Greta Thunbergs Gaza-Schiff gestoppt: Israel greift durch – und setzt harten Seitenhieb
VonFelix Busjaeger
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Marcus Giebel
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Mit ihrer Mission plante Greta Thunberg, der notleidenden Bevölkerung im Gazastreifen zu helfen. Nun hinderte ISrael sie daran.
Update vom 9. Juni um 6.24 Uhr: Nach tagelanger Fahrt auf einem Segelschiff mit Hilfsgütern für die Menschen im Gazastreifen sind Greta Thunberg und weitere Aktivisten kurz vor ihrem Ziel von den israelischen Behörden gestoppt worden. Das Schiff werde zur israelischen Küste gebracht, die Passagiere sollten in ihre Heimatländer zurückkehren, teilte das israelische Außenministerium am frühen Morgen auf der Plattform X mit. Zuvor hatte das Bündnis Freedom Flotilla Coalition mitgeteilt, die israelische Armee sei an Bord des Schiffes „Madleen“ gegangen.
Das israelische Außenministerium teilte weiter mit, die Aktivisten hätten versucht, eine mediale Provokation zu inszenieren, mit dem einzigen Zweck, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Ihre Ladung sei so geringfügig gewesen, dass sie nicht einmal einer Lkw-Lieferung mit Hilfsgütern entspreche. „Es gibt Wege, Hilfe in den Gazastreifen zu bringen – ohne Instagram-Selfies“, hieß es in der Stellungnahme.
Trotz Warnung durch Israel: Thunberg wollte Reise an die Küste des Gazastreifens fortsetzen
Update, 19.45 Uhr: Trotz der Warnung durch das israelische Militär will die Aktivistengruppe um die Schwedin Greta Thunberg ihre Reise an die Küste des Gazastreifens fortsetzen. „Wir werden bis zur letzten Minute dranbleiben – bis Israel das Internet und die Netzwerke kappt“, sagte die EU-Parlamentsabgeordnete Rima Hassan am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. „Wir sind zwölf Zivilisten an Bord. Wir sind nicht bewaffnet. Da ist nur humanitäre Hilfe“, betonte Hassan.
Die Aktivisten erklärten daraufhin im Onlinedienst X, sie rechneten „jederzeit“ damit, abgefangen oder von Israel angegriffen zu werden. Sie riefen ihre jeweiligen Regierungen auf, sie zu schützen. An Bord der „Madleen“ sind Aktivisten aus Deutschland, Frankreich, Brasilien, der Türkei, Schweden, Spanien und den Niederlanden. „Wir haben keine Angst vor ihnen“, sagte die deutsche Menschenrechtsaktivistin und Mitseglerin Yasemin Acar mit Verweis auf die Warnung des israelischen Ministers .„Kein Staat hat geantwortet“, sagte Hassan. „Die Botschaft ist, dass Israel ungestraft vorgehen darf, ohne jede Schutzgarantie für uns.“
„Greta, die Antisemitin“: Israels Militär warnt Aktivisten um Thunberg
Update vom 8. Juni, 16.20 Uhr: Die israelische Armee hat am Sonntag auch offiziell angekündigt, ein Boot mit Aktivisten an der Ankunft im Gazastreifen hindern zu wollen. Das Schiff „Madleen“, auf dem auch die Schwedin Greta Thunberg unterwegs ist, dürfe den Gazastreifen nicht erreichen, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz. „An Greta, die Antisemitin, und ihre Begleiter, Sprachrohr der Hamas-Propaganda, sage ich klar: dreht um, weil ihr niemals im Gazastreifen ankommen werdet“, erklärte Katz laut einer Mitteilung seines Büros.
Das Segelschiff der sogenannten „Freedom Flotilla“ war vor einer Woche von Sizilien aus in Richtung Gazastreifen aufgebrochen, um nach Aussage der französisch-palästinensischen EU-Abgeordneten Rima Hassan die israelische Blockade für Hilfslieferungen „zu durchbrechen“ und den andauernden „Völkermord“ im Gazastreifen zu kritisieren. Am Samstag hatte das Schiff der Besatzung zufolge ägyptische Gewässer erreicht und machte sich auf den Weg in Richtung Gazastreifen.
Greta Thunberg auf dem Weg in den Gazastreifen – Israels Armee will Boot von Aktivisten aufhalten
„Der Staat Israel wird niemandem erlauben, die Meeresblockade des Gazastreifens zu durchbrechen, deren Hauptaufgabe es ist, Waffenlieferungen an die Hamas zu verhindern“, erklärte Katz weiter. Israel werde gegen „jeden Versuch vorgehen, die Blockade zu durchbrechen oder Terrororganisationen zu helfen, auf dem Meer, in der Luft oder am Boden“, fügte der Verteidigungsminister hinzu. Die Blockade war bereits vor Beginn des Gazakrieges in Kraft.
Auf Instagram teilten die Aktivisten der „Freedom Flotilla“ mit, man werde sich von Katz‘ Äußerungen nicht einschüchtern lassen. „Die ‚Madleen‘ ist ein friedliches, unbewaffnetes Zivilschiff, das mit humanitärer Hilfe und Menschenrechtsaktivisten in internationalen Gewässern unterwegs ist. Diese Mission ist unabhängig und wird ausschließlich von ihrem Gewissen und der Solidarität mit Gaza geleitet,“ heiß es in der Stellungnahme weiter. Das Schiff befindet sich nach Angaben der Aktivisten knapp 160 nautische Meilen (86 Kilometer) von der Küste des Gazastreifens entfernt. „Angesichts einer möglichen israelischen Aggression bleiben wir ruhig und vorbereitet“, teilen die Aktivisten weiter mit.
Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf heikler Reise gestoppt – jetzt drohen Konsequenzen
Erstmeldung vom 5. Juni: Jerusalem – Greta Thunberg wird ihr Ziel nicht erreichen. Gemeinsam mit elf Mitstreitern war die als Klima-Aktivistin bekannt gewordene Schwedin am Sonntag von Catania auf Sizilien aus in See gestochen, um die Menschen im Gazastreifen mit Hilfsgütern zu versorgen. Doch nun haben israelische Sicherheitskräfte entschieden, dass sich das Schiff Madleen dem von der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Küstengebiet nicht nähern darf, wie der staatliche israelische Sender Kan 11 berichtet.
Zunächst sei erwogen worden, dem Segelschiff des Bündnisses „Freedom Flotilla Coalition“ die Anlandung zu gestatten. Die Entscheidung fiel aber letztlich anders aus, weil Israel keinen Präzedenzfall schaffen wolle. Thunberg und ihren Begleitern um die Deutsche Yasemin Acar droht vielmehr sogar die Verhaftung, heißt es weiter.
Thunberg auf Reise in Gazastreifen: Auch Schauspieler aus „Game of Thrones“ an Bord des Schiffes
Über das weitere Vorgehen würden an diesem Donnerstag Verteidigungsminister Israel Katz und hochrangige Vertreter der Armee entscheiden. Möglich sei, dass die Madleen gestoppt und wieder ins offene Meer zurückgeschickt werde, wenn es in wenigen Tagen die Region erreicht habe. Oder aber das Schiff werde in den Hafen von Ashdod eskortiert und dort klicken die Handschellen.
An Bord befindet sich neben den überwiegend französischen Aktivisten auch der irische Schauspieler Liam Cunningham, der in der Serie „Game of Thrones“ (GoT) eine tragende Rolle übernommen hatte. Auch andere Prominente wie die Schauspielerinnen Susan Sarandon, Melissa Barrera und die ebenfalls aus „GoT“ bekannte Carice van Houten unterstützen die Aktion.
Das pro-palästinensische Bündnis betont, die Madleen fahre ausschließlich durch internationale Gewässer in Richtung Gaza, wo die israelische Armee seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Jagd auf die Hamas-Kämpfer macht und die noch immer festgehaltenen Geiseln sucht. Viele der zwei Millionen Menschen in dem zum Kriegsgebiet mutierten Küstenstreifen befinden sich infolge der Eskalation seit Monaten auf der Flucht, haben ihr Hab und Gut verloren.
Thunberg und der Gaza-Krieg: „Illegale Belagerung durch Israel durchbrechen“
Thunberg und die anderen Aktivisten wollen unter anderem Babynahrung und medizinisches Material liefern. Die „Freedom Flotilla Coalition“ erklärt auch, dass die Madleen keine Bedrohung darstelle und die Mission im Einklang mit dem Völkerrecht sei. Die Gruppe habe sich auf den Weg gemacht, „um die illegale Belagerung Gazas durch Israel zu durchbrechen und einen Seekorridor für die Menschen zu errichten“.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Zuletzt hatte Deutschlands neuer Außenminister Johann Wadephul gemeinsam mit zahlreichen Amtskollegen aus Europa und Übersee sowie EU-Vertretern eine Erklärung zur humanitären Hilfe in Gaza abgegeben, in der es heißt: „Lebensmittel, Medikamente und unentbehrliche Versorgungsgüter sind aufgebraucht. Die Bevölkerung droht zu verhungern. Die Menschen in Gaza müssen die Hilfe erhalten, die sie so dringend benötigen.“ Zeitweise waren Hilfslieferungen gar nicht möglich, liefen vor einigen Wochen aber wieder an.
Mitte Mai hatte Israel eine neue Bodenoffensive gestartet, fliegt seither auch verstärkt Luftangriffe. Bereits im vergangenen Jahr war es Jerusalem gelungen, führende Köpfe der Hamas wie Ismail Hanija, Mohammed Deif oder Yahya Sinwar und zuletzt auch dessen Bruder Mohammed Sinwar zu töten. Insgesamt sollen dem Gaza-Krieg bereits mehr als 50.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.
Thunberg und Deutschland: Unions-Politiker forderte sogar Einreisesperre
Thunberg hatte sich häufiger kritisch gegenüber Israels Vorgehen geäußert. In einem Instagram-Post sprach die 22-Jährige einmal mehr von einem Genozid und schrieb: „Systematischer Hunger und die Entziehung grundlegender Bedürfnisse sind nur einige der vielen Kriegsmethoden, die Israel gegen Palästinenser einsetzt.“ Ihre Mission sei „Teil einer globalen Bewegung für soziale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Befreiung und Entkolonialisierung“.
Mit ihrer Haltung und ihren Aussagen im Zusammenhang mit dem eskalierten Nahost-Konflikt ruft die Gründerin von „Fridays for Future“ auch viel Kritik hervor. So musste sie sich sogar als „Israelhasserin“ betiteln lassen. Mit Alexander Throm forderte im vergangenen Oktober der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion via Bild sogar dazu auf, „eine Einreisesperre gegen diese Antisemitin“ für Deutschland zu erlassen.
So weit kam es bislang aber nicht. Verweigert wird Thunberg aber die Anlandung mit der Madleen im Gazastreifen. Womit ihre Mission aber erst recht Aufmerksamkeit bekommt. (mg)