Festnahme in Berlin

Untergetaucht als Mathe-Nachhilfelehrerin: Polizei beendet Flucht von RAF-Terroristin Daniela Klette

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Die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette (65) ist in Berlin-Kreuzberg verhaftet worden. Sie gehört zu einem Trio, das seit 30 Jahren gesucht wurde.

Berlin – 30 Jahre war sie zusammen mit ihren Komplizen untergetaucht, doch nun wurde sie erwischt: Die Sicherheitsbehörden haben am Dienstag (27. Februar) die RAF-Terroristin Daniela Klette festgenommen. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden. Demnach erfolgte der Zugriff in Berlin-Kreuzberg. Am Nachmittag will das Landeskriminalamt über die Hintergründe informieren.

Verhaftung von Daniela Klette: Polizei fasst Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF)

Klette gehört zur sogenannten dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF). Zusammen mit Burkhard Garweg (55) und Ernst-Volker Staub (69) war die Linksextremistin seit 30 Jahren untergetaucht. Zuletzt soll das Trio immer wieder Überfälle auf Geldtransporter verübt haben, um an neues Geld zu gelangen. In den Medien wurden die Drei wegen ihres Alters häufig als RAF-Rentner bezeichnet.

War 30 Jahre lang untergetaucht: RAF-Terroristin Daniela Klette auf einem alten Fahndungsfoto.

Vertreter der Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben.

Festnahme in Berlin: Ermittler werfen RAF-Terroristin Anschläge mit Sprengstoff vor

Die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt Niedersachsen werfen dem Trio aktuell unter anderem versuchten Mord und die Begehung schwerer Raubüberfälle in den Jahren von 1999 bis 2016 vor. Die Tatorte lagen nach Angaben der Sicherheitsbehörden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Unter anderem sollen Klette, Garweg und Staub auch für Sprengstoffanschläge verantwortlich sein.

Opfer und Mitglieder – das ist über die dritte RAF-Generation bekannt

Bei der Roten Armee Fraktion handelt es sich um eine linksterroristische Vereinigung. Als die erste Generation wird der Kreis um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Brigitte Mohnhaupt bezeichnet. Nach deren Inhaftierung gründeten sich weitere Gruppen. Die dritte Generation, zu der Klette, Staub und Garweg gezählt werden, war von 1984 bis 1998 aktiv. Sie soll 22 Gewalttaten verübt und zehn Menschen ermordet haben. Unter anderem Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, und Detlev Karsten Rohwedder, Chef der Treuhandanstalt, waren unter den Opfern. Die dritte Generation bestand aus mindestens 15 Personen. Nur drei wurden bis heute gefasst.

Klette, Staub, Garweg: Öffentliche Fahndung bei Aktenzeichen XY führte Fahnder auf die Spur der RAF-Rentner

Nachdem die Drei jahrzehntelang nicht zu fassen waren, hatten die Behörden zuletzt den Fahndungsdruck erhöht und in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ einen öffentlichen Aufruf gestartet. Das brachte den Ermittlern rund 250 Hinweise zu den drei früheren RAF-Terroristen ein. Einer der Hinweise könnte nun zu der Verhaftung von Klette geführt haben. Über den Aufenthaltsort von Garweg und Staub war zunächst weiterhin nichts bekannt.

Wie der Spiegel berichtete, soll die Gesuchte durch Fingerabdrücke identifiziert worden sein. Zielfahnder aus Niedersachsen sollen sie dann am Montagabend in einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Kreuzberg festgenommen haben. In der Wohnung wurde demnach auch Munition gefunden.

Unter falschem Namen gab Klette Nachhilfe und verschenkte Kekse

In der Nachbarschaft war die heute 65-Jährige aber mit ihrem linksextremistischen Hintergrund nicht aufgefallen, im Gegenteil. Klette soll nach Angaben eines Nachbarn in Berlin-Kreuzberg unter dem Vornamen Claudia gelebt haben. Um Geld zu verdienen, soll sie privaten Nachhilfeunterricht in Mathematik gegeben haben, erzählte der Nachbar der Nachrichtenagentur dpa. Er habe sich öfter mit Klette, die einen anderen Nachnamen nutzte, unterhalten. Zu Weihnachten habe er Kekse von ihr geschenkt bekommen. Klette habe aber nur eher oberflächliche Kontakte zur Nachbarschaft gepflegt. Berliner Polizisten trugen am Dienstag größere Kisten ins Haus, offenbar um Gegenstände abzutransportieren. (jkf)

Rubriklistenbild: © Tim Brakemeier/bka/dpa/Montage

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