VonRobert Wagnerschließen
Ein Auftritt von Wladimir Putin sorgt für Spott und Häme im Netz, aber auch für neue Gerüchte um seinen Gesundheitszustand. Nicht zum ersten Mal.
Moskau – Mit leicht verwirrten Äußerungen sorgt der russische Präsident Wladimir Putin aktuell für Belustigung im Netz und für neue Gerüchte um seinen Gesundheitszustand. Während einer Videokonferenz mit Mitgliedern seiner Regierung, in der es um die Ergebnisse einer russischen Antarktis-Expedition ging, erntete Putin am Mittwoch (8. November) irritierte Blicke, als er im Gespräch mit einem Minister unbeholfene Fragen stellte.
Alexander Alexandrowitsch Koslow, Russlands Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, informierte seinen Präsidenten über einen Eisbohrkern, in dem Wissenschaftler der russischen Wostok-Station im Osten der Antarktis letztes Jahr besonders altes Eis gefunden haben sollen. Das Eis sei in einer Tiefe von etwas mehr als drei Kilometern geborgen worden und vermutlich rund 1,2 Millionen Jahre alt.
Putin asked head of the Ministry of Natural Resources and Environment of the Russian Federation, for how many years there is ice in Antarctica.
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) November 9, 2023
Discussion of important state issues. pic.twitter.com/BRJEJ2US38
Ein auf X, ehemals Twitter, kursierendes Video zeigt, wie Kozlow den Präsidenten darüber aufklärt, dass der Eisbohrkern untersucht wird und die Ergebnisse voraussichtlich dazu beitragen werden, das Klima der Erde und dessen Entwicklung besser zu verstehen. Putin ist offenbar darum bemüht, den Sachverhalt nachzuvollziehen, und vom angeblichen Alter des Eises verwundert.
Russland: Unbeholfene Frage von Wladimir Putin zu Millionen Jahre altem Antarktis-Eis
„Alexander Alexandrowitsch, wenn dieser Kern 1,2 Millionen Jahre alt ist, bedeutet das dann, dass es an dieser Stelle 1,2 Millionen Jahre lang Eis gab?“, fragte Putin seinen Minister. „Ja, Wladimir Wladimirowitsch, das ist völlig richtig“, antwortete Koslow und wollte sofort zum Wesentlichen überleiten. Man erhoffe sich wichtige Erkenntnisse über die Hintergründe des Klimawandels, der weltweit so intensiv diskutierte werde. „Wir haben da viel Nachholbedarf“, fügte er hinzu.
Doch Putin hakte nach: „Oder ist das Wasser dort vielleicht erst später gefroren? Nicht vor 1,2 Millionen Jahren, sondern in jüngerer Zeit? Könnte das möglich sein?“ Sein Minister antwortet darauf offenbar leicht amüsiert: „Wladimir Wladimirowitsch, das ist atmosphärisches Eis. Bis jetzt sagt die Wissenschaft das zumindest so, wie ich eben schon gesagt habe“. Putin reagiert auf diese knappe Erwiderung mit einem resignierten „Okay, gut“.
In den sozialen Medien sorgte diese kurze Episode für Spott und Häme, wie die Kyiv Post berichtete. „Wie schlau unser Präsident doch ist! Niemand kann ihm etwas vormachen! Er weiß alles, sogar, dass Eis gefrorenes Wasser ist!“, lautet etwa ein Kommentar auf X. Andere spekulierten, es könnte sich um eines der vielen angeblichen Doubles von Putin handeln: „Der Mann ist neu, also ist er an allem interessiert und geht ins Detail. Was wunderst du dich?“, fragt ein Nutzer einen anderen auf Telegram.
Russland: Szene im Kreml sorgt für Spekulationen um Putins Gesundheitszustand
Ernstere Fragen stellt das US-Magazin Newsweek, das über den mentalen Gesundheitszustand Putins spekuliert. Es merkt an, dass bereits im vergangenen Juli entsprechende Gerüchte aufkamen, nachdem der russische Präsident während einer Diskussion im Kreml über das Alter des Kindes eines stellvertretenden Bürgermeisters verwirrt gewesen war. Damals sind Gerüchte aufgekommen, Putin könnte erste Anzeichen von Demenz zeigen.
Wladimir Putin: Das Macho-Image des russischen Präsidenten




Bei einem weiteren Vorfall im Juli hat Putin offenbar gefallenen Soldaten seine Grüße ausrichten wollen. Der Gouverneur der ostrussischen Oblast Irkutsk erzählte dem Präsidenten bei einem Treffen im Kreml laut einer vom Kreml veröffentlichten Abschrift von den angeblichen Heldentaten der Soldaten seiner Region im Ukraine-Krieg. „Das ist sehr wertvoll für uns, für uns sind sie alle Helden, sie sind in unserer Erinnerung, in unserem Herzen“, lobte der Gouverneur die in der Ukraine gefallenen Soldaten. „Grüßen Sie sie“, erwiderte Putin darauf.
Unbewiesene Gerüchte über Putins Gesundheitszustand halten sich seit Beginn seines Krieges gegen die Ukraine hartnäckig. Bereits im Sommer 2022 hieß es, Putin könnte an Krebs oder Parkison erkrankt sein. Bestätigt wurden solche vom Kreml nie. Der Präsident sei bester Gesundheit, hieß es stets.
Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/dpa

