VonFelix Busjaegerschließen
Kommt die Rente ab 70? Nach Plänen der Ampel erstmal nicht, allerdings fordern Arbeitgeber nun eine Antwort auf die Belastungen der Rentenkassen.
Berlin – Rente erst ab 70? Was nach einer Hiobsbotschaft für viele Arbeitnehmer klingt, ist nach Vorstellung von Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, womöglich ein Modell für die Zukunft. Da Menschen in Deutschland immer älter werden und dementsprechend beziehen sie auch immer länger Rente. Wolf sieht hier ein Ungleichgewicht für die Kassen und spricht sich deshalb für eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus. Der Vorschlag ist indes nicht neu: Geburtenknick und steigende Preise sind immer wieder Anlass, um über die Rente zu diskutieren.
Rente ab 70 Jahren: Arbeitgeberverband fordert höheres Renteneintrittsalter
Rente ab 70 – das klingt für viele Arbeitnehmer wohl nicht nach einer befriedigenden Aussicht auf das restliche Arbeitsleben. Doch Wolf sieht eigentlich keine Alternative. „Schaut man sich die demografische Entwicklung und die Belastungen der Sozial- und Rentenkassen an, dann sind die Reserven aufgebraucht. Wir werden länger und mehr arbeiten müssen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Stufenweise werden wir auf das Renteneintrittsalter von 70 Jahren hochgehen müssen – auch weil das Lebensalter immer weiter steigt.“
Hintergrund seines Vorschlags: Steigende Lebenserwartung und demografische Entwicklungen in Deutschland würden mittelfristig dazu führen, dass das Rentensystem nicht mehr finanzierbar sei. Dass bei der Rente gehandelt werden muss, ist auch der Politik bewusst. Die aktuelle Rechtslage sieht bereits vor, dass die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 von 65 auf 67 Jahre angehoben werden soll. Doch dann soll vorerst Schluss sein. Denn Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnt bisher eine weitere Anhebung des Rentenalters ab. Derzeit leiden viele Rentner unter der Inflation – Altersarmut droht.
Ampel will keine Rente ab 70: Ökonomen drängen Regierung zum Handeln
„Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern“, erklärte der SPD-Politiker bereits im Mai, nachdem führende Ökonomen einen Vorstoß zur Rente mit 70 initiiert hatten. Unter anderem Wirtschaftsforscher Gunther Schnabl hatte der Bild gesagt, dass Deutschland immer noch unter einem starken Fachkräftemangel leiden würde und deshalb kaum eine andere Wahl hätte, als das Eintrittsalter für die Rente anzupassen. Auch der frühere Wirtschaftsweise, Lars Feld, hatte sich zum Jahresanfang für die Rente ab 70 starkgemacht und längeres Arbeiten gefordert.
