Verfahrener Streit um die Rente

Ringen um die Rente: Junge Gruppe stemmt sich gegen Merz-Linie – SPD fordert Verlässlichkeit

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Merz will am Zeitplan für das Renten-Paket festhalten. Damit steht dem Kanzler Überzeugungsarbeit bevor: Sowohl die Junge Gruppe als auch die SPD bleiben standhaft.

Berlin – Sowohl die SPD und als auch Bundeskanzler Friedrich Merz wollen beim Renten-Paket kein Tempo rausnehmen – die Junge Gruppe in der Unionsfraktion bleibt jedoch dabei: In jetziger Fassung werde man dem Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) nicht zustimmen. Aus Kreisen der Jungen Gruppe heißt es gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media, man habe die Position deutlich gemacht: „Die Sicherung der Haltelinie bis zum Jahr 2031 machen wir – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – mit. Für die Zeit danach darf es aber keine Vorfestlegungen geben, die der Rentenkommission vorweggreifen.“

Bundeskanzler Friedrich Merz nach seiner Rede, mit Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union und Mitglied der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. (Symbolbild)

Sowohl der Kanzler als auch SPD-Chef Lars Klingbeil lehnten am Montag (17. November) eine Verschiebung der Renten-Abstimmung ab. Es sei in der Koalition vereinbart, im Dezember darüber zu entscheiden. „Und das ist auch nach wie vor mein Vorschlag, dass wir an diesem Zeitplan festhalten“, sagte Klingbeil während einer China-Reise in Peking. Der Vorschlag, das Renten-Votum angesichts des Streits noch einmal ruhen zu lassen, war aus den Reihen der Union gekommen – aber auch Merz zeigte sich am Montagvormittag skeptisch: „Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion zum Jahresende abgeschlossen haben.“

Junge Gruppe bleibt im Renten-Streit hart – SPD fordert: Abgeordnete sollen Merz folgen

Doch bevor der Bundestag im Dezember über das Renten-Paket abstimmen soll, dürften CDU/CSU und SPD noch vor einer Menge Arbeit stehen. Aus Kreisen der Jungen Gruppe heißt es: Im parlamentarischen Verfahren müsse weiterverhandelt werden, „um zu einer guten Lösung zu kommen“. Vonseiten der SPD-Fraktion sieht es aktuell jedoch nicht nach Verhandlungsbereitschaft aus.

So führt SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt ebenfalls am Montag in einem Statement aus: „Ich erwarte von den Abgeordneten der Union, dass sie ihrem Kanzler folgen und zu ihrer Verantwortung stehen, gemeinsam gefundene Vereinbarungen zu tragen.“ Die Sozialdemokratin begründet: „Denn nur so funktioniert eine verlässliche Regierungsarbeit, auf die sich die Menschen in diesem Land verlassen können.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Noch deutlicher hatte sich Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil am Samstag geäußert: „Ich sage euch in aller Klarheit: An diesem Gesetz wird nichts mehr geändert“, sagte der SPD-Chef beim Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg in Ulm. Bei der Jungen Union, die sich parallel zum Deutschlandtag traf, kam die Ansage des Sozialdemokraten nicht sonderlich gut an.

Renten-Entscheidung noch in diesem Jahr? Für Merz läuft die Zeit

Am 19. Dezember ist der letzte Sitzungstag des Bundestags vor Weihnachten: Spätestens dann müsste das Votum zum Renten-Paket erfolgen, wenn es wie angekündigt am 1. Januar in Kraft treten soll. Und damit läuft nicht zuletzt für den Kanzler die Zeit – Merz hatte das Thema zur Chefsache gemacht.

Mit einer knappen Mehrheit von SPD und Union von nur 12 Stimmen, könnten die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe das Renten-Paket im Bundestag blockieren. Sollte es zu einer Blockade kommen, würde das die Koalition aus Union und SPD wohl in eine existenzielle Krise stürzen. Eine Lösung scheint aktuell nicht in Sicht und der Streit verfahren: Weder die Kritiker in der Union noch die Sozialdemokraten wollen von ihren Positionen abrücken.

Renten-Streit mit Höhepunkt beim Deutschlandtag: Merz‘ Rede und ein demonstrativ stiller Saal

Im Kern geht es um die sogenannte Haltelinie bei der Rente, also das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen. Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD vereinbart, diese Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent bis 2031 zu verlängern. Kritiker bemängeln, dass die jetzt ausformulierten Pläne Folgenkosten in Milliardenhöhe in den Jahren nach 2031 hätten.

Der Renten-Streit war in den vergangenen Tagen hochgekocht und fand seinen bisherigen Höhepunkt wohl beim Deutschlandtag der Jungen Union am Samstag. Merz wurde vom Parteinachwuchs vergleichsweise kühl empfangen: Der Kanzler traf auf einen Saal mit demonstrativ ausbleibendem Applaus. (Quellen: Eigene Recherche, dpa, AFP) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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