Neue SPD-Kandidatin bei Richterwahl: Wer ist Sigrid Emmenegger?
VonFranziska Schwarz
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Nach dem Richterwahl-Debakel nimmt Schwarz-Rot einen zweiten Anlauf. Klappt es dieses Mal? Grüne und Linke sind schon leicht verstimmt.
Berlin – Die SPD hat eine neue Kandidatin für die Wahl zum Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen: die Verwaltungsrichterin Sigrid Emmenegger. Für die von den Sozialdemokraten zuvor nominierte Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf hatte die Unionsfraktion im Juli ihre Zustimmung kurzfristig zurückgezogen.
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Das geht aus einem gemeinsamen Schreiben der parlamentarischen Geschäftsführer von Union und SPD an ihre Fraktionen hervor, aus dem unter anderem die SZ zitiert: Emmenegger könne „auf eine lange und erfolgreiche Praxiserfahrung“ an verschiedenen Verwaltungsgerichten sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht zurückblicken. Das dürfte darauf hindeuten, dass die Union die SPD-Kandidatindieses Mal mitträgt.
Wahl für das Bundesverfassungsgericht: die neue SPD-Kandidatin Sigrid Emmenegger
Die neue Richterwahl-Kandidatin Emmenegger wurde am 4. Oktober 1976 in Freiburg geboren. Ihre juristische Karriere begann 2007, sie wurde Richterin am Verwaltungsgericht Mainz und später am Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz, dessen Vizepräsidentin sie im Juli 2019 wurde.
Im Oktober 2020 wurde Emmenegger zur Richterin am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gewählt. Die 48-Jährige war bereits von 2009 bis 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe tätig.
Richterwahl-Debakel löst Vertrauenskrise in schwarz-roter Koalition aus
Die gescheiterte Richter-Wahl hatte auch zu einer Vertrauenskrise in der schwarz-roten Koalition geführt. In der Kritik stand vor allem Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU). Die Union hatte bei ihrer Entscheidung unter anderem auf die liberale Haltung von Brosius-Gersdorf zum Thema Abtreibung verwiesen.
Wie Nachrichtenagentur AFP aus Fraktionskreisen weiter erfuhr, soll nun mit den Oppositionsfraktionen über die neue Kandidatin gesprochen werden. Für eine Zweidrittelmehrheit ist die Koalition neben den Grünen auch auf Stimmen der AfD oder der Linkspartei angewiesen.
Richterwahl: Grüne und Linke reagieren pikiert auf neuen Namensvorschlag
Die Grüne und Linke reagierten reserviert auf den neuen Personalvorschlag. „Dass man nicht auf unsere Rückmeldung wartet, ist reichlich unprofessionell angesichts der Vorgeschichte“, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann dem Stern. Die Linke-Innenexpertin Clara Bünger bemängelte im Tagesspiegel: „Die Koalition ist offenbar nicht diszipliniert genug, im Raum stehende Namensvorschläge bis zur Klärung aller Fragen unter Verschluss zu halten.“ Die AfD hält sich laut der Rheinischen Post eine Unterstützung Emmeneggers offen. (Quellen: dpa, AFP, Süddeutsche Zeitung) (frs)