Satellitenbilder enthüllen

Putin errichtet geheime Raketenbasen in Belarus – NATO alarmiert

  • schließen

Belarus errichtet neue Militärkomplexe nahe Ukraine. Ein Areal bei Minsk könnte Oreschnik-Raketen aufnehmen. „Sapad-2025“ sorgt zusätzlich für Druck.

Minsk – In Belarus entstehen in rasantem Tempo neue Militäranlagen. Besonders im Fokus steht ein Areal südlich von Minsk, wo großflächig Wälder gerodet und Straßen angelegt werden. Die Dimensionen des Projekts lassen auf eine strategische Nutzung schließen, die weit über gewöhnliche Ausbildungsstätten hinausgeht. Auch nahe der Stadt Homel, unweit der Grenze zur Ukraine, wächst ein weiterer Komplex heran, der die regionale Sicherheitslage verändern dürfte.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Die Bauaktivitäten verstärken die Befürchtungen, dass Russland seine militärische Präsenz in Belarus massiv ausweitet. Beide Standorte liegen so, dass sie den Druck sowohl auf Kiew im Ukraine-Krieg als auch auf NATO-Staaten erhöhen könnten. Mit den für September angesetzten Großmanövern „Sapad-2025“ gewinnt die Entwicklung zusätzliche Brisanz – Beobachter erwarten, dass die neuen Anlagen erstmals einbezogen werden.

Während Ukraine-Krieg tobt: Putin baut geheime Raketenbasen in Belarus

Gleich mehrere neue Militärstandorte sind derzeit in Belarus im Bau, darunter ein Komplex unweit von Minsk auf dem Gelände einer früheren sowjetischen Raketenbasis. Der Bau begann im Juni 2024; bis September 2025 umfasst die Fläche mehr als zwei Quadratkilometer. Ausgewertete Planet-Labs-Bilder zeigen gerodete Wälder, Erdarbeiten, ein Straßennetz sowie 13 Munitionsdepots und drei rund 100 Meter lange Hallen. Ermittler des RFE/RL-Projekts (Radio Free Europe / Radio Liberty) „Skhemy“ (deutsch: „Schema“) sehen hier mögliche Vorbereitungen für die Stationierung russischer ballistischer „Oreschnik“-Raketen.

Die Anlage gliedert sich laut Analyse in vier getrennte Abschnitte, verbunden durch neue Straßen. Es sind Fundamente weiterer Gebäude sichtbar, ein nahezu 150 Meter langer Neubau sowie aufgeschüttete Erdwälle. Offizielle belarussische Bestätigungen fehlen; im Kataster gibt es keine eindeutigen Einträge. Auch Anfragen an das Verteidigungsministerium blieben unbeantwortet.

Die russische Hyperschall-Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ (li.) gilt als nuklearfähig und extrem schwer abzufangen. Satellitenaufnahmen (re.) belegen parallel großangelegte Bauarbeiten in Belarus, südlich von Minsk, wo nach Experteneinschätzung ein neuer Militärstützpunkt für solche Systeme entstehen könnte.

Historischer Ort mit nuklearem Erbe – jetzt großflächig durch Putin reaktiviert

Das Gelände war zu Sowjetzeiten als Militärlager Nr. 25 „Pawliwka/Pavlovka“ Standort des 306. Strategischen Raketenregiments (R-12, später „Pionier“ und „Topol“). Nach dem NPT-Beitritt (Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen) 1993 wurden Regiment und Infrastruktur aufgegeben. Seit Frühjahr 2024 laufen Minenräumung, Rodungen und Bauarbeiten in hoher Taktung – belegt durch Fernsehbilder und Satellitenaufnahmen.

„Meine Einschätzung wäre, dass diese Basen mit einer Art Ausrüstung auf strategischer Ebene verbunden sind, die in Belarus stationiert werden kann“, sagt der Militärexperte Konrad Muzyka gegenüber RFE/RL. „Ob das der Oreschnik ist oder etwas anderes, werden wir sehen, aber es ist definitiv von strategischer Bedeutung.“ In jedem Fall gehe er davon aus, dass die genannte Ausrüstung eine „nukleare Komponente“ habe.

Zweite Großbaustelle bei Homel – nur wenige Dutzend Kilometer zur Ukraine

Ein weiterer neuer Komplex entsteht am Rand der Stadt Homel, keine 40 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Luftbilder zeigen seit Ende 2023 Rodungen, Trassenbau, Fundamente und eine geplante Übungs- und Gefechtszone. Die Dimension entspreche einer Brigadebasis mit Platz für mehrere Tausend Soldaten, berichten die Investigativteams. In Ausschreibungen ist von einem „Militärstädtchen mit Ausbildungs- und Taktikfeld“ die Rede, schreibt The Kyiv Independent.

Belarussische Medien, notiert die Ukrainska Pravda, nannten bereits Exerzierplatz, Unterkünfte und Kantine für bis zu 680 Personen. Offiziell ist nicht benannt, welche Einheit dort einzieht. Angesichts der neu aufgestellten 37. Luftsturm-Brigade zur Verstärkung des Südabschnitts liegt eine Stationierung nahe, heißt es in den Recherchen.

Oreschnik – Daten und Fakten

MerkmalAngabe / Beschreibung
TypRussische mobile Mittelstreckenrakete (IRBM) mit Hyperschallgeschwindigkeit
ReichweiteBis zu 5.500 Kilometer
GeschwindigkeitMobil, bodengestützte ballistische Rakete, Start von LKW-Plattformen
SprengkopfKonventionell oder nuklear (bis zu 900 Kilotonnen, ~45 Hiroshima-Bomben); bis zu sechs MIRV-Gefechtsköpfe möglich
Erste Tests/EinsatzTests 2023 und 2024; erster Einsatz im November 2024 gegen Dnipro (Ukraine)
StationierungGeplant ab Ende 2025 in Russland und Belarus
AntriebFeststoffraketentriebwerk
BesonderheitEntwickelt zur Umgehung moderner Luftabwehrsysteme; extrem schwer abzufangen
ZielgenauigkeitStreukreisradius (CEP) 90–250 Meter
Strategische BedeutungVerkürzt Vorwarnzeit für Ukraine und NATO erheblich; mögliche Einsatzzeit nur wenige Minuten bis zu Zielen in Europa

„Oreschnik“ als Hyperschall-Mittelstreckenrakete – Putin kündigt Stationierung in Belarus an

Russlands Präsident Wladimir Putin pries die neue hyperschallschnelle Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ mehrfach an. Im Dezember 2024 erklärte er, Systeme würden zeitgleich mit der Einführung bei den russischen Strategischen Raketentruppen in Belarus stationiert, voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2025.

Der „Oreschnik“ gilt als nuklearfähig und wurde laut offenen Quellen bereits gegen die Ukraine eingesetzt. Westliche Einschätzungen gehen von wenigen Serienexemplaren aus. Belarus war in den vergangenen Jahren wiederholt als Standort russischer taktischer Nuklearwaffen im Gespräch – Minsk und Moskau hatten 2024 entsprechende Vereinbarungen getroffen, erläutert The Kyiv Independent.

„Sapad-2025“ erhöht den Druck – NATO-Nachbarn alarmiert

Die gemeinsamen Großmanöver „Sapad-2025“ laufen in Belarus vom 12. bis 16. September. Szenarien umfassen nach offiziellen Angaben auch nukleare Planungen. Polens Regierung reagierte mit einer befristeten Grenzschließung und warnt vor einer aggressiven Übungsdoktrin. Auch im Baltikum wächst die Sorge, so AP News.

Analystinnen und Analysten, bemerkt RFE/RL, sehen in den sichtbaren Bauprojekten ein Signal strategischer Verlagerung: Belarus könnte zur vorgeschobenen Startrampe werden – die Pufferzone zur Ukraine und zu NATO-Staaten schrumpft auf wenige Dutzend Kilometer. Parallel hantiert Moskau mit nuklearfähigen Systemen und nutzt die Manöver als Schaufenster militärischer Handlungsfreiheit.

Was bisher unklar ist – und was sich prüfen lässt

Ungeklärt bleibt, ob tatsächlich „Oreschnik“-Werfer in Pavlovka aufgestellt werden, wer die Baukosten trägt und ob die Infrastruktur bereits einsatzbereit ist. Die Baumerkmale – voneinander getrennte Sektoren, Munitionsdepots, Hallen und ein 150-Meter-Neubau – sprechen laut Experten für strategische Fähigkeiten. Die Behörden schweigen jedoch. Entscheidend werden die nächsten Wochen: Sollten die neuen Areale in „Sapad-2025“ einbezogen werden, ließe sich Nutzung und Zuführung schwerer Systeme beobachten, heißt es in dem RFE/RL-Bericht.

Am Ende steht eine sicherheitspolitische Verschiebung: Mit jedem Betonfundament in Belarus wächst der Handlungsradius russischer Streitkräfte Richtung Ukraine – und der Druck auf NATO-Grenzen von Polen bis Litauen. Dieser ist nach dem Abschuss russischer Drohnen in Polen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (10. September) freilich nicht geringer geworden.

Putins strategische Kalkül dahinter bleibt das gleiche: Drohkulisse aufbauen, Reaktionszeit verkürzen, Risiken für die Gegenseite erhöhen. (Quellen: Ukrainska Pravda, Radio Free Europe/Radio Liberty, The Kyiv Independent, Reuters, Associated Press) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: X (Screenshot)/@warsurveillance | Foto rechts: X (Screenshot)/@DevanaUkraine

Kommentare