VonFelix Busjaegerschließen
Greift Lukaschenko in den Ukraine-Krieg ein? Putins Verbündeter hält sich zwar zurück, doch im Westen wird längst befürchtet, dass aus Drohung Ernst wird.
Minsk – „Vor weniger als einem Monat habe ich den Einheiten der Streitkräfte den Befehl gegeben, die - wie man jetzt sagen kann – Entscheidungszentren in ihren Hauptstädten ins Visier zu nehmen“: Als der russlandtreue Machthaber von Belarus, Alexander Lukaschenko, am ersten Juliwochenende ganz offen dem Westen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg drohte, fragte sich die Welt erneut, ob die ehemalige Sowjetrepublik dem großen Bruder auf dem Schlachtfeld zur Seite springen würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass Belarus seit Putins Invasion offen mit den Säbeln rasselt. Doch wie gefährlich ist Lukaschenko wirklich?
Lukaschenko zeigt sich angriffslustig: Drohungen aus Belarus nehmen zu
Seitdem die Nato in Zuge des Ukraine-Kriegs immer weiter zusammenrückt und mit Finnland sowie Schweden perspektivisch eine noch deutlichere Front gegen Russland bilden könnte, hat sich der Ton aus dem ehemaligen Ostblock deutlich verschärft. Nicht nur Putin selbst warnt den Westen immer wieder, erneute Provokationen gegenüber dem Kreml einzustellen. Auch der Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko, zeigte sich zuletzt deutlich angriffslustiger.
Nach der Drohung gegenüber dem Westen fügte der Machthaber in Weißrussland hinzu: „Fassen Sie uns nicht an – und wir werden Sie nicht anfassen.“ Die Rhetorik ist dabei genauso klar wie putintreu: Minsk und Moskau sind immer wieder Opfer vermeintlich feindlicher Politik des Westens und der Nato im Speziellen.
Wie gefährlich ist Belarus? Minsk hält Russland und Putin die Treue
Nachdem Wladimir Putin Ende Februar die Ukraine überfiel und den Ukraine-Krieg auslöste, gab es im Westen immer wieder Befürchtungen, dass Belarus offiziell in den Krieg einsteigen könnte. Wie gefährlich Lukaschenko für den Krieg werden könnte, zeigte sich indes bereits wenige Wochen später: Der Präsident von Belarus musste einräumen, dass in den ersten Kriegswochen russische Truppen vom belarussischen Staatsgebiet operiert haben. Russische Raketen sollen aus dem Nachbarland der Ukraine abgefeuert worden sein.
Als die Nato bei ihrem Gipfel in Madrid zuletzt eine deutliche Verstärkung der Ostflanke sowie die Aufnahme von Finnland und Schweden in das Militärbündnis beschlossen hatte, kündigte Kremlchef Wladimir Putin als Reaktion selbst Truppenverlegungen an. Inwieweit auch Belarus bei einem solchen Vorhaben mitziehen könnte, ist ungewiss. Ausgeschlossen ist es allerdings nicht: Seit jeher gilt Lukaschenko als unberechenbar und ist mittlerweile zu einem der letzten Verbündeten von Russlands Präsidenten Wladimir Putin geworden.
Lukaschenko hält Belarus in der Nähe von Russland – Putin treibt Weißrussland in die Abhängigkeit
Wie groß die Nähe von Lukaschenko zu Russland und Wladimir Putin ist, zeigt sich insbesondere bei einem Blick in die bisherige Karriere des Machthabers von Belarus. Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet, soll Europas letzter Diktatur den sowjetischen Zeiten wie kein anderer hinterher trauern. Nach eigenen Angaben sei er damals auch der einzige Abgeordnete im Parlament gewesen, der gegen die Unabhängigkeit seines Landes von der Sowjetunion gestimmt hatte.
Während die Zeit der Sowjetunion mittlerweile seit Jahren vergangen ist, war die vermeintliche Freundschaft zu Russland für Belarus seither eine bleibende Konstante, die das Land auch nahezu vollständig in die Abhängigkeit von Wladimir Putin getrieben hat. Zwar sieht sich Lukaschenko selbst als eigenständigen Machthaber, allerdings wird im Westen immer wieder die Meinung vertreten, dass er eigentlich nur eine Marionette des Kremls ist. In Belarus verweigerten bereits vor Monaten zahlreiche Männer den Militärdienst.
Lukaschenko herrscht in Belarus seit 1994 – dafür ließ er mehrfach die Verfassung ändern
Seit 1994 hat Alexander Lukaschenko die Führung in Belarus inne und ließ mehrfach die Verfassung des Landes ändern, um seine Macht weiter zu sichern. Anfangs wollte er Weißrussland und die Russische Föderation wieder näher zusammenbringen, seitdem allerdings Wladimir Putin die Nachfolge vom russischen Präsidenten Boris Jelzin übernommen hatte, müsste sich Lukaschenko von diesem Plan verabschieden.
Wie nah sich Putin und Lukaschenko tatsächlich stehen, zeigte sich jedoch auch vor dem Ukraine-Krieg. Gemeinsam hielten die Machthaber eine großangelegte Militäroperation ab. Doch abseits der Manöver könnt es auch immer wieder zu Spannung, bei denen Putin die wirtschaftliche Abhängigkeit Weißrusslands ausnutzt.
Belarus News: Lukaschenko-Rede zeigt gemeinsame Linie mit Russland und Wladimir Putin
Wie Welt Anfang Juli berichtete, betonte der belarussische Machthaber eigentlich in der Vergangenheit stets seine Eigenständigkeit gegenüber Russland. Doch eine Rede von Lukaschenko ließ zuletzt aufhorchen: In dieser wurde beteuert, dass Russland und Belarus eine „gemeinsame Armee“ hätten. Gleichzeitig warnte der Präsident von Belarus davor, dass die Nato einen Krieg vorbereiten würde. Man müsse diesen Krieg „durchstehen und gewinnen“. Belarus unterstütze Russland im „Kampf gegen Nazismus“.
Wie es weiter hieß, hätte man sich vor langer entschieden, die russische „Spezialoperation“ gegebenenfalls zu unterstützen. Gleichzeitig machte Lukaschenko in seiner Rede deutlich, dass eigentlich weder Belarus noch Russland einen Krieg wollen.
Ukraine News: Selenskyj befürchtet nicht, dass Belarus in den Krieg gegen die Ukraine zieht
Zwar machte Lukaschenko inzwischen mehrfach deutlich, dass er trotz des Ukraine-Kriegs weiter zu Wladimir Putin hält, allerdings scheint der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, nicht zu befürchten, dass Belarus einen Angriff auf sein Land startet. „Wir glauben, dass Belarus sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lassen wird. Aber es gibt Provokationen, und sie werden weitergehen“, sagte er in einer Video-Botschaft, aus der n-tv zitiert. Zuvor hatte der belarussische Präsident der Ukraine vorgeworfen, Raketenangriffe auf sein Land zu befehligen.
Dass die Gefahr durch Belarus aus ukrainischer Sicht derzeit nicht akut ist, sagte auch Kyrylo Budanow, Chef der ukrainischen Militäraufklärung, und berief sich auf die minimale Präsenz russischer Truppen im Nachbarland. Welche Gefahr tatsächlich von Lukaschenko und Belarus im Ukraine-Krieg ausgeht, ist tatsächlich schwer zu sagen. Dennoch ist klar: Der russlandtreue Machthaber wird weiter zu Putin halten und wahrscheinlich nicht zögern, seinem Verbündeten im Ernstfall zur Seite zu stehen.
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