Bundesverfassungsgericht

Richterwahl: Mehrheit des Ausschusses für SPD-Kandidatin Emmenegger

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Der Bundestag wagt diese Woche nach dem Fiasko um SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf einen weiteren Versuch, drei Verfassungsrichter zu bestimmen.

Berlin – Es war der große Knall vor der Sommerpause des Bundestages: Die gescheiterte Verfassungsrichterwahl. Die Folge war ein großer Vertrauensverlust in der schwarz-roten-Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). Diese Woche findet ein zweiter Anlauf zur Neubesetzung von den drei Richterposten beim Bundesverfassungsgericht statt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Der Wahlausschuss des Parlaments nominierte am Montagabend (22. September) mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit die neue SPD-Kandidatin Sigrid Emmenegger, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Union und SPD sind zuversichtlich, dass die für Donnerstag (25. September) geplante Richterwahl im Plenum erfolgreich verlaufen wird.

Nach Eklat um Brosius-Gersdorf: Union bewertet neue SPD-Kandidatin als „sehr gut“

„Ja, es wird klappen am Donnerstag“, äußerte Spahn am Sonntagabend (21. September) in der ARD-Sendung Caren Miosga. Die von der SPD vorgeschlagene Juristin Emmenegger sei eine „sehr gute“ Kandidatin. Er habe zusammen mit Kollegen aus der CDU/CSU-Fraktion ein Gespräch mit Emmenegger geführt, berichtete Spahn. Die Verwaltungsrichterin sei „sehr überzeugend“ und „fachlich versiert“. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach von einem „positiven Eindruck“ in der Unionsfraktion. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dieser Richterwahl das Bundesverfassungsgericht stärken.“

Der erste Versuch der schwarz-roten Koalition, die vakanten Stellen beim Bundesverfassungsgericht zu besetzen, war im Juli gescheitert: Die Union hatte ihre zunächst zugesicherte Unterstützung für die damals von der SPD aufgestellte Juristin Frauke Brosius-Gersdorf zurückgezogen. Grund dafür waren unter anderem Positionen der Juristin zum Abtreibungsrecht. Die Potsdamer Rechtsprofessorin verzichtete schließlich auf eine Kandidatur.

Die neue SPD-Kandidatin Sigrid Emmenegger soll Bundesverfassungsrichterin werden.

Wahlausschuss tagt am Donnerstag: Merz-Regierung auf Stimmen der Linken und Grünen angewiesen

Emmenegger ist derzeit noch Richterin am Bundesverwaltungsgericht. Neben ihr hatte die SPD bereits im Juli die Münchner Rechtswissenschaftlerin Ann-Katrin Kaufhold als weitere Kandidatin für die drei Richterposten aufgestellt; die Union unterstützt die Kandidatur von Günter Spinner, der aktuell Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht ist. Kaufhold und Spinner mussten nicht erneut durch den Wahlausschuss nominiert werden, da dies bereits im Juli geschehen war.

Chronologie: Die gescheiterte Bundesverfassungsrichterwahl

7. Juli 2025Wahlausschuss nominiert Brosius-Gersdorf mit 2/3-Mehrheit
10. Juli 2025Widerstand in Union wird deutlich, Plagiatsvorwürfe kommen auf
11. Juli 2025Bundestag setzt alle drei Richterwahlen ab - Koalitionseklat
12.-15. Juli 2025Intensive Debatte, Gesprächsangebot Brosius-Gersdorf abgelehnt
7. August 2025Brosius-Gersdorf zieht Kandidatur zurück
25. September 2025Neuer Wahlversuch mit Sigrid Emmenegger geplant

Für die notwendige Zweidrittelmehrheit im zwölfköpfigen Wahlausschuss benötigte Emmenegger mindestens acht Stimmen. In dem Gremium hat die Union fünf Vertreter, die AfD drei, die SPD zwei sowie Grüne und Linke jeweils einen. Union und SPD benötigten somit mindestens eine weitere Stimme. Das Abstimmungsergebnis ist geheim. Wer mit den Koalitionsvertretern für die Nominierung stimmte, blieb unklar.

Nun ist nach den Planungen im Parlament am Donnerstagnachmittag das Bundestagsplenum an der Reihe. Dort benötigen alle drei Kandidaten für eine Wahl eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen. Union und SPD bräuchten dazu neben der Unterstützung der Grünen auch Voten aus der Linksfraktion, um nicht auf die AfD als größte Oppositionspartei angewiesen zu sein.

Vor neuer Verfassungsrichterwahl: Grüne und Linke lassen Positionen offen

Die Linkspartei ließ ihre Position am Montag (22. September) weiter offen. „Wir haben (...) miteinander vereinbart, dass es sich bei dieser Wahl um eine Gewissensentscheidung handelt und unsere Abgeordneten jeweils für sich entscheiden“, erklärte Fraktionschefin Heidi Reichinnek nach einer Fraktionssitzung. Sie warf der Union vor, „demokratische Mehrheiten“ im Bundestag nicht sicherzustellen, indem sie keine direkten Gespräche mit ihrer Partei führte. Die CDU verweist dabei auf ihren Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linkspartei.

Ja, es wird klappen am Donnerstag. Die von der SPD vorgeschlagene Juristin Emmenegger sei eine sehr gute Kandidatin.

Jens Spahn – CDU-Fraktionsvorsitzender

Auch von den Grünen gab es am Montag keine feste Zusage für eine Unterstützung. Parteichef Felix Banaszak lobte Emmenegger jedoch als „eine gute, respektable Kandidatin“. Es sei nun Aufgabe der Regierungskoalitionen, dafür zu sorgen, dass die „Hängepartie“, die das Verfassungsgericht bereits beschädigt habe, ein Ende finde. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sonja Eichwede sagte, ihre Partei habe mit den „demokratischen Fraktionen“ im Bundestag gesprochen. Von dort gebe es „positive Signale“.

AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann kritisierte die zweite SPD-Kandidatin Kaufhold scharf und warnte wie bei Brosius-Gersdorf die Union vor einer Zustimmung. Baumann bezeichnete Kaufhold als „Aktivistin“ mit radikalen Positionen, etwa in der Klimapolitik. Sie wolle zudem ein AfD-Verbot und könne sich Enteignungen vorstellen. (Quellen: AFP, dpa) (bg)

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