Putins strittiger Vorschlag: Ukraine soll für Waffenstillstand geteilt
VonPatrick Mayer
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Um den Krieg zu beenden, setzt Russland auf einen Plan zur Dreiteilung der Ukraine. Dieser könnte die Lage in der Region weiter verschärfen.
Moskau – Wie wird sich die Lage in der gebeutelten Ukraine im Ukraine-Krieg entwickeln? Was geschieht nach einem potenziellen Waffenstillstand mit Russland, der von den USA vermittelt wird?
Ukraine-Krieg vor dem Ende? Russland will USA unter Trump angeblich Friedensplan vorlegen
Laut Berichten der ukrainischen Nachrichtenagentur Interfax Ukraine, die sich auf Geheimdienstquellen aus Kiew beruft, plant Moskau, einen Vorschlag an die USA, den Hauptunterstützer des angegriffenen Landes, zu richten.
Medien wie The Kyiv Independent und die Nachrichten-Website der öffentlich-rechtlichen italienischen Rundfunkanstalt Rai beziehen sich auf einen Bericht vom 20. November, dessen Inhalt nicht unabhängig verifiziert werden kann. Dem Bericht zufolge plant der Kreml von Wladimir Putin, unterstützt vom Außenminister Sergej Lawrow, die Ukraine nach einem Waffenstillstand oder Friedensabkommen in drei Teile zu teilen.
Ende vom Ukraine-Krieg: Russland-Plan für Waffenstillstand?
Während die ukrainischen Streitkräfte Russland mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern angreifen und Polen Panzer an der Grenze zum russischen Kaliningrad stationiert hat, scheint der Kreml gegenüber Washington Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren. Aber nicht an die US-Regierung des (noch) amtierenden Präsidenten Joe Biden, der den Ukrainern kürzlich den Einsatz von ATACMS-Raketen tief ins russische Territorium genehmigt hat. Sondern an die zukünftige Regierung des polarisierenden Republikaners Donald Trump.
Laut der Agentur Interfax Ukraine sieht der vermeintliche russische Verhandlungsvorschlag eine Dreiteilung des souveränen Landes mit seinen rund 37 Millionen Einwohnern (Millionen geflüchtete Ukrainer leben im Ausland) vor: In „neue Regionen Russlands“, eine „prorussische Staatsbildung“ und sogenannte „umstrittene Gebiete“. Der Verhandlungsvorschlag ist offensichtlich sehr eigenwillig formuliert und würde alle drei Teile der souveränen Ukraine letztlich unter Moskaus Einfluss stellen.
Putin avrebbe un piano di partizione dell'Ucraina da fare arrivare a Trump, scrive Interfax Ukraine, che lo avrebbe appreso dall'intelligence di Kiev. Prevede la fine dello stato attuale e il controllo russo diretto o indiretto su due terzi del territorio https://t.co/b8wA5H5VOx
Russland-Plan für Frieden in der Ukraine: Regionen unter Moskaus Einfluss
Doch das ist noch nicht alles: Putin könnte zusätzlich eine Bedrohung für die westlichen und südwestlichen Nachbarn der Ukraine darstellen. Brisant: Mit Ausnahme von Moldawien handelt es sich ausschließlich um Nato-Mitgliedsstaaten. Hinzu kommt, dass die ukrainische Armee, die seit Februar 2022 hartnäckig gegen die russische Übermacht kämpft, nicht mehr mobilisiert und weitgehend entwaffnet wäre.
Mit anderen Worten: Die russischen Panzer und Putins Truppen könnten im angegriffenen Nachbarland im Grunde tun und lassen, was sie wollen. Und das mit der Billigung der USA? Die ukrainischen Regionen würden wie folgt aufgeteilt und verteilt:
Verhandlungen im Ukraine-Krieg? Das soll der Vorschlag aus Moskau sein
Neue Regionen Russlands (in der Karte oben rot markiert): Die ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson könnten vollständig von Moskau in Besitz genommen werden. Es handelt sich dabei um die gesamten Regionen, nicht „nur“ die derzeit besetzten Gebiete. Die Krim würde völkerrechtlich als autonome Republik an Russland übergehen.
Prorussische Staatsbildung (in der Karte oben orange markiert): Der zentrale Teil der Ukraine könnte zu einem von Moskau kontrollierten Marionettenstaat werden. Dies betrifft die Gebiete Kiew (einschließlich der Hauptstadt), Tschernihiw, Sumy, Charkiw, Poltawa, Kirowohrad, Dnipro, Odessa, Tscherkassy, Winnyzja und Schytomyr. In diesen Regionen könnten russische Militärbasen errichtet werden. Eine Annäherung der dort ansässigen Ukrainer an die Europäische Union (EU) und die Nato wäre nicht möglich.
Umstrittene Gebiete (in der Karte oben gelb markiert): Über das Schicksal der westlichen Regionen Wolhynien, Riwne, Chmelnyzkyj, Lemberg, Iwano-Frankiwsk, Ternopil, Czernowitz und Transkarpatien soll zwischen Russland und den an die Ukraine angrenzenden Ländern Ungarn, Polen und Rumänien entschieden werden. Diese Länder hatten in der Vergangenheit teilweise Ansprüche auf heutige ukrainische Gebiete geltend gemacht. So hat der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán seit Beginn des Krieges mehrmals darauf hingewiesen, dass in Transkarpatien, einer wirtschaftlich attraktiven Region (Stichwort Wintersport), viele Menschen ungarischer Herkunft leben.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Plan für Frieden im Ukraine-Krieg: Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew?
Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass dieser Plan als Basis für Verhandlungen über einen Waffenstillstand oder gar einen Frieden herangezogen werden könnte. Die Situation könnte sich jedoch ändern, wenn Trump am 20. Januar 2025 ins Weiße Haus in Washington einzieht und, wie er angekündigt hat, das Gespräch mit Putin über die Ukraine suchen wird. (pm)