Mehrheit für Ukraine-Verhandlungen

„Genau wie Putin“: Peskow beschreibt Russlands „nächsten Präsidenten“ – Umfrage zeigt Stimmung

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Wie wird ein Russland nach Putin aussehen? Geht es nach dem Kreml-Sprecher: Genauso wie jetzt. Umfragen zeigen aber auch sachte Kritik.

Moskau – Russland wählt im Frühjahr 2024, so viel steht fest. Präsident Wladimir Putin hat bislang zwar noch keine erneute Kandidatur verkündet. Auch angesichts vielsagender Statements aus dem Kreml gilt die nächste Amtszeit aber schon als so gut wie sicher.

Putins Sprecher Dmitri Peskow hat nun in einem Interview mit einem russischen Jugendradio noch einen draufgesetzt – mit einem überdeutlichen Anforderungsprofil für einen „nächsten Präsidenten“.

Nur Putin gilt als Modell für Russlands Präsidenten: „Genau wie er“

Auch die Staatsagentur Tass verbreitete den Schnipsel aus dem Programm des Studentensenders MGIMO 360. Dort hatte Peskow eine klare Antwort auf die Frage nach dem Charakter eines künftigen Präsidenten der Russischen Föderation: „Genau wie er“, sagte der Kreml-Sprecher, gemeint war Putin.

Ein neuer Präsident aus dem UFO? Eher nicht – Wladimir Putin verlässt Anfang November ein Flugzeug in Rostow am Don.

Das provozierte immerhin ein Nachfrage – wenn auch eine bestenfalls höchst indirekt kritisch zu lesen. Ob so etwas überhaupt möglich sei? „Eine andere Version, aber immer noch genau wie er“, erläuterte Peskow. Wer Putin einmal nachfolgen könnte, scheint aktuell völlig unklar. Kreml-Kritiker wie Ex-Oligarch Michail Chodorkowski warnen aber bereits seit längerem, ein bloßer Austausch der Personen werde nicht helfen. Ein Bündnis schmiedet an Plänen der demokratischen Kräfte in Russland.

Vor Russlands Wahlen im Jahr 2024: Staatsinstitut meldet Jubelwerte für Putin

Das staatliche „Allrussische Meinungsforschungszentrum“ (WZIOM) verbreitete unterdessen genau vier Monate vor den Russland-Wahlen neue Jubelzahlen zur Putins Ansehen in der Bevölkerung. Unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage hieß es dort, 78,8 Prozent der Russinnen und Russen vertrauten Putin. Bemerkenswert immerhin: Damit notierten die Staats-Demoskopen einen Rückgang von 0,4 Prozentpunkten in der vergangenen Woche. Die allgemeine Zustimmungsrate sei hingegen um 0,1 Punkte auf 75,7 Prozent gestiegen.

Wann wird in Russland gewählt?

Alle sechs Jahre hält Russland Präsidentschaftswahlen ab – Putin hat sich über eine Verfassungsänderung die Möglichkeit auf weitere Amtszeiten gesichert. Den Termin für die Wahlen 2024 wird der Kreml Staatsmedien zufolge wohl auf den 17. März festlegen. Eine formale Entscheidung wird für Dezember erwartet.

Putins Unterstützerpartei Einiges Russland taxierte das Institut unterdessen auf 40,1 Prozent in der Sonntagsfrage, wie Tass berichtete. Dahinter rangieren die Kommunisten mit 10,1 Prozent. Beobachter rügen aber seit langem höchst ungleiche Voraussetzungen. Neben möglichen Wahlmanipulationen geht es auch um Chancen für Mitbewerber: Staatsmedien schließen Oppositionelle weitgehend aus, Parteigründen sind seit langen Jahren erschwert, regierungskritische Kundgebungen insbesondere seit dem Ukraine-Krieg nahezu unmöglich – und Regimekritiker wie Alexej Nawalny sitzen hinter Gitter.

All das wird auch Russlands Wahlen 2024 bestimmen. Peskow hatte im Sommer sogar schon ein Ergebnis prognostiziert, musste in der Folge aber zurückrudern.

Umfrage zum Ukraine-Krieg: Mehrheit steht hinter Überfall – fordert aber Start von Verhandlungen

Das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada sah die Zustimmungsrate zu Putin im Oktober gar bei 82 Prozent. Am Montag veröffentlichte Lewada auch neue Umfrage-Daten zum Ukraine-Krieg – sie stammen aus dem August. Demnach ist die Zahl der Unterstützer des Krieges in Russland leicht gesunken. Allerdings auf hohem Niveau: 70 Prozent der Befragten stellten sich explizit hinter den Überfall. Im Juli waren es noch 75 Prozent.

Unterdessen forderten aber 50 Prozent der Befragten den Start von Verhandlungen. 38 Prozent sprachen sich für weitere militärische Aktionen aus. Eine andere für Putin eher unangenehme Umfrage hatte zuletzt Bedenken der Wählenden zum Alter des 71-Jährigen angedeutet. (fn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gavriil Grigorov

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