Biden verkauft Einzelteile für Trumps Grenzmauer – Republikaner toben
VonLukas Rogalla
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Still und heimlich soll die Biden-Regierung versuchen, Material für die Grenzmauer zu Mexiko zu verkaufen – das Ende von Trumps Herzenswunsch?
Washington, D.C. – Was ist aus der Grenzmauer, einem der wichtigsten Wahlversprechen von Donald Trump, geworden? Bevor er 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde, hatte Trump angekündigt, eine „große Mauer an unserer südlichen Grenze“ zu bauen und „Mexiko dafür bezahlen“ zu lassen, um gegen unkontrollierte Einwanderung aus Zentralamerika vorzugehen. Das Projekt hat mehrere Milliarden US-Dollar verschlungen – und ist nie fertig geworden. Geld aus Mexiko gab es schon gar nicht.
Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat sein Nachfolger Joe Biden den von Trump ausgerufenen Notstand sowie die Finanzierung für die Mauer ausgesetzt. Am Tag seiner Vereidigung bezeichnete er den Bau der Grenzmauer als „Geldverschwendung, die die Aufmerksamkeit von echten Bedrohungen für unsere innere Sicherheit ablenkt“. Nun berichten mehrere US-Medien übereinstimmend, dass Bidens Regierung Einzelteile, die für die Mauer vorgesehen waren, nach und nach versteigert – während die Republikaner auf ein Gesetz zur Finalisierung des Grenzwalls pochen.
Biden-Regierung lässt Material für Trump-Mauer versteigern
Eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, die Defense Logistics Agency (DLA), bestätigte Mitte August gegenüber dem Nachrichtenportal The Daily Upside, dass das Pentagon den Verkauf der übrig gebliebenen Materialien vorantreibt. Viele dieser Materialien werden seit Jahren auf staatlichen und privaten Grundstücken im Westen der USA gelagert. Laut einer von Republikanern in Auftrag gegebenen Untersuchung gibt die US-Regierung jährlich 47 Millionen Dollar für die Lagerung von Material für die Grenzmauer aus – über 128.000 Dollar pro Tag.
Bei den Gegenständen, die versteigert werden sollen, handelt es sich um „überschüssiges Grenzmauermaterial, das das U.S. Army Corps of Engineers (USACE) dem DLA zur Verfügung gestellt hat und das nun zum Verkauf steht“, wird ein Sprecher der DLA zitiert. Die Online-Auktionsplattform namens GovPlanet hatte vor Wochen begonnen, auf ihrer Website und in den sozialen Medien Fotos von großen Teilen der ungebauten Mauer zu veröffentlichen, deren Wert auf Hunderte von Millionen Dollar geschätzt wird. Seit Ende Juli sei laut GovPlanet Material im Wert von 497.705 US-Dollar verkauft worden. Erlöse fließen in das Budget des Verteidigungsministeriums. Über GovPlanet wird vor allem überschüssige Militärausrüstung verkauft. Die Seite wird vom kanadischen Unternehmen Ritchie Bros. betrieben.
Diese Luftaufnahme von September 2022 zeigt die unvollendete Grenzmauer von Donald Trump zwischen den USA und Mexiko in Yuma, Arizona. Lücken werden vorübergehend mit Containern gefüllt.
Einzelteile für Trumps Mauer landen im Online-Auktionshaus
Das Auktionshaus achte jedoch darauf, die Materialien nicht als Teile von Trumps Mauer zu bezeichnen. Sie werden allgemein als „Stahlrohre und Stangen für den Industriebau“ gelistet. Laut The Daily Upside , das zuerst über den Fall berichtete, sei GovPlanet angewiesen worden, die Verkäufe geheim zu halten. „Wir dürfen rechtlich nicht erwähnen, dass es sich dabei um das Material für die Grenzmauer handelt, sonst könnten wir unseren Arbeitsplatz verlieren“, soll eine Quelle von GovPlanet gesagt haben.
Das USACE teilte Newsweek nun auf Nachfrage mit, dass die Materialien „in Übereinstimmung mit der Federal Acquisition Regulation“, den gesetzlichen Vorgaben für öffentliche Beschaffungen, entsorgt werden.
Republikaner wollen Donald Trumps Mauer vollenden
Die Republikaner ließen diese Gelegenheit, um Joe Biden zu kritisieren, nicht aus: „Anstatt die Grenze zu sichern, versteigert Präsident Biden vom Steuerzahler finanziertes Material für einen Hungerlohn. Er kann sich der Rechenschaftspflicht des Kongresses nicht entziehen und muss diese Teile für die vorgesehenen Zwecke verwenden. Baut die Mauer und stellt sie fertig!“, schrieb Senatorin Joni Ernst auf X (vormals Twitter).
„Biden nimmt keine Rücksicht auf das Geld der Steuerzahler – oder darauf, dass seine offene Grenze Gemeinden im ganzen Land in den Ruin treibt, die die Rechnung für sein Versagen bezahlen müssen“, schrieb die Kongressabgeordnete Nicole Malliotakis aus New York.
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Im Mai hatten die Senatorinnen und Senatoren Joni Ernst, Ted Cruz und Roger Wicker den sogenannten „Finish It Act“ angekündigt. Demnach wäre die US-Regierung verpflichtet, die Materialien entweder für den Mauerbau zu verwenden oder sie an die Regierungen der Bundesstaaten zu übergeben, heißt es laut Newsweek in einer Pressemitteilung aus Wickers Büro.