St. Petersburg

Russland-Afrika-Gipfel: Putin verschenkt Getreide an arme Länder – und dealt mit Waffen

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Beim Russland-Afrika-Treffen verspricht Putin kostenloses Getreide – für Länder, die mit Prigoschins Wagner-Gruppe kooperieren. Der News-Ticker.

Update vom 28. Juli, um 14:39 Uhr: Versprechen unter Verbündeten: Russland hat nach Angaben von Kremlchef Wladimir Putin ein Abkommen über eine militärische Zusammenarbeit mit mehr als 40 afrikanischen Staaten geschlossen. Die Militärabkommen zielten auf die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Länder ab und erhielten ein breites Angebot an Waffen und Technik, sagte Putin am Freitag in St. Petersburg laut der Nachrichtenagentur dpa. Dort lief der letzte Tag des zweiten Russland-Afrika-Gipfels, der im Westen kritisiert wurde als Propaganda-Show und als Versuch, afrikanische Länder noch abhängiger zu machen von Russland.

Russland-Afrika-Gipfel: Lieferung von Getreide und Waffen als Ergebnis der Verhandlung

Update vom 28. Juli, um 10.45 Uhr: Trotz der zugesicherten Getreide-Lieferung drängen die Länder Afrikas auf eine Beilegung des Ukraine-Krieges. So sollen die Vertreter beim Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg dem Kreml eine Friedensinitiative vorgeschlagen haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Russlands Präsident Wladimir Putin habe demnach zugesagt, das Angebot prüfen zu wollen. Zugleich bot er den afrikanischen Ländern, die oftmals auf die Mais- und Weizenlieferungen aus der Ukraine angewiesen sind, aber auch eine verstärkte militärische Kooperation an.

Umgeben von Verbündeten? Russlands Präsident Wladimir Putin verspricht beim Afrika-Gipfel Getreide und Waffen.

Russland-Afrika-Treffen: Putin beliefert Verbündeten von Prigoschin kostenlos Getreide

Update vom 28. Juli, um 8.59 Uhr: Hilfe für bedürftige Länder: Nach dem geplatzten Getreideabkommen hat Russland einigen afrikanischen Ländern die Versorgung mit Lebensmitteln zugesichert. Innerhalb der kommenden drei bis vier Monaten werde man zumindest Burkina Faso, Simbabwe, Mali, Somalia, die Zentralafrikanische Republik und Eritrea kostenlos jeweils 25.000 bis 50.000 Tonnen Getreide liefern, sagte Präsident Wladimir Putin zum Auftakt des Russland-Afrika-Gipfels in St. Petersburg. In den sechs genannten Ländern ist jeweils die Wagner-Gruppe von Söldner-Boss Jewgeni Prigoschin aktiv, der ebenfalls am Rande des Gipfels auftauchte.

Wie genau die Getreide-Lieferung funktionieren soll, blieb allerdings unklar. Laut dem russischen Ökonomen Leonid Isajew von der Hochschule für Wirtschaft in Moskau ist Russlands Flotte für die Verschiffung von Getreide in dieser Größenordnung gar nicht in der Lage. Dafür müsste der Kreml erst einmal mehr Schiffe anschaffen, was wegen der internationalen Sanktionen schwierig sein dürfte, zitierte tagesschau.de den Experten.

Russland-Afrika-Gipfel: Foto aufgetaucht – Prigoschin offenbar in St. Petersburg

Update vom 27. Juli, um 15.33 Uhr: Der Söldner-Chef ist wieder hoffähig: Trotz seines gescheiterten Putschversuches hat Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin nicht an Einfluss verloren und reist offenbar ungehindert durch Russland. So soll er sich am Rande von Putins Afrika-Gipfels gezeigt haben. Der Leiter des russischen Hauses in der Zentralafrikanischen Republik, Dmitri Syty, veröffentlichte am Donnerstag ein Foto bei Facebook, das Prigoschin bei einem Treffen mit dem Vertreter des Landes zeigen soll. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf lokale Quellen berichtet, soll Prigoschin aber nicht in dem Expoforum gewesen sein, sondern seine Treffen im Trezzini Palasthotel abgehalten haben.

Prigoschin ist mit seiner Privatarmee, die zuletzt ein Lager in Belarus bezog, in vielen afrikanischen Staaten im Einsatz, um dort neben seinen eigenen geschäftlichen auch noch russische Interessen zu vertreten. Unter anderem mischt die Wagner-Gruppe in Afrika in vielen Gold-Geschäften mit.

Video bei Russland-Afrika-Gipfel aufgetaucht: Putin irritiert mit Handschlag

Erstmeldung vom 27. Juli, um 14.39 Uhr: Sankt Petersburg – Russlands Präsident Wladimir Putin will beim Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg für sich werben – doch viele afrikanische Staatschefs verzichten dieses Jahr auf ein persönliches Treffen mit dem Kremlchef: Nur 19 von 49 eingeladenen afrikanischen Staatschefs sind nach Russland gereist. Vor vier Jahren waren noch 43 afrikanische Präsidenten dabei.

Womöglich sieht Putin angesichts der mauen Teilnahme seine Felle in Afrika davonschwimmen. Umso mehr braucht er öffentlichkeitswirksame Bilder, die ihn als Mann mit Verbündeten zeigen – und nicht als einsamen Kriegsherren in einem recht aussichtslosen Kampf gegen das Nachbarland Ukraine.

Russland-Afrika-Gipfel: Die Hand von Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed wollte Putin gar nicht mehr loslassen.

Putin irritiert bei Putin-Afrika-Gipfel – Afrikanischer Staatschefs reagiert verlegen

Das könnte erklären, wie es zu einer bizarren Szene auf dem Russland-Afrika-Gipfel kam: Bei der Begrüßung des äthiopischen Staatschefs Abiy Ahmed ließ Putin dessen Hand nicht mehr los und lächelte eine gefühlte Ewigkeit lang starr in die klickenden Kameras. Abiy Ahmed wirkte so, als sei ihm die Episode reichlich unangenehm. Je länger der Handschlag dauert, desto mehr wendete er sich zögernd von Putin ab und suchte das Gespräch am Ende sogar mit einem Nebenstehenden.

Ein Video der Handschlag-Szene teilt der Sender Sputnik Afrika auf Twitter. Über 25.000 Twitter-Nutzer haben es bereits angeschaut, und es gibt einige irritierte Kommentare. Ein Twitter-Nutzer bezeichnet den Handschlag als „der unangenehmste Händedruck aller Zeiten“.

Putin-Szene bei Russland-Afrika-Gipfel: „Afrikanischen Partner an sich gerissen“

Auch die belarussische Nachrichtenagentur Nexta teilte die Szene auf Telegram und schrieb dazu ironisch: „Putin hat seinen geschätzten afrikanischen Partner an sich gerissen und lässt ihn nicht los. Der äthiopische Premierminister fühlte sich ein wenig verlegen.“

Bei dem Russland-Afrika-Gipfel am Donnerstag und Freitag (27./28. Juli) in St. Petersburg soll es nach russischen Angaben um wirtschaftliche Zusammenarbeit, Energie, Sicherheit, Bildung und Gesundheit sowie Ernährung gehen. Zudem will Putin am Freitag die Lage im Ukraine-Krieg erörtern. Erwartet wird der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa und 18 weitere Staatschefs. 32 weitere afrikanische Länder entsenden lediglich Regierungsbeamte oder Botschafter anstatt ihrer Staatschefs, berichtet das US-Magazin Newsweek.

Putin-Sprecher nimmt zu geringer Teilnahme an Russland-Afrika-Gipfel Stellung

Putin-Sprecher Dmitri Peskow reagierte auf eine Nachfrage von Journalisten empfindlich auf die verringerte Zahl der Staatsoberhäupter auf dem Gipfel. Wie Newsweek unter Berufung auf die US-Nachrichtenagentur AP berichtet, machte er „die dreiste Einmischung der USA, Frankreichs und anderer Staaten“ dafür verantwortlich. Diese würden „Druck auf die Führung dieser Länder auszuüben, um ihre aktive Teilnahme am Forum zu verhindern.“ Der Kremlsprecher betonte verärgert: „Das ist absolut empörend, aber es wird den Erfolg des Gipfels keineswegs verhindern.“

Viele Staats- und Regierungschefs aus Afrika haben Putins Einmarsch in die Ukraine nicht verurteilt oder unterstützen Russland sogar stillschweigend. Der Ukraine-Krieg führt allerdings zu teureren Lebensmitteln sowie einem Mangel an Getreide und Düngemittel.

Getreideblockade Russlands könnte Afrika verärgern – Putin verspricht Gratis-Lieferung

Die Krise hat sich noch verschärft, nachdem Russland vor anderthalb Wochen das Abkommen zum Export von Getreide aus ukrainischen Häfen für beendet erklärt hatte. Die Ukraine exportiert einen beträchtlichen Teil ihres Getreides nach Afrika und in den Nahen Osten, die Blockade Russlands könnte dort zu neuen Hungerkrisen führen.

Diese Entscheidung sowie der Ukraine-Krieg allgemein könnten nun einige afrikanische Regierungschefs dazu gebracht haben, dem Gipfel in St. Petersburg fernzubleiben. Auch wenn Putin die Sorge Afrikas am Montag (24. Juli) mit dem Versprechen zu zerstreuen versuchte, er könnte das ukrainische Getreide „sowohl kommerziell als auch kostenlos ersetzen“.

Anton Geraschenko, ein wichtiger Berater des ukrainischen Innenministeriums, reagierte auf Twitter auf das Fernbleiben vieler afrikanischer Präsidenten mit den Worten, Russland sei ein „Lebensmittelterrorist und Erpresser“. Russland verbreitet nun außerdem ein Propaganda-Video über die sozialen Medien, dass suggerieren soll, deutsche Bürger würden quasi enteignet, um die Ukraine zu unterstützen.

Russland engagiert sich seit Jahren in Afrika – auch mit Wagner-Söldnern

Russland engagiert sich seit Jahren in Afrika und strebt dort engere wirtschaftliche Kooperationen an. Zudem liefert die Putin-Regierung Waffen an viele afrikanische Länder, und die russische private Söldnertruppe Wagner betreibt militärische Operationen in mehreren afrikanischen Ländern.

Die Wagner-Gruppe will sich nach ihrem Aufstand in Russland nun wohl in Belarus zu stationieren und transportierte dorthin zuletzt auch gezielt Panzer, was internationale Sorgen weckt. Unterdessen gelang der Ukraine offenbar ein Schlag auf der Krim: Storm Shadows könnten dort hunderte russische Militärfahrzeuge zerstört haben. (smu mit Material von dpa und AFP)

Rubriklistenbild: © Pavel Bednyakov/dpa/Montage

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