Ramaphosa tappt bei Trump nicht in die Selenskyj-Falle – dank eines Golfers
VonChristian Stör
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Donald Trump erhebt schwere Vorwürfe. Der südafrikanische Präsident reagiert besonnen – auch dank der Mithilfe eines Golfprofis.
Washington, DC – Donald Trump war nicht zu bremsen. Immer wieder überzog er seinen Gast mit Vorwürfen eines angeblichen „Völkermords“ an Weißen. Rund 30 Jahre nach dem Ende der Apartheid verlangte Trump vom südafrikanischen Staatschef Cyril Ramaphosa Erklärungen für das Schicksal weißer Farmer in Südafrika. Die Menschen würden in ihrer Heimat „hingerichtet“ und ihr Land werde beschlagnahmt, behauptete der US-Präsident.
Dann ließ Trump das Licht dimmen und führte einen Film vor, in dem unter anderem weiße Kreuze zu sehen waren, die nach Trumps Darstellung die Gräber von weißen Südafrikanern markierten. Zudem zeigte Trump seinem Gast eine Reihe von Zeitungsartikeln, in denen es nach seinen Worten um „Tod, Tod, Tod“ geht. „Menschen fliehen aus Südafrika um ihrer eigenen Sicherheit willen“, sagte Trump. „Deren Land wird beschlagnahmt, und in vielen Fällen werden sie getötet.“
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Trump provoziert Eklat – doch Ramaphosa vermeidet Selenskyj-Falle
Der Ablauf erinnerte an den Empfang von Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus Ende Februar. Damals war es zum Eklat gekommen, weil Trump und sein Vizepräsident JD Vance dem ukrainischen Präsidenten mangelnden Respekt und fehlende Dankbarkeit vorwarfen. Die Begegnung gipfelte im Rauswurf Selenskyjs aus dem Weißen Haus.
Ramaphosa tappte allerdings nicht in die Selenskyj-Falle. „Lassen Sie mich das richtig stellen“, hakte er immer wieder in ruhigem Tonfall ein und widersprach sachlich. Ramaphosa ließ sich nicht ködern, bewahrte die ganze Zeit hindurch seine Fassung und schlug schließlich vor, „in aller Ruhe darüber zu reden“. Südafrika habe von Nelson Mandela gelernt, „dass sich Menschen immer dann, wenn es Probleme gibt, an einen Tisch setzen und darüber sprechen müssen“, sagte er.
Vorwurf des Genozids an Weißen in Südafrika
Die Vorwürfe von Donald Trump basieren auf einem Verschwörungsmythos, der in rechtsextremen Kreisen in den USA weit verbreitet ist: der sogenannte „weiße Genozid“. Tatsächlich gibt es in Südafrika eine horrende Gewaltkriminalität: Laut einer Datenerhebung im Jahr 2023 liegt sie bei 45 Morden pro 100.000 Menschen. Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass diese Morde rassistisch motiviert sind. Während des Treffens mit Trump räumte Ramaphosa eine hohe Kriminalitätsrate ein, die Mehrheit der Opfer seien aber Schwarze.
Trump will Ramaphosa in die Enge treiben – südafrikanischer Präsident reagiert gelassen
Tatsächlich wirkte Ramaphosa gut vorbereitet. Er dankte Trump für die Lieferung von Beatmungsgeräten an Südafrika während der Corona-Pandemie, schenkte ihm ein 14 Kilogramm schweres Buch mit Bildern südafrikanischer Golfplätze und hatte die Profi-Golfspieler Ernie Els und Retief Goosen mit ins Weiße Haus gebracht. Dritter Gast war der Milliardär Johann Rupert – auch er ein Weißer. Wenn es einen Völkermord geben würde, so Ramaphosa, „wären diese drei Herren sicher nicht hier“.
Zudem war Ernie Els eine große Hilfe für Ramaphosa. Als der Golfprofi das Wort ergriff, entspannten sich auch Trumps Gesichtszüge. Er freue sich, Trump zu treffen, sagte Els und baute Ramaphosa anschließend eine Brücke. Südafrika benötige die Hilfe der US-Politik, um die Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die Kriminalität zu bekämpfen. Letztere koste vielen Weißen, aber noch mehr Schwarzen das Leben. Trump, der viel Zeit auf Golfplätzen verbringt, war sichtlich angetan: „Nun, das haben Sie wirklich gut gemacht.“
Die Reaktion der südafrikanischen Delegation deutete in der Tat darauf hin, dass sie sich sehr genau auf das Treffen mit Donald Trump im Weißen Haus vorbereitet hatte. Nicht auszuschließen ist, dass Ramaphosa und seine Begleiter vorher sogar extra geprobt haben. Nach dem Eklat beim Selenskyj-Besuch dürfte allen Gästen des Weißen Hauses klar sein, was sie im Oval Office erwarten könnte.
Eklat-Diplomatie nach Trump-Art: Merz erwartet schwieriger Spagat im Oval Office
Für Ramaphosa und seine Begleiter hat das gut funktioniert. Gelingt das aber auch den künftigen Trump-Gästen? Immerhin wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) demnächst zum Antrittsbesuch in die USA fliegen. Bisher hat es nur telefonischen Kontakt zwischen Merz und Trump gegeben.
Den ersten Trump-Test meint Merz bestanden zu haben. Jedenfalls ließ er nach seinem ersten Telefonat mit dem US-Präsidenten am 8. Mai erklären, es bestehe Einigkeit, „die Handelsstreitigkeiten rasch beilegen zu wollen“ und einen dauerhaften Frieden in der Ukraine anzustreben. Ob Donald Trump diese positive Einschätzung teilte, ist allerdings nicht bekannt. Das Weiße Haus äußerte sich nicht zu dem Gespräch.
Golfprofi Ernie Els (rechts) war ebenfalls im Oval Office zugegen – genauso wie Retief Goosen (2. von rechts) und der Geschäftsmann Johann Rupert (2. von links). Vor allem konnte Cyril Ramaphosa beim Besuch eine Brücke zu Donald Trump bauen.
Merz besteht wohl ersten Trump-Test: Kanzler sieht Weg mit US-Präsident geebnet
Jackson Janes von der US-Denkfabrik German Marshall Fund zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zuversichtlich, dass Merz die Chance habe, „das wichtige Verhältnis neu auszuformen und zu definieren“. Der Kanzler habe „eine ganze Menge Business-Erfahrung“, etwa durch seine frühere Arbeit für die US-Investmentgesellschaft Blackrock. Zudem könne er auf gemeinsame politische Ziele mit Trump verweisen, etwa bei der Grenzkontrolle und der Einwanderung.
In Deutschland wird Merz immer wieder mangelnde Regierungserfahrung vorgeworfen. Janes sieht es dagegen als Pluspunkt, dass Merz weitgehend „unbelastet durch eine politische Vergangenheit“ ist. Das könnte Trump gefallen, der von sich selbst behauptet, er sei nicht Teil des politischen „Sumpfes in Washington“.
Wird Merz seinen ersten Besuch bei Trump vorher proben?
Wie Merz sei Trump zudem „kein großer Fan von Angela Merkel“, sagt Janes weiter. Deshalb sei es glaubwürdig, wenn Merz sage, er komme „mit einem neuen Besen“, um Scherben im transatlantischen Verhältnis wegzufegen – jedenfalls so weit dies in einer deutschen Koalitionsregierung möglich sei.
Rachel Tausendfreund von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin sieht dagegen Unsicherheitsfaktoren bei dem neuen Kanzler: „Ich bin nicht so sicher, ob Merz willens ist, Trump zu schmeicheln und seine Spielchen zu spielen“, sagte die DGAP-Expertin der AFP.
Klar ist nur eins: Erst das Treffen im Weißen Haus wird zeigen, wie Trump mit Merz umgehen möchte. Der Auftritt der südafrikanischen Delegation um Cyril Ramaphosa könnte als Vorbild dienen, damit Merz im Oval Office am Ende nicht doch in die Selenskyj-Falle tappt. (cs mit Agenturen)