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Russlands Volkswirtschaft gleitet seit einiger Zeit in eine Rezession. Die Wagner-Gruppe hilft dem Staatshaushalt – und zwar durch geschmuggeltes Gold.
Moskau - Die russische Volkswirtschaft hatte sich lange Zeit als zäher erwiesen, als erwartet worden war. Entgegen der Prognosen, des IWF, dass das russische Bruttoinlandsprodukt 2022 um 8,5 Prozent schrumpfen würde, fiel das Abflachen mit minus 2,1 Prozent deutlich geringer aus. Der Rubel hatte sich im Nachgang stabilisiert. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Seit Monaten erlebt die russische Währung erneut einen relativ kontinuierlichen Wertverlust gegenüber Dollar und Euro. Zum ersten Mal seit langer Zeit hat die russische Zentralbank vor kurzem den Leitzins angehoben
„Angesichts der starken Kapitalabflüsse und der verminderten Unterstützung der Währung durch den Leistungsbilanzüberschuss des Landes ist es unwahrscheinlich, dass dieser Schritt allein eine weitere Abwertung des Rubels verhindern kann“, sagte Alexander Isakov, Wirtschaftsexperte für Russland in Bloomberg Economics. Auch die jüngsten politischen Ereignisse, allen voran der Wagner-Aufstand, haben den Rubel weiter geschwächt. Auf eine andere Art scheint die Wagner-Gruppe hingegen sehr zuträglich für die Wladimir Putin zu sein: durch den Verkauf von geschmuggeltem Gold aus dem Sudan.
Das geht aus dem Bericht „Guns for gold: the Wagner Network exposed“ des britischen „Foreign Affairs Committee“ hervor. Darin werden die Wagner-Söldner beschuldigt, „beträchtliche“ Mengen Gold aus dem Sudan geschmuggelt zu haben. Dieses Gold sei dann eingesetzt worden, um Handel zu treiben und so die russische Wirtschaft anzukurbeln. Ziel des Berichts war es nach eigenen Angaben, den Modus Operandi der Wagner-Gruppe aufzudecken sowie ihre Auswirkungen auf die Interessen und Werte des Vereinigten Königreichs offenzulegen.
Illegale Handelsvereinbarungen, Zensur, Unterdrückung von Protesten: Wagner-Gruppe im Sudan
Dabei sei herausgekommen, dass die Goldschmuggelaktivitäten Wagners im Sudan „die Umgehung des Staates durch riesige Mengen an Gold“ ermöglicht habe und, dass diese „zum Teil auf einer illegalen Handelsvereinbarung“ beruht habe. „Zivile Beamte, die versuchten, diese Praktiken infrage zu stellen“, seien zensiert worden. Zudem habe Wagner den damaligen Präsidenten
Umar al-Baschir bei der effektiven Unterdrückung von Protesten beraten. Die mit Prigoschin verbundene Organisation AFRIC sei an unrechtmäßigen Wahlbeobachtungen in mehreren Ländern beteiligt gewesen. Eine Untergrabung der Demokratie sei direkt mit dem Streben nach Profit durch die Schwächung der staatlichen Kapazitäten, Prozesse und Kontrollen verbunden.
Im Sudan hätten die mit Wagner verbundenen Goldabbaufirmen von großzügigen Konzessionen profitiert, so der Bericht. Es bestehe die Sorge, dass die finanziellen Vorteile der Aktivitäten des Wagner-Netzwerks der russischen Regierung zugutekämen. Das Wagner-Netzwerk helfe „Putins Ambitionen, sich Zugang zu natürlichen Ressourcen in Afrika zu verschaffen“. Ob Gold, Öl oder Diamanten, die Russische Föderation habe „handelbare Vermögenswerte erworben, die die Kriegsmaschinerie in der Ukraine am Laufen halten“. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Prigoschin auch beim Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg auftauchte.
Geld für Putins Krieg: Goldschmuggeloperationen der Wagner-Gruppe sind von großer Bedeutung
An diesem Geschäftsmodell hätten auch die westlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg nichts geändert. „Die Goldschmuggeloperationen Wagners aus dem Sudan sind von großer Bedeutung. Eine Quelle nannte diese „entscheidend für Russlands Fähigkeit, den erheblichen Sanktionen zu widerstehen, die gegen das Land wegen seiner illegalen Invasion in der Ukraine verhängt wurden“, so der Bericht. Das US-Finanzministerium hat daher bereits vier Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Zentralafrikanischen Republik und Russland wegen ihrer Verbindungen zum illegalen Goldhandel der Wagner-Gruppe mit Sanktionen belegt, wie das Portal Business Insider berichtet.
„Die Wagner-Gruppe finanziert ihre brutalen Operationen zum Teil durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik und Mali“, sagte Brian Nelson, Unterstaatssekretär für Terrorismus und Finanzkriminalität im US-Finanzministerium, in einer Erklärung im Juni. „Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Einnahmequellen der Wagner-Gruppe ins Visier nehmen, um ihre Expansion und Gewalt in Afrika, der Ukraine und anderswo einzuschränken.“ (Tadhg Nagel)
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