Verhärtete Fronten

Renten-Streit spitzt sich zu: Kanzler Merz unter Zugzwang

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Die SPD will am Renten-Paket nichts mehr ändern. Die Junge Gruppe der Union droht im Bundestag zu blockieren. Gefragt sind jetzt wohl Merz und Spahn.

Berlin – Im Streit um das Renten-Paket bleiben die Fronten verhärtet. Für die SPD ist alles gesagt: An dem bereits vom Kabinett beschlossenen Paket wollen die Sozialdemokraten nicht mehr rütteln. Auch im Koalitionsausschuss am Donnerstag (13. November) stand das Thema nicht auf der Tagesordnung. Und aus der SPD hört man: warum auch?

Der Vorsitzende der Jungen Gruppe, Pascal Reddig (CDU), verweist im Renten-Streit auf Friedrich Merz: „Der Kanzler hat erklärt, das Thema zur Chefsache zu machen.“ (Montage)

Auf der anderen Seite der Debatte steht die Junge Gruppe der Unionsfraktion, die damit droht, das Vorhaben im Bundestag zu blockieren. Während die Spitzen von Union und SPD am Donnerstagabend über Energie- und Flugpreise berieten, tagte die Junge Gruppe mit etwa 20 weiteren Abgeordneten unweit davon entfernt zur Rente.

Renten-Paket: Junge Gruppe der Union fordert Nachjustieren – SPD lehnt Änderungen ab

Der Tenor bei dem Treffen: „Das Rentenpaket geht so nicht“, berichtet Michael Bröcker, Chefredakteur von Table.Media, am Donnerstagabend in einem Post auf der Plattform X und mahnt wohl auch in Richtung Kanzler: „Aus dem Lüftchen kann ein Sturm werden.“ Dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Sache „persönlich“ in die Hand nehmen wollte, scheint bislang jedenfalls keine Früchte zu tragen.

Die Kritik der Abgeordneten aus CDU und CSU richtet sich vor allem gegen die avisierten milliardenschweren Folgekosten, die durch eine Stabilisierung des Rentenniveaus nach 2031 entstehen könnten. Auf die Frage, ob die SPD offen für Verhandlungen über den strittigen Punkt ist, äußert sich nicht zuletzt der SPD-Abgeordnete Bernd Rützel deutlich: „Nein. Weil dies Rentenkürzungen für Alle bedeuten würde.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Verhärtete Fronten im Streit um die Rente: „Das mache ich nicht mit!“

Der Vorsitzende des Arbeits- und Sozialausschusses im Bundestag führt gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media aus: „Dann gibt es in gut sechs Jahren einen Absturz mit Ansage bei der Rente. Und wer jetzt arbeitet und in die Rente einzahlt, würde nach dem CDU-Vorschlag später weniger Geld bekommen.“ Der Entschluss des SPD-Abgeordneten steht: „Das mache ich nicht mit!“

Die Junge Gruppe der Unionsfraktion kritisiert mit Blick auf das Vorhaben: Eine Stabilisierung des Rentenniveaus würde jüngere Generationen zu stark belasten. In der SPD sieht man das anders: „Das Gegenteil ist der Fall: Der Vorschlag der Jungen Gruppe der CDU/CSU schadet den jungen Menschen und führt dazu, dass sie im Alter weniger Rente bekommen werden“, erklärt Rützel gegenüber unserer Redaktion. „Auch die junge Generation muss sich auf ein ordentliches Rentenniveau verlassen können, wenn sie einmal in Rente geht. Alles andere wäre nicht fair.“

Unions-Abgeordnete: Bas’ Renten-Plan gehe über den Koalitionsvertrag hinaus

Merz hatte sich in der Debatte zunächst verständnisvoll über die Kritik der Unions-Abgeordneten geäußert. Später berichtete jedoch die Bild-Zeitung: Der Kanzler sehe das Renten-Paket im Einklang mit den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Vorhaben. Damit scheint auch Merz an dem Paket in jetziger Form festhalten zu wollen. Hört man der Jungen Gruppe zu, dürfte kein Kompromiss jedoch auch keine Lösung sein, denn: Auf die Stimmen der 18 Abgeordneten ist die Regierung angewiesen. SPD und CDU/CSU haben im Bundestag nur eine knappe Mehrheit von zwölf Stimmen – somit reichen die Abgeordneten der Jungen Gruppe aus, um das Vorhaben zu blockieren.

Der Vorsitzende, Pascal Reddig (CDU), erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass die Junge Gruppe weiter fest zum Koalitionsvertrag stehe. Dieser lässt jedoch Spielraum für Interpretation, wie auch die offenbar unterschiedlichen Auslegungen von SPD und Teilen der Union zeigen. Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten sei dort zwar die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 festgehalten worden, zu der auch die Junge Gruppe stehe; nicht jedoch eine dauerhafte Erhöhung des Rentenniveaus und damit „die dauerhaften Folgekosten von bis zu 15 Milliarden jährlich nach 2031“, führt Reddig aus.

Junge Gruppe der Union fordert Anpassung im Renten-Paket – Verlass auf Kanzler Merz?

Vor diesem Hintergrund fordert der Vorsitzende der Gruppe: „Hier braucht es dringend Anpassungen am Gesetzentwurf. Daran hat sich nichts geändert.“ Nicht nur die Junge Gruppe der Unionsfraktion stehe geschlossen hinter der Ablehnung des Pakets in der jetzigen Fassung: Die Forderungen würden in der CDU/CSU-Fraktion „weit darüber hinaus“ geteilt, erklärt der CDU-Politiker.

In Richtung Merz äußert Reddig: „Der Kanzler hat erklärt, das Thema zur Chefsache zu machen. Darauf verlassen wir uns.“ Ein Satz, der wohl nicht nur als Vertrauensbekundung, sondern auch als Forderung mit Nachdruck verstanden werden kann. Obgleich die von den jungen Unionsabgeordneten kritisierte Passage SPD-Handschrift trägt, haben auch Teile der Union wohl kein Interesse daran, dass das Paket noch einmal aufgeschnürt wird: Die darin enthaltene Mütterrente etwa ist ein Wunsch der CSU und auch die Aktivrente ist in erster Linie Anliegen der Union.

Renten-Paket der Regierung Merz: Ein Satz mit Sprengkraft – Bas lehnt Änderung ab

Doch am Streit um das Renten-Paket könnte mehr hängen, wie etwa Dagmar Rosenfeld, Co-Herausgeberin von The Pioneer, und Robin Alexander aus der Welt-Chefredaktion im Podcast „Machtwechsel“ analysieren. Von einem sich anbahnenden Grundsatz-Konflikt ist die Rede. Im Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas heißt es: „Auch nach 2031 liegt das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht“ – eine Passage und ein damit einhergehender Streit mit Sprengkraft.

Niemand in der Union habe sachliche Argumente für den im Kabinettsbeschluss festgeschrieben Satz zur Haltelinie vorzutragen – niemand stehe hinter dem Vorhaben, erklärte Robin Alexander in der Talkrunde „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend. Und: Im Raum stehe nun die Frage: Haben die Unions-Spitzen mit Blick auf den Beschluss ein Veto verschlafen?

Arbeitsministerin Bas jedenfalls verweist auf Transparenz in den Verhandlungen und lehnt Änderungen an ihrem Entwurf ab: „Allen, die bei den Koalitionsverhandlungen am Tisch saßen, war klar, dass die Haltelinie bei 48 Prozent genau so auch im Gesetz stehen wird, wie wir es jetzt gemacht haben“, sagte sie dem Stern. „Ich habe niemandem etwas untergejubelt und niemanden in die Irre geführt.“

Wo steht Merz im Renten-Streit? Kanzler spricht vor der Jungen Union

Auf beiden Seiten will man im Streit um das Renten-Paket nicht einknicken – und sowohl die SPD als auch die Junge Gruppe der Unionsfraktion scheinen den Kanzler auf ihrer Seite zu wähnen; oder ihn jedenfalls an die Erwartungen aus den eigenen Reihen erinnern zu wollen: „Wir vertrauen da auch auf die Fraktionsführung, auf den Bundeskanzler“, sagte der SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf am Donnerstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv mit Blick auf Unionsfraktionschef Jens Spahn und Merz. Man habe klare Signale, dass das Paket mit den vereinbarten Elementen wie Aktivrente, Haltelinie, Rentenniveau und Mütterrente auch so beschlossen werde.

Doch in der CDU/CSU-Fraktion brodelt es. Und damit sind nun wohl Spahn und Merz gefragt: Die Abgeordneten aus den eigenen Reihen an Bord holen oder den Koalitionspartner zum Nachjustieren bewegen. Und die Uhr tickt: „Wir wollen dieses Rentenpaket im November im Deutschen Bundestag endlich auf den Weg bringen, über die Ziellinie bringen“, stellte Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese Ende Oktober gegenüber RTL/ntv in Aussicht. Wo der Kanzler in dem Streit steht, könnte sich bereits am Samstag zeigen. Merz wird am Nachmittag auf dem Deutschlandtag der Jungen Union sprechen – mit anschließender Diskussion. (Eigene Recherche, dpa, Welt, ntv) (pav)

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