VonYannick Hankeschließen
Wird Ex-US-Präsident Donald Trump zur entscheidenden Figur für Wladimir Putin im Ukraine-Krieg? Was es mit dem möglichen „dirty deal“ auf sich hat.
Moskau/Washington, D.C. – Seit Ende Februar 2022 führt Russlands Präsident Wladimir Putin den Ukraine-Krieg. Seitdem hat der Kreml-Herrscher immer wieder darauf gehofft, dass die westliche Welt ihre Unterstützung für das osteuropäische Land zurückzieht. Das war ein Irrglaube. Jeder Regierungswechsel auf europäischer Ebene wurde als potenzielle Chance betrachtet, in der Praxis hat sich dies jedoch nicht zum Vorteil der Russen erwiesen.
Weiterhin große Hoffnung hegt Putin auf eine erneute Regentschaft von Donald Trump als US-Präsident. Dieser hatte nämlich bereits versprochen, bei seiner Wiederwahl keinen Cent für die Unterstützung der Ukraine ausgeben zu wollen. Wird er quasi zu Putins persönlicher Trump(f)karte im Ukraine-Krieg?
Wladimir Putin hofft im Ukraine-Krieg auf „dirty deal“ mit Donald Trump: Wird er zum „Joker“ vom Kreml-Herrscher?
Laut des Politikwissenschaftlers Thomas Jäger – und wie eingangs erwähnt – eröffnet jeder Regierungswechsel zumindest theoretisch die Chance, dass die Unterstützung für die kriegsgebeutelte Ukraine reduziert wird. Ihre Position in dieser Hinsicht hatten zuletzt aber weder Schweden noch Italien verändert. Anders könnte es sich, zumindest auf dem Papier, mit den USA verhalten.
In einem Gastbeitrag für Focus Online verweist Jäger darauf, dass schon an die Midterm-Wahlen in den USA seitens Russlands große Erwartungen verknüpft waren. Ein Erdrutschsieg für die Republikaner, so die Hoffnung, könnte im Optimalfall zur Einstellung der Unterstützung für die Ukraine führen. Bekanntlich kam alles anders. Die Demokraten behielten die Mehrheit im Senat, die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus ist gar so knapp, dass sie für „derartig tiefgreifende Politikwechsel“ nicht reicht. Doch dann würde Donald Trump ins Spiel kommen. Um im Sprachbild zu bleiben: der vermeintliche „Joker“ Putins?
Trumps Wiederwahl als US-Präsident als Trumpf von Putin im Ukraine-Krieg?
2026 wird in den USA wieder gewählt, Ex-Präsident Donald Trump steht nach aktuellem Stand womöglich wieder zur Wahl. Das lässt Jäger folgende Überlegung von Politikberater François Heisbourg aufgreifen: „Könnte es sein, dass Präsident Putin gleichwohl auf die Wiederwahl von Trump setzt und möglicherweise einiges dafür tut, um den Krieg in der Ukraine gewinnen zu können, weil die USA die Unterstützung für deren Verteidigung einstellen?“
Putin würde in diesem Szenario auf einen „dirty deal“ mit dem wiedergewählten Donald Trump hoffen, um den Ukraine-Krieg zu seinen Gunsten zu entscheiden. Heisbourg hätte sogar verlauten lassen, dass der Kreml-Herrscher nur triumphieren könne, „wenn Trump wieder an die Macht kommt und die Amerikaner sich von der Ukraine abwenden“. Darauf solle sich Putin aber besser nicht verlassen, sagt Jäger. Doch warum?
Was gegen eine Zusammenarbeit von Donald Trump und Wladimir Putin spricht
Zunächst einmal hätten die vergangenen beiden Wahlen in den USA bereits gezeigt, dass Trump in erster Linie die Wähler mobilisiert, die gegen ihn und seine Anhänger stimmen. Trumps Wiederwahl sei trotz seiner Position als Präsidentschaftskandidat der Republikaner nicht sicher. Darüber hinaus könne Trump nicht eigenmächtig die bisherige Ukraine-Politik der USA umstürzen. Weder mit Blick auf die Verbündeten noch hinsichtlich seiner Republikanischen Basis und den Abgeordneten.
Nach Jägers Einschätzung wäre Trumps Position zum Ukraine-Krieg typisch für den mittlerweile 76-Jährigen. Sie würde „einerseits aus Selbstüberschätzung und andererseits aus nationalpopulistischen Einsprengseln“ bestehen. Die Grundaussage Trumps wäre folgende: Mit ihm als US-Präsidenten wäre es nicht zum Krieg gekommen. Trump würde auch sagen, dass der Krieg zu teuer ist, die Soldaten statt in der Ukraine lieber an der Südgrenze der USA eingesetzt werden sollten. Kritik an Amtsinhaber Joe Biden äußert Trump sowieso.
Sturz von Wladimir Putin: Verlauf des Ukraine-Kriegs entscheidend für den Kreml-Herrscher
Jäger merkt zudem an, dass Putin keine zwei Jahre warten könne. Nach der nächsten Wahl in den USA kommt es nämlich erst am 25. Januar 2025 zur Amtseinführung des nächsten US-Präsidenten. „Die Perspektive von weiteren zwei Jahren Mobilmachung, wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen und dem Scheitern bei der Umsetzung der militärischen Ziele“ könne die Lage in Moskau so stark verändern, dass sich die Prioritäten von Russlands Präsident bis dahin geändert hätten. Oder es bereits zum Sturz von Putin gekommen ist?
Entscheidend sei gemäß des Politikwissenschaftlers aber auch, dass die amerikanische Finanz- und Militärhilfe an die Ukraine große Unterstützung innerhalb der Bevölkerung findet. Laut dem Marktforschungsinstitut Gallup wäre diese im Oktober 2022 bei Demokraten (79 Prozent) und Unabhängigen (64 Prozent) noch etwas ausgeprägter als bei Republikanern. Doch auch hier seien es zumindest 50 Prozent. Möchte Trump wiedergewählt werden, müsse er mehr auf die Wähler, die sich für weitere Unterstützung der Ukraine aussprechen. Und das würde definitiv nicht im Sinne Putins sein. Und der Kreml-Herrscher hätte sich ganz klassisch verzockt.
