USA

Im Kampf gegen Migration wird in den USA die Wüste als Waffe eingesetzt

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Trumps Mauer: Der Ex-Präsident ist nicht mehr im Amt, aber seine migrationsfeindliche Politik ist noch aktiv - auch unter Biden.

Die Fluchtroute durch das Gebiet zwischen Arizona und Mexiko kostet immer mehr Menschen das Leben. Seit dem Jahr 2000 steigt die Zahl der Toten rapide an. Von Arndt Peltner.

USA - James Holeman tritt auf die Bremse. „Kannst Du es riechen?“, fragt er. „Hier ist es.“ Wir sind etwa 20 Meilen in seinem alten Pick-up auf einer unbefestigten Straße Richtung Westen gefahren. Holeman hatte am Morgen telefonisch Informationen zu einem Fundort bekommen. „Er ist noch immer hier.“ Holeman dreht sich weg und zieht den Kragen seines Hemdes über die Nase. Der stechende Geruch eines verwesenden Leichnams liegt in der Luft. In einem Wasserrohr unterhalb der Straße liegt ein menschlicher Körper, nur ein paar Meter von der Mauer entfernt, die Donald Trump errichten ließ. Die rechte Hand ist starr nach oben gerichtet. Der Kopf des Mannes liegt auf dem Oberarm.

James Holeman markiert die Stelle mit einem rosafarbenen Band, notiert sich die genauen Koordinaten und gibt diese an das Büro des Sheriffs weiter. Am nächsten Tag erfährt er, dass der Leichnam des 25-jährigen Cristian H. aus Mexiko gefunden und gesichert wurde. Der Tote hat einen Namen, mithilfe des mexikanischen Konsulats können nun die Angehörigen ermittelt werden. Es ist genau das passiert, was Holeman gehofft hat und weshalb er überhaupt in der Wüste unterwegs ist.

Der 57-jährige Golfkriegsveteran gründete vor ein paar Jahren seine eigene gemeinnützige Organisation: Battalion Search & Rescue. Seitdem hat er ein paar Mitstreiter:innen um sich geschart und fährt regelmäßig in die Wüste südlich und südwestlich von Tucson in Arizona, um nach den „Verlorenen, aber nicht Vergessenen“ zu suchen. Die Sonora-Wüste ist eine schöne und faszinierende Landschaft voller Kakteen, Mesquite-Bäumen und seltenen Vögeln. Faszinierend für Besucher:innen, oftmals tödlich für Migrant:innen, die dort auf ihrem Weg in ein besseres Leben stranden.

Die scharfe Grenzsicherung drängt Geflüchtete weiter in die Wüste 

Am nächsten Morgen treffen wir uns um sechs Uhr auf einem Parkplatz in Three Points. Außer einer Tankstelle und einem Dorfladen gibt es nicht viel. Von hier sind es noch knapp 45 Meilen bis nach Sasabe, einer kleinen Gemeinde, die direkt an Trumps Mauer liegt. Dazwischen: nur Wüste. James Holeman ist schon da. Sein grüner Wagen, den er von der Waldbehörde günstig erstanden hat, ist weithin sichtbar. Holeman ist hochgewachsen und wirkt trotz eines leichten Bauchansatzes drahtig und durchtrainiert. Sein Kopf ist rasiert, die Haut von der Sonne gezeichnet.

An diesem Morgen sind aus seinem Team auch Pete Lucero, Brad Hellman und Alisa Reznick dabei. Alle drei erklären, dass sie einfach nicht wegschauen wollen, wenn hier Menschen verdursten und sich niemand darum schert. Zu fünft steigen wir in den Wagen und fahren 30 Meilen Richtung Süden. Holeman schaut auf sein GPS-Gerät und biegt schließlich rechts auf eine Schotterpiste ab.

Langsam geht es auf eine Bergkette zu, die zum Reservat der Tohono O’odham Nation gehört. Das Reservat reicht bis an die mexikanische Grenze. Die Tohono O’odham Nation verweigerte vor Jahren die Zustimmung zum Mauerbau auf ihrem Grund und Boden. Das mexikanische Kartell, das die Routen nach Norden kontrolliert, lässt deswegen immer mehr Migrant:innen genau dort in Richtung Norden ziehen. Es ist eine entlegene und schwierige, vor allem aber tödliche Route.

Jedes Detail kann helfen, die Familien der Verstorbenen zu finden.

Der Wagen hält unweit des Stacheldrahts, der das Reservat begrenzt. Wir machen uns bereit für einen langen und schwierigen Marsch. Holeman reicht Wanderstöcke, einen grellen, orangefarbenen Hut und erklärt, wie die Walkie-Talkies funktionieren, mit denen wir in Verbindung bleiben sollen.

Es ist schon jetzt über 30 Grad Celsius heiß, das Thermometer steigt später bis auf fast 40 Grad. Wir marschieren los, in einer Reihe nebeneinander, querfeldein, decken auf diese Weise etwa 120 Meter Wüste ab. Von den anderen sieht man zwischen den stachligen Sträuchern, den spitzen Mesquite-Bäumen und den verschiedenen Kakteen nur noch die grellen Hüte. Es ist ein beschwerlicher Weg, auf und ab über Geröll und unwegsamen Boden. Man kommt leicht ins Rutschen. Dazu die vielen Stacheln und Spitzen, denen man kaum ausweichen kann. Wie schafft man es, hier nachts entlang zu laufen?

Nach zwei Stunden erreichen wir ein kleines Plateau, das wohl auch von Migrant:innen als Rastplatz genutzt wird. Dosen, Flaschen, Verpackungen, ein paar zerrissene Kleidungsstücke liegen verstreut herum. Von hier oben hat man einen guten Blick in alle Richtungen.

„Wir sind gerade mal eineinhalb Meilen weit gekommen“, meint Holeman und schaut auf seinen GPS-Tracker. Die Landschaft ist zerklüftet und brutal, man kann die Grenze sehen und das weite, offene Land des Reservats. Alle sind durchgeschwitzt. Pete, der Pensionär, sitzt im Schatten eines Mesquite-Baums, ist sichtlich mitgenommen, trinkt Schluck für Schluck aus einer Flasche. „James, was treibt Dich eigentlich immer wieder hier raus?“ Holeman lacht: „Ich spiele kein Golf.“ Er überlegt, schaut in die Ferne. „Ich liebe das Wandern und kann es mir finanziell leisten, oft hier draußen zu sein. Dafür bin ich dankbar.“ Mit dem, was er beim Militär gelernt und erfahren hat, will er helfen, „dass hier keiner zurückgelassen wird, dass die Familien trauern und einen Abschluss finden können“.

Amnesty International kritisiert Bidens restriktive Asylpolitik

Manchmal stoßen er und seine Mitstreiter:innen auch auf jemand, der Hilfe braucht, dem sie Wasser und Nahrung geben, dessen Wunden sie versorgen können. „Dann fragen wir, ob er weiterlaufen will, oder ob wir die Grenzpolizei benachrichtigen sollen?“ Es ist diese direkte Hilfe, die Holeman antreibt und ihn immer wieder in die Wüste fahren lässt. Er sei keine „morbide Person auf der Suche nach Knochen und Leichen“. Im Gegenteil: Er liebe das Leben, jeden Atemzug. Aber hier könne er sich einbringen. Ganz einfach und ganz direkt, jedes Leben zähle. Seine Mitstreiter:innen stimmen ihm zu.

Allein in diesem 260 Meilen langen Sektor der Grenze hat die Grenzpolizei im Jahr 2021 rund 195.000 Menschen aufgegriffen. Die meisten direkt an der Grenze, die mal Mauer und dann wieder Zaun ist. Viele auch in der Wüste – ausgelaugt, entmutigt, verletzt, dem Tode nahe. 2022 wird die Zahl der Aufgegriffenen voraussichtlich noch deutlich höher liegen, heißt es. Und damit auch die Zahl derjenigen, die auf dem langen und beschwerlichen Weg nach Norden gestorben sind.

Im Kampf gegen Migrant:innen wird die Wüste als Waffe eingesetzt. Und das nicht erst, seit Donald Trump sein Wahlkampfversprechen, eine Mauer zu bauen, zumindest in Teilen umsetzte. Schon Mitte der 1990er Jahre, als der Demokrat Bill Clinton Präsident war, setzte die Grenzpolitik auf Militarisierung, um Migrant:innen abzuschrecken. In Grenzstädten wie Tijuana, Nogales oder Ciuadad Juarez wurden Zäune aus Stacheldraht errichtet. Doch war bereits damals klar, dass sich diejenigen, die aus Mittelamerika und Mexiko flohen, um Armut, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Elend zu entkommen, nicht aufhalten lassen würden. Weder Bewegungsmelder, Kameras und Drohnen noch ein Grenzzaun oder eine Mauer halten die Menschen von der Flucht ab. Die lange Reise in Richtung USA wurde nur umso gefährlicher und tödlicher, je weiter Migrant:innen in die Wüste abgedrängt wurden. Unter Präsident Joe Biden wurde die Grenze nicht geöffnet, auch wenn das konservative, Trump-freundliche US-Medien so vermitteln. Biden stoppte lediglich den weiteren Ausbau der Mauer und ermöglichte es Asylbewerber:innen wieder, während ihres Asylverfahrens in den USA zu sein.

Doch gibt es weiterhin die Verordnung „Title 42“, die von Trump während der Corona-Pandemie in Anspruch genommen wurde, um nahezu alle Migrant:innen an der Grenze abzuweisen. Biden wollte „Title 42“ auslaufen lassen, doch Ende Mai stoppte ein Richter diese Pläne. Amnesty International in den USA zeigte sich enttäuscht, die US-Sektion hatte sich für ein Ende der Restriktionen eingesetzt. Amy Fischer, Amnesty-Expertin für den amerikanischen Kontinent, fordert, dass „die Regierung Biden Lösungen finden muss, um Asylsuchenden die Unterstützung und die Möglichkeiten zu bieten, die sie brauchen“.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.  © Angela Weiss/afp
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung. © afp
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau (links) und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs (rechts). Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley. © afp
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.  © Jerome Delay/afp
Im Juni 1987 erklärte Biden seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1988. Nur sechs Wochen später war er aber wieder raus aus dem Rennen, noch ehe es richtig begonnen hatte. Der Grund war eine peinliche Plagiatsaffäre. Biden hatte eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock teilweise kopiert. Die darin enthaltenen Details passten allerdings nur zu Kinnocks Leben, nicht zu Bidens. „Ich habe einige dumme Dinge getan und ich werde wieder dumme Dinge tun“, verteidigte er sich noch, bevor er kurz danach seine Kandidatur zurückzog.
Im Juni 1987 erklärte Biden seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 1988. Nur sechs Wochen später war er aber wieder raus aus dem Rennen, noch ehe es richtig begonnen hatte. Der Grund war eine peinliche Plagiatsaffäre. Biden hatte eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock teilweise kopiert. Die darin enthaltenen Details passten allerdings nur zu Kinnocks Leben, nicht zu Bidens. „Ich habe einige dumme Dinge getan und ich werde wieder dumme Dinge tun“, verteidigte er sich noch, bevor er kurz danach seine Kandidatur zurückzog. © Imago
20 Jahre später versuchte es Biden ein zweites Mal. Doch erneut ging seine Kandidatur fürs Präsidentenamt schief. Diesmal war die Konkurrenz von Barack Obama und Hillary Clinton einfach zu stark für ihn. Nachdem Biden bei der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa gerade einmal ein Prozent der Stimmen erhalten hatte, gab Biden das Rennen auf. Noch 2019 verhöhnte ihn Donald Trump aufgrund dieses Ergebnisses und bezeichnete Biden als „1% Joe“.
20 Jahre später versuchte es Biden ein zweites Mal. Doch erneut ging seine Kandidatur fürs Präsidentenamt schief. Diesmal war die Konkurrenz von Barack Obama und Hillary Clinton einfach zu stark für ihn. Nachdem Biden bei der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa gerade einmal ein Prozent der Stimmen erhalten hatte, gab Biden das Rennen auf. Noch 2019 verhöhnte ihn Donald Trump aufgrund dieses Ergebnisses und bezeichnete Biden als „1% Joe“.  © Imago
Am Ende wurde die US-Wahl 2008 doch noch zu einem Erfolg für Biden. Als Vizepräsident unter Barack Obama konnte er die Politik in den nächsten Jahren maßgeblich mitbestimmen. So war Biden in der ersten Amtszeit ein lautstarker Förderer der 2010 verabschiedeten Gesundheitsreform, die unter dem Namen „Obamacare“ bekannt wurde. Im Mai 2012 sorgte Biden für Schlagzeilen, als er sich dafür aussprach, in den gesamten USA gleichgeschlechtliche Ehen zu ermöglichen. 2015 wurde sie durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs landesweit legalisiert.
Am Ende wurde die US-Wahl 2008 doch noch zu einem Erfolg für Biden. Als Vizepräsident unter Barack Obama konnte er die Politik in den nächsten Jahren maßgeblich mitbestimmen. So war Biden in der ersten Amtszeit ein lautstarker Förderer der 2010 verabschiedeten Gesundheitsreform, die unter dem Namen „Obamacare“ bekannt wurde. Im Mai 2012 sorgte Biden für Schlagzeilen, als er sich dafür aussprach, in den gesamten USA gleichgeschlechtliche Ehen zu ermöglichen. 2015 wurde sie durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs landesweit legalisiert. © Emmanuel Dunand/afp
Bei der US-Wahl 2012 sicherten sich Obama und Biden eine zweite gemeinsame Amtszeit. Im Wahlkampf konnte Biden mit einem griffigen Slogan punkten: „Bin Laden ist tot und General Motors lebt“. Biden spielte damit auf Erfolge der Regierung in der ersten Amtszeit an. So war Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden im Mai 2011 vom US-Militär in Pakistan getötet worden. Für die Rettung des verstaatlichten Autoherstellers General Motors gab die US-Regierung insgesamt 51 Milliarden Dollar aus.
Bei der US-Wahl 2012 sicherten sich Obama und Biden eine zweite gemeinsame Amtszeit. Im Wahlkampf konnte Biden mit einem griffigen Slogan punkten: „Bin Laden ist tot und General Motors lebt“. Biden spielte damit auf Erfolge der Regierung in der ersten Amtszeit an. So war Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden im Mai 2011 vom US-Militär in Pakistan getötet worden. Für die Rettung des verstaatlichten Autoherstellers General Motors gab die US-Regierung insgesamt 51 Milliarden Dollar aus. © Pete Souza/afp
Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 übernahm Biden den Vorsitz einer Arbeitsgruppe für eine Änderung des Waffenrechts. Eine Verschärfung auf Bundesebene fand aber keine Mehrheit im Kongress. Kurz vor Ende der zweiten Amtsperiode verlieh Obama seinem Vize unangekündigt die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Biden sei der „beste Vizepräsident, den wir je hatten“, sagte Obama damals.
Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 übernahm Biden den Vorsitz einer Arbeitsgruppe für eine Änderung des Waffenrechts. Eine Verschärfung auf Bundesebene fand aber keine Mehrheit im Kongress. Kurz vor Ende der zweiten Amtsperiode verlieh Obama seinem Vize unangekündigt die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA. Biden sei der „beste Vizepräsident, den wir je hatten“, sagte Obama damals. © Nicholas Kamm/afp
Biden wurde seit Obamas Wiederwahl immer wieder als möglicher Nachfolger genannt. Am 21. Oktober 2015 gab Biden allerdings bekannt, 2016 nicht für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Grund war der Tod seines Sohnes Beau, der im Mai 2015 an einem Gehirntumor gestorben war. Später bedauerte er, auf eine Kandidatur verzichtet zu haben. Für die Demokraten trat dafür Hillary Clinton an, die die Wahl gegen Donald Trump überraschend verlor.
Biden wurde seit Obamas Wiederwahl immer wieder als möglicher Nachfolger genannt. Am 21. Oktober 2015 gab Biden allerdings bekannt, 2016 nicht für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Grund war der Tod seines Sohnes Beau, der im Mai 2015 an einem Gehirntumor gestorben war. Später bedauerte er, auf eine Kandidatur verzichtet zu haben. Für die Demokraten trat dafür Hillary Clinton an, die die Wahl gegen Donald Trump überraschend verlor. © Kevin Lamarque/afp
Über seinen Sohn Beau lernte Biden die Juristin Kamala Harris kennen, die er bei der US-Wahl 2020 dann zu seiner Vize-Kandidatin machte. Harris war 2003 zur ersten Bezirksstaatsanwältin in San Francisco gewählt worden, bevor sie im Januar 2011 als Attorney General von Kalifornien vereidigt wurde. Dieses Amt stellt eine Kombination aus Justizministerin und Generalstaatsanwältin dar. 2017 zog sie als zweite „Person of Colour“ in den US-Senat ein.
Über seinen Sohn Beau lernte Biden die Juristin Kamala Harris kennen, die er bei der US-Wahl 2020 dann zu seiner Vize-Kandidatin machte. Harris war 2003 zur ersten Bezirksstaatsanwältin in San Francisco gewählt worden, bevor sie im Januar 2011 als Attorney General von Kalifornien vereidigt wurde. Dieses Amt stellt eine Kombination aus Justizministerin und Generalstaatsanwältin dar. 2017 zog sie als zweite „Person of Colour“ in den US-Senat ein. © Mandel Ngan/afp
Im Wahlkampf spielte aber vor allem Bidens anderer Sohn eine Rolle. Hunter Biden war 2014 in den Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma aufgenommen worden – just zu einer Zeit, da sein Vater als Vizepräsident für die Ukraine zuständig war. Bidens Widersacher Donald Trump sprach von Korruption und setzte die ukrainische Regierung unter Druck, entsprechende Untersuchungen einzuleiten.
Im Wahlkampf spielte aber vor allem Bidens anderer Sohn eine Rolle. Hunter Biden war 2014 in den Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma aufgenommen worden – just zu einer Zeit, da sein Vater als Vizepräsident für die Ukraine zuständig war. Bidens Widersacher Donald Trump sprach von Korruption und setzte die ukrainische Regierung unter Druck, entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Eine private Besonderheit: Nur sechs Tage nachdem er sie kennengelernt hatte, wurde Melissa Cohen 2019 seine zweite Ehefrau. © Roberto Schmidt/afp
Trotz der Vorwürfe gewann Joe Biden die Wahl. Am 6. Januar 2021 kamen der Senat und das Repräsentantenhaus zusammen, um das Ergebnis offiziell zu zertifizieren. Als ein aufgebrachter Trump-Mob das Kapitol stürmte, hielt die Welt für mehrere Stunden den Atem an. Einen Tag später konnte der Kongress seine Arbeit dann aber wieder aufnehmen. Am 20. Januar 2021 wurde Joe Biden schließlich zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt.
Trotz der Vorwürfe gewann Joe Biden die Wahl. Am 6. Januar 2021 kamen der Senat und das Repräsentantenhaus zusammen, um das Ergebnis offiziell zu zertifizieren. Als ein aufgebrachter Trump-Mob das Kapitol stürmte, hielt die Welt für mehrere Stunden den Atem an. Einen Tag später konnte der Kongress seine Arbeit dann aber wieder aufnehmen. Am 20. Januar 2021 wurde Joe Biden schließlich zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. © afp
Bidens Amtszeit wird überschattet vom Ukraine-Krieg. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am 24. Februar 2022 verhängte Biden Sanktionen gegen Russland, stockte die US-Truppen in Europa auf und unterstützt die Ukraine mit finanziellen Hilfen und Lieferung von Militärtechnik. Im März 2022 bezeichnete Biden den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Kriegsverbrecher“ und „mörderischen Diktator“.
Bidens Amtszeit wird überschattet vom Ukraine-Krieg. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in das Nachbarland am 24. Februar 2022 verhängte Biden Sanktionen gegen Russland, stockte die US-Truppen in Europa auf und unterstützt die Ukraine und ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit finanziellen Hilfen und Lieferung von Militärtechnik. Im März 2022 bezeichnete Biden den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Kriegsverbrecher“ und „mörderischen Diktator“. © Oliver Douliery/afp
Kurz vor der US-Wahl 2024 machten sich allerdings zunehmend die Strapazen des Amtes bei Joe Biden bemerkbar. Sein TV-Duell gegen Donald Trump wurde zum Debakel. Nach wochenlangen Debatten über seine Gesundheit zog Biden am 21. Juli seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. „Es war die größte Ehre meines Lebens, als Ihr Präsident zu dienen“, erklärte Biden. Er ist der erste Präsident in der Geschichte der USA, der seine Kandidatur aufgrund von Bedenken bezüglich seiner geistigen und körperlichen Fitness aufgibt.
Kurz vor der US-Wahl 2024 machten sich allerdings zunehmend die Strapazen des Amtes bei Joe Biden bemerkbar. Sein TV-Duell gegen Donald Trump wurde zum Debakel. Nach wochenlangen Debatten über seine Gesundheit zog Biden am 21. Juli seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. „Es war die größte Ehre meines Lebens, als Ihr Präsident zu dienen“, erklärte Biden. Er ist der erste Präsident in der Geschichte der USA, der seine Kandidatur aufgrund von Bedenken bezüglich seiner geistigen und körperlichen Fitness aufgibt. © Chris Delmas/AFP

Es passiert selten, dass die Menschen in den Blick genommen werden, wenn es um die Grenze geht. Das weiß auch die Migrationsforscherin Robin Reineke vom Southwest Center der University of Arizona: „Das Narrativ der Angst und der Bedrohung ist in den USA so erfolgreich, dass die Idee der Mauer sich bestens verkauft. Ein Ende ist nicht in Sicht, es ist einfach nie genug. Die Mauer ist zu einer Form des Nationalismus geworden. Patriotisch sein bedeutet heute, man muss für die Mauer sein.“ Reineke betont auch, dass Unternehmen mit der Mauer viel Geld verdienen könnten.

Die scharfe Grenzsicherung hat jedenfalls dazu geführt, dass seit fast 25 Jahren immer mehr Menschen in der Wüste starben oder als vermisst gemeldet wurden. Die genauen Zahlen kennt Greg Hess. Er ist Gerichtsmediziner im Bezirk Pima County, in dem die Großstadt Tucson liegt. Seit dem Jahr 2000 stieg die Zahl der Toten, die in der Wüste gefunden wurden, rapide an. Seither wurden mehr als 3600 menschliche Überreste gefunden und in die Gerichtsmedizin von Pima County gebracht. Die Leichname werden in Kühlräumen aufbewahrt – in der Hoffnung, irgendwann deren Angehörige zu finden.

Viele Familien wünschen sich Gewissheit über Angehörige

Neben dem Flachbau, in dem die Gerichtsmedizin untergebracht ist, steht ein etwa 20 Meter langer LKW-Anhänger. Allein darin befinden sich mehr als 250 längliche Kartons, in denen Knochen und Schädel von Menschen gelagert werden, die noch nicht identifiziert werden konnten. Sie wurden in kleine Tüten gepackt und mit einem Aktenzeichen und dem Fundjahr beschriftet.

In dem Anhänger ist es heiß, für die Lagerung von Knochen ist keine Kühlung notwendig, meint Greg Hess. „Wir haben hier Überreste von etwa 900 Personen. Wir äschern sie nicht mehr ein, sondern lagern sie hier, wie in einem Museum.“ So könne man im Fall einer Identifizierung zumindest die Knochen an die Familien zurückgeben, die diese dann in den Heimatländern beerdigten. Das helfe vielen dabei, eine tragische Geschichte würdevoll zu beenden.

Auf der Suche: James Holeman.

Umso wichtiger ist es, dass James Holeman und seine Leute vom Battalion Search & Rescue alle Informationen zu den Toten in den Blick nehmen und sie von den Beamten des Sheriffs am Tatort sichern lassen. Anthropolog:innen des gerichtsmedizinischen Instituts werten die Informationen dann vorläufig aus. Wie groß war die Person? Hatte sie Tätowierungen, Verletzungen? Sind Operationsnarben oder Zahnlücken zu sehen? Auch DNA wird entnommen. Manchmal liegen am Fundort noch Kleidungsstücke, Ausweise, Fotos, Schmuck. Jedes noch so kleine Detail wird aufgelistet und aufbewahrt. Dabei geht es nicht um die Todesursache, denn die ist meist klar: Wer in der Wüste tot aufgefunden wurde, war Migrant:in und ist verdurstet oder an Entkräftung gestorben.

Die gesammelten Daten nutzt wiederum die gemeinnützige Organisation Colibri, um die Namen der Toten herauszufinden und womöglich auch die Frage zu beantworten, woher sie einst kamen. Mirza Monterroso ist Direktorin von Colibri und kam selbst als Immigrantin aus Guatemala in die USA. Sie erklärt, wie ihre Organisation Meldungen über Vermisste mit Informationen abgleicht, die am Fundort einer Leiche entdeckt und in der Gerichtsmedizin analysiert und erweitert wurden. Manchmal dauere es Jahre, bis eine Identifizierung gelinge und den Familien die traurige Gewissheit bringe, sagt Monterroso. „Einmal rief ich eine Frau in Honduras an, ihre Mutter war vor Jahren als vermisst gemeldet worden. Sie meinte zu mir, heute sei ihr Geburtstag. Ich entschuldigte mich, doch sie bedankte sich und meinte, das sei das schönste Geburtstagsgeschenk, denn sie habe immer gewusst, dass etwas passiert sein müsse, denn ihre Mutter hätte sie nicht einfach im Stich gelassen.“ (Arndt Peltner)

Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Amnesty Journal, Ausgabe 01/23, www.amnesty.de/journal

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