Putin reagiert auf Trump-Idee zum Ende des Ukraine-Kriegs – Treffen könnte in Europa stattfinden
VonStephanie Munk
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Putin reagierte auf einen Vorschlag von Trump zur Lösung des Ukraine-Konflikts. Seine Reaktion lässt wenig Raum für Optimismus auf eine baldige Lösung.
Update vom 12. Januar, 13.28 Uhr: Der künftige US-Präsident Donald Trump hat sich wiederholt zuversichtlich gezeigt, den Ukraine-Krieg beenden zu können. Wie zuletzt bekannt wurde, plant Trump bereits in Treffen mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin, der laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow offen dafür sei. Auch ein Ort für jenes Treffen könnte gefunden sein: Die Schweiz hat sich bereiterklärt, einen solchen Gipfel auszurichten. Das berichtet die Zeitung Le Temps unter Berufung auf das Schweizer Außenministerium.
Ende des Ukraine-Kriegs: Putin äußert sich zu Trumps Idee
Erstmeldung: Moskau – Mit der bevorstehenden Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus wächst bei einigen die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts. Trump hat in der Vergangenheit mehrfach betont, er könne den Krieg in der Ukraine innerhalb eines Tages beenden.
Doch für eine solche Lösung muss auch der russische Präsident Wladimir Putin mitspielen, der den Krieg gegen das Nachbarland angeordnet hat und auch in der Lage wäre, ihn zu beenden. Allerdings scheint Putin wenig von Trumps Ideen und Vorschlägen zur Beendigung des Ukraine-Konflikts zu halten.
Nach einer Sitzung des Obersten Eurasischen Wirtschaftsrats am 26. Dezember beantwortete Putin Fragen der russischen Presse. Der Journalist Pawel Zarubin stellte Putin eine Frage, wie ein Transkript des Kreml von der Veranstaltung belegt: „Das Trump-Team hat erwähnt und direkt erklärt, dass der Konflikt möglicherweise eingefroren werden könnte, wenn es eine garantierte Verzögerung des Nato-Beitritts der Ukraine um 10 bis 20 Jahre gäbe. Was halten Sie von diesem Vorschlag?“
Putin-Antwort auf Trump-Vorschlag zum Ukraine-Krieg: „Diskussionen nicht bekannt“
Putins Antwort war, dass ihm „solche Diskussionen im neuen Team des gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht bekannt“ seien. Er fügte hinzu, dass es für ihn keine Rolle spiele, ob die Ukraine „heute, morgen oder in zehn Jahren“ der Nato beitrete, da dies „im großen Plan der Geschichte nur ein flüchtiger Augenblick“ sei.
Putin äußerte sich auch zu Trumps bevorstehender Präsidentschaft und seiner möglichen Rolle bei der Beendigung des Ukraine-Konflikts: „Ich bin mir nicht sicher, wie sich die Situation entwickeln wird und welche Anweisungen der designierte Präsident seinen Regierungskollegen erteilen wird. Die Zeit wird es zeigen.“
Putin will wohl auch mit Trump keine Kompromisse bei Ukraine-Verhandlungen eingehen
Das „Institute for the Study of War“ in den USA interpretiert Putins Aussagen als konsistent mit seinen früheren Kommentaren. Putin habe wiederholt klargestellt, dass er bei Verhandlungen zum Ukraine-Konflikt keine Kompromisse eingehen werde. Die Forderungen, die er seit seinem Einmarsch in die Ukraine gestellt hatte, würden weiterhin gelten: „Zu diesen Forderungen gehören, die Ukraine zu zwingen, ein dauerhaft neutraler Staat zu werden, der niemals der Nato beitreten wird, die Verhängung strenger Beschränkungen für die Größe des ukrainischen Militärs und die Absetzung der ukrainischen Regierung.“
Sergej Lawrow, Putins Außenminister, bekräftigte ebenfalls, dass Russland nicht bereit sei, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über Frieden in der Ukraine zu verhandeln. Lawrow griff in einem Interview mit russischen und ausländischen Medien am 26. Dezember vorherige falsche Behauptungen Putins auf, dass Selenskyj unrechtmäßig im Amt sei. Bevor es zu Verhandlungen kommen könne, müsse die Ukraine einen neuen Präsidenten wählen, so Lawrow. Ansonsten besitze die ukrainische Regierung keine Legitimität.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Putin und Lawrow stellen Selenskyj als unrechtmäßigen Präsidenten hin, der nicht verhandeln könne
Putin hatte am 16. Dezember in einer Mitteilung des Kremls behauptet, es sei unrechtmäßig gewesen, dass Selenskyj die Präsidentschaftswahl im Jahr 2024 wegen des laufenden Krieges ausgesetzt habe. Die Verschiebung der Wahlen wegen Kriegsrecht sei nur für das ukrainische Parlament rechtmäßig, nicht aber für den ukrainischen Präsidenten, so Putin.
Das „Institute for the Study of War“ widerspricht jedoch dieser Behauptung. Laut der ukrainischen Verfassung sei es ausdrücklich verboten, dass unter herrschendem Kriegsrecht Präsidentschafts-, Parlaments- und Kommunalwahlen stattfinden. „Selenskyj war gemäß diesen Bestimmungen gesetzlich verpflichtet, die ukrainischen Wahlen im Jahr 2024 auszusetzen, und tat dies auch“, so die US-Experten.
Putin und andere Kremlbeamte behaupten jedoch immer wieder, Selenskyj sei nicht mehr rechtmäßig im Amt. Dieses Narrativ habe der Kreml in jüngster Zeit wieder vermehrt aufgegriffen. Damit wolle Putin wohl bekräftigen, dass „der Kreml einen Regimewechsel in Kiew als notwendige Voraussetzung für Verhandlungen mit der Ukraine“ ansehe.
Putin hat wohl kein Interesse an baldiges Ende im Ukraine-Krieg – trotz Trump-Versprechen
Die Experten des ISW gehen daher davon aus, dass Russland unabhängig von der baldigen Trump-Präsidentschaft kein Interesse daran habe, „aufrichtige Verhandlungen“ mit der Ukraine einzugehen. „Das Land wird sich nur dann an den Verhandlungstisch setzen, wenn es das Gefühl hat, maximale Zugeständnisse hinsichtlich der Souveränität der Ukraine erreicht zu haben. Dazu gehört auch die Absetzung der legitimen ukrainischen Regierung und der vollständige Ausschluss ukrainischer Akteure aus den Gesprächen.“