Putin will Pokrowsk unbedingt: Gefallene landen anscheinend in Fleischereibetrieb
VonMarcus Giebel
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Pokrowsk kostet Russland zahlreiche Soldaten. Die Gefallenen werden offenbar nicht geborgen oder in einem Fleischverarbeitungsbetrieb zwischengelagert.
Pokrowsk – Wladimir Putin will sich offenbar nicht mehr lange mit Pokrowsk aufhalten. Seit Monaten ist die Stadt in der Oblast Donezk schwer umkämpft, laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj finden in dem Raum Pokrowsk bis zu 30 Prozent der Gefechte an der Front statt. Wie Mykola Malomuzh, einstiger Leiter des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes, dem Sender Kyiv24 sagte, gab der Kreml-Chef seiner Armee den Befehl, bis zum 15. November den Ballungsraum samt der Stadt und der angrenzenden Gemeinde Myrnohrad einzunehmen.
Hat einen klaren Zeitplan für die Eroberung von Pokrowsk: Wladimir Putin (kl. Foto) nimmt bei seinem Ukraine-Krieg immense Verluste in Kauf. (Symbolbild)
Für Putin handele es sich um ein militärpolitisches Ziel, das er mit allen Mitteln erreichen wolle. In Pokrowsk scheinen die russischen Truppen in ihrem seit mehr als dreieinhalb Jahre anhaltenden Ukraine-Krieg mittlerweile deutliche Fortschritte zu verzeichnen, wie unter anderem das ukrainische Open-Source-Kartenprojekt DeepState offenbart. Welchen Preis der Aggressor für die Erfolge in den Straßen der zerstörten und fast komplett ausgestorbenen Stadt zahlen musste, lässt sich jedoch nur erahnen.
Putin will Pokrowsk erobern: Russland lagert tote Soldaten in Fleischereibetrieb
Berichte der Partisanenbewegung Atesh, der Ukrainer und Krimtataren angehören, deuten jedenfalls darauf hin, dass Russland große Verluste zu beklagen hat. Auf dem Telegram-Kanal wird erwähnt, Leichen der Putin-Soldaten würden in einem Fleischverarbeitungsbetrieb im Hinterland gelagert. Dieser befinde sich in der Siedlung Manhusch, wie Atesh-Agenten aus den Reihen der russischen Streitkräfte berichten würden.
Die Ortschaft hatte bereits in den ersten Kriegswochen Schlagzeilen gemacht, weil in der Nähe ein Massengrab entdeckt wurde. Von bis zu 9000 getöteten Zivilisten war damals die Rede. Manhusch liegt nur rund 20 Kilometer von Mariupol entfernt – jene Stadt, die im Frühjahr 2022 über Wochen von russischen Soldaten belagert und nahezu komplett dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Atesh informiert weiter, die Nutzung des Fleischereibetriebs zur Lagerung der Soldaten-Leichen sei infolge eines beispiellosen Anstiegs von Toten in Pokrowsk und Myrnohrad nötig geworden. Leichenhallen und Logistiksysteme seien bereits lahmgelegt. „Dies bestätigt die enormen, verschwiegenen Verluste des Feindes und seine völlige Unfähigkeit, die Situation zu bewältigen“, schreiben die Partisanen: „Das Regime missachtet die Leichen seiner Soldaten und verwendet sie als entbehrliches Material.“
Russlands Verluste im Ukraine-Krieg: Gefallene gelten offiziell als vermisst
Längst nicht alle getöteten Putin-Kämpfer sind offenbar von Ukrainern ausgeschaltet worden. Denn Atesh berichtet auf Telegram auch über Exekutionen in russischen Reihen, wenn Soldaten den Kampfeinsatz verweigern. Innerhalb der 74. Separaten Motorisierten Schützenbrigade Moskaus sei nach massiven Verlusten sogar eine kritische Desertationswelle zu verzeichnen gewesen. Binnen einer Woche hätten 38 Soldaten der Brigade ihre Stellungen verlassen.
Um Pokrowsk so schnell wie möglich zu erobern, würden die Soldaten zu selbstmörderischen Angriffen gezwungen und bekämen kaum einmal Verschnaufpausen. Hinzu komme, dass Verwundete nicht vom Schlachtfeld gerettet würden, um sie medizinisch zu versorgen. Um die immensen Verluste zu verschleiern, würden die Russen Gefallene als vermisst melden.
Kampf um Pokrowsk: Putin-Soldaten stürmen laut Ukrainern ohne Taktik und Strategie voran
Über den Preis für die Eroberung von Pokrowsk informierten auch Kämpfer der Omega-Spezialkräfte der ukrainischen Nationalgarde. Sie berichten von „enormen Verlusten“ der Russen im Ballungsraum Pokrowsk-Myrnohrad, in der Stadt Rodynske seien diese sogar „schlichtweg gigantisch“. Tausende Soldaten würden für ein paar Quadratkilometer ohne Taktik und Strategie in einen Sturm geschickt. Und viele kommen offenbar nicht zurück.
Weiter heißt es in dem Post, wer den Vormarsch der Besatzer sehe, müsse sich auch immer vor Augen führen, welchen Preis diese dafür zahlen müssten. Doch genau das will Putin offenkundig verhindern. Für ihn scheint es einzig darum zu gehen, die Einnahme von Pokrowsk vermelden zu können. Die Toten sollen möglichst sofort in Vergessenheit geraten. Daher bleiben die Leichen auf dem Schlachtfeld oder werden fernab der Öffentlichkeit eingelagert.
Schließlich braucht Putin für seine Invasion weiteren Nachschub an Soldaten. Denn von seinem eigentlichen Ziel, Kiew einzunehmen und eine Regierung nach seinen Vorstellungen zu installieren, ist er noch immer weit entfernt.
Russische Verluste in Ukraine nach Alter (Stand: 22. Oktober 2025)
13.441 Militärs zwischen 33 und 35 Jahren
13.406 Militärs zwischen 36 und 38 Jahren
12.332 Militärs zwischen 39 und 41 Jahren
11.713 Militärs zwischen 30 und 32 Jahren
11.516 Militärs zwischen 42 und 44 Jahren
10.075 Militärs zwischen 45 und 47 Jahren
10.061 Militärs zwischen 27 und 29 Jahren
9500 Militärs zwischen 24 und 26 Jahren
7676 Militärs zwischen 21 und 23 Jahren
7009 Militärs zwischen 48 und 50 Jahren
Quelle: Mediazona
Russland und der Ukraine-Krieg: Laut Recherche-Netzwerk mehr als 140.000 tote Putin-Militärs
Insgesamt sollen die Verluste auf russischer Seite mittlerweile bei 140.101 Militärs liegen. Diese Zahl gibt das unabhängige russische Medienprojekt Mediazona in einer gemeinsamen Erhebung mit dem russischen Dienst der BBC und Freiwilligen an. Sie stammt vom 24. Oktober. Binnen zwei Wochen fielen demnach 5001 russische Soldaten – rund doppelt so viele wie demnach gewöhnlich in einem solchen Zeitraum.
Die Zahlen stammen aus öffentlich zugänglichen, überprüfbaren Quellen. Dazu zählen Beiträge von Angehörigen in sozialen Medien, Berichte lokaler Medien oder Stellungnahmen regionaler Behörden. Hinzu kommt eine Dunkelziffer, denn nicht nur rund um Pokrowsk lassen Putins Kämpfer ihr Leben, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt. (Quellen: BBC, Kyiv24, DeepState, Telegram, Mediazona) (mg)