Weltwirtschaftsforum

Putins Krieg überschattet WEF 2022: Oligarchen sind in Davos nicht willkommen

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Krisen überschatten mal wieder das Weltwirtschaftsforum. Putins Oligarchen sind ausgeladen, doch die Wirtschaft bangt vor den Kriegsfolgen.

Davos – Eigentlich ist Davos ein beschaulicher Luftkurort im Alpenland der Schweiz, doch einmal im Jahr verwandelt sich die Gemeinde zum Schauplatz der mächtigsten Wirtschaftsbosse der Welt. Knapp 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft debattieren seit Montag, dem 23. Mai, über Lösungen für internationale Probleme. Eröffnet mit einer Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj startete das Weltwirtschaftsforum 2022 (WEF) in Davos und ist in diesem Jahr völlig anders: Der Krieg in der Ukraine von Wladimir Putin überschattet das Treffen der Reichen und vermeintlich Wichtigen.

Putins Krieg überschattet Weltwirtschaftsforum 2022 (WEF): Russische Oligarchen aus Davos ausgeschlossen

Putins Krieg hat nicht nur inhaltliche Auswirkungen: Während in den vergangenen Jahren Davos während des Weltwirtschaftsforums zum Schaulauf der russischen Oligarchen wurde, gilt Putins Wirtschaftselite in diesem Jahr als ungebetener Gast. Es ist ein Novum: Nie zuvor fand das internationale Forum unter Ausschluss der Russen statt. Auch der Termin für das Treffen ist neu. Dieser wurde zwar nicht wegen des Ukraine-Kriegs gewählt, allerdings wirft der Krieg in Europa seine Schatten weiter nach Davos. Derweil wird Bundeskanzler Olaf Scholz nach seiner Afrika-Reise erwartet.

Weltwirtschaftsforum in Davos: Beim Treffen der Mächtigen aus Politik und Wirtschaft dürften die Folgen des Ukraine-Kriegs sowie die wachsende Armut eine zentrale Rolle spielen.

Während die Welt an der Schwelle zu einer globalen Wirtschaftskrise steht, werden die wichtigen Vertreter der Weltwirtschaft versuchen, die Auswirkungen der Kämpfe in der Ukraine so gering wie möglich zu halten. Denn die Gefahren sind groß: Die humanitäre Notlage in Teilen Afrikas könnte sich wegen steigender Getreidepreise weiter verschärfen, globale Lieferketten stehen vor dem Aus und ganze Staaten treibt die Angst vor gewaltigen Neuverschuldungen um. Kombiniert werden diese drohenden Szenarien mit der höchsten Inflation seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Wegen Ukraine-Krieg: Arabische Scheichs ersetzen russische Oligarchen beim WEF in Davos

Beobachter der Börsen sind seit Wochen alarmiert und beobachten teilweise die negativsten Kursverläufe der vergangenen 100 Jahre. Mit dem Motto „Geschichte an einem Wendepunkt: Regierungspolitik und Unternehmensstrategien“ will der 51. Gipfel des Weltwirtschaftsforums nun Wege aus der Krise erörtern und hat für die abwesenden Russen auch Ersatz gefunden – wenn auch einige geladene Vertreter ebenfalls einen zweifelhaften Ruf genießen. Auffällig ist in diesem Jahr die starke Zahl von Vertretern aus den arabischen Ländern. Die Vereinigten Emirate sind laut Welt-Informationen mit elf Ministern vertreten, Saudi-Arabien schickt sieben Vertreter und Katar den Emir sowie fünf weitere Gäste.

Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, der Scheich von Katar, war erst von wenigen Tagen zu Besuch in Berlin und sprach unter anderem mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über die Möglichkeiten einer stärker verzahnten Zusammenarbeit. Auch weitere Minister des Golfstaates waren nach Berlin gereist. Unter anderem ging es um mögliche Lieferungen von Flüssigerdgas aus Katar, die der Bundesregierung helfen könnten, sich aus der Abhängigkeit von Wladimir Putin zu lösen. Derweil schließen Experten nicht aus, dass Putin auch Atomwaffen einsetzen könnte.

Weltwirtschaftsforum ohne Lindner und Baerbock: Scholz erst nach Afrika-Reise in Davos erwartet

Deutsche Vertreter aus der Politik sind beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum hingegen eine rare Erscheinung. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sind verhindert und Olaf Scholz wird erst am kommenden Donnerstag nach seiner Afrika-Reise erwartet. Er ist bisher der einzige der G7-Regierungschefs, der eine Teilnahme zugesagt hat. Ebenfalls angekündigt sind Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Ein Spitzenpolitiker aus Deutschland hat indes bereits seinen Standpunkt gegen russische Energielieferungen deutlich gemacht. Am Montagvormittag sprach Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und warnte vor der Gefahr einer globalen Rezession. Angesichts der drängenden Fragen sagte er: „Wir können die Probleme nicht lösen, wenn wir uns nur auf eins der Probleme konzentrieren.“

Weltwirtschaftsforum in Davos: Ukraine-Krieg überschattet Treffen der Mächtigen

Auch wenn das Weltwirtschaftsforum in Davos krisenerprobt ist, ist die Stimmung in diesem Jahr anders. Während in der Ukraine zum Wochenauftakt der erste russische Soldat wegen der Verbrechen im Ukraine-Krieg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, herrscht in Davos bedrückte Stimmung. Russlands Oligarchen, die in den vergangenen Jahren auch regelmäßig für Partys in Davos sorgten, sind ausgeschlossen und das „Russia House“ bleibt, wie der Spiegel berichtet, geschlossen. Wie es weiter heißt, habe der ukrainische Oligarch Wiktor Pintschuk an gleicher Stelle ein „Russian War Crimes House“ errichtet, in dem Kriegsverbrechen dokumentiert werden sollen.

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Reiche wegen Corona-Pandemie noch reicher: Oxfam fordert Umdenken

Auch wenn WEF-Präsident Børge Brende zuletzt im Gespräch mit dem Handelsblatt pessimistisch auf die diesjährige Veranstaltung geblickt hatte, zeigt das Motto des Weltwirtschaftsforums die Ambitionen, die die Wirtschaftsbosse mitgebracht haben: Die Superreichen wollen der Welt helfen und Armut bekämpfen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, gibt es allerdings auch eine Kehrseite der Medaille. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Reichsten der Welt noch reicher geworden. Das hat die Organisation Oxfam ermittelt. Demnach ist das Vermögen von Milliardären um 42 Prozent gestiegen. Gleichzeitig droht eine Viertelmilliarde Menschen, in extreme Armut abzurutschen.

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam forderte aus diesem Grund und angesichts wachsender Ungleichheit eine stärkere Besteuerung von Unternehmen und sehr hohen Vermögen. Nun bleibt abzuwarten, mit welcher Agenda die Teilnehmer aus der Debattenwoche herausgehen werden.

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber/dpa

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