium bereits mehr als 2000 Bundesbeamte beteiligt sind. Ziel des Vorgehens sind den Behörden zufolge Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Gemeinschaft.
Laut der auf Berichte über Schusswaffengewalt spezialisierten Website „The Trace“ ist Good bereits das vierte Todesopfer bei ICE-Einsätzen seit Beginn der massiven Abschiebekampagne der Regierung von Präsident Donald Trump. Sieben weitere Menschen wurden demnach verletzt. (Quellen: Independent, ABC News, Fox News, CNN, The Trace, YouGov, dpa, AFP) (cs)