Ukraine-Krieg

Putin „kontrolliert Emotionen der Russen“ – und hält sie damit in Schach

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Der russische Präsident Wladimir Putin weiß, was „seine“ Bevölkerung hören will – und kontrolliert so ihre Emotionen.
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Wladimir Putin weiß, was „seine“ Bevölkerung von ihm hören will – und kann so die Emotionen der Russen kontrollieren. Das kommt ihm im Ukraine-Krieg zugute.

Moskau – Die wegen des Ukraine-Kriegs auferlegten Sanktionen treiben Russland derzeit an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Gerüchte kommen auf, dass Putin bald pleite sein könnte. Die finanzielle Isolation stellt für den russischen Präsidenten eine PR-Katastrophe dar – und trotzdem steht die Regierung russischen Medien zufolge im eigenen Land verhältnismäßig gut da. Die in Moskau erscheinende Tageszeitung Nesawissimaja Gaseta (NG) bezeichnet das laut br24 als „erstaunliches Phänomen“. Demnach weiß Wladimir Putin aber einfach, was „seine“ Leute hören wollen und behält auf diese Weise „die Kontrolle über die Emotionen der Russen“.

Putin-News: Kreml-Chef versteht, was „seine“ Leute von ihm erwarten – und behält Kontrolle über ihre Emotionen

Immer wieder regt sich auch im eigenen Land Widerstand gegen den Kreml-Chef: So war sich die Ehefrau eines inhaftierten Oppositionellen sicher, dass Putin mit dem Ukraine-Krieg sein „eigenes Todesurteil unterzeichnet“ habe. Auch Exil-Russen schienen überzeugt davon, dass der Putsch gegen den russischen Präsidenten kommen wird – im Kreml wachse bereits seit längerem die Unruhe. Doch hat Putin offenbar ein Talent dafür, schlechte Neuigkeiten auf seine eigene Weise zu interpretieren und diese schönzureden.

„Jede Meldung über einen Sieg russischer Truppen hat eine fast verheerende Wirkung auf politische Gegner und untergräbt den Widerstand der Opposition rein emotional“, schreibt die russische Tageszeitung NG laut br24. Wladimir Putin habe demnach das bessere Bauchgefühl als seine Widersacher und verstehe, was „seine“ Russen von ihm erwarteten. „Allem Anschein nach behält Putin weiterhin die Kontrolle über die dominierenden Emotionen der Russen. Das ist die Grundlage für alle seine Entscheidungen. Und sein Rating ermutigt ihn zu neuen, verwegenen Plänen“, heißt es in der russischen Tageszeitung weiter.

Putin redet aktuelle Ereignisse im Ukraine-Krieg schön – von der Leyen sieht ihn bereits als Verlierer

Konkret ließe er beispielsweise predigen, dass nach dem „Sieg“ im Donbass ukrainische Städte wie Odessa, Charkiw und Kiew als nächstes „dran“ seien – und genau das wollten große Teile der russischen Bevölkerung von ihm hören, berichtet NG. Während in Russland also vermeintliche Siege im Krieg gefeiert werden, ist die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen davon überzeugt, „dass Präsident Putin diesen Krieg schon nicht mehr gewinnen kann“.

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Doch Putin vertraut Nesawissimaja Gaseta zufolge seinem „Bauchgefühl“ und habe kein Problem damit, seinen Landsleuten – die dafür sehr empfänglich sind – die Welt schönzureden, berichtet br24. „Solange Putin die Nabelschnur zur gesellschaftlichen Mehrheit nicht durchtrennt, wird er unaufhaltsam dabei sein, seine höchst eigenen Vorstellungen über die Welt als deren Wirklichkeit zu verkaufen.“

„Putin nutzt Gefühle, um seine Politik zu legitimieren“ – und hält Bevölkerung so in Schach

Auch die Historikerin Ute Frevert stellt in Bezug auf Wladimir Putins Gefühlsmanipulation fest: „Er [Putin] nutzt Gefühle, um seine Politik zu legitimieren und zu ‚verkaufen‘. Denn er ist zwar ein Autokrat, aber trotzdem braucht er die Zustimmung der Bevölkerung“, erklärt Frevert gegenüber dem Spiegel.

Der Kreml-Chef zeige sich dem eigenen Land und auch dem Ausland gerne als Politiker, der in der Menge badet und das Vertrauen des Volkes genießt – dazu mobilisiere er kraftvolle Gefühle. Auf die Weise ist es ihm laut Frevert möglich, einen übergroßen Teil der russischen Bevölkerung „gefühlspolitisch in Schach“ zu halten.

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