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Ringen um Ende des Ukraine-Kriegs: Medienbericht enthüllt, was Kiew für Frieden opfern könnte

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Der ukrainische Präsident verhandelt im Kanzleramt über das Ende des Krieges und macht dabei die größten Zugeständnisse seit dem russischen Überfall.

Berlin – Fünf Stunden hinter verschlossenen Türen, zermürbende Verhandlungen und ein ukrainischer Präsident, der den größten Kompromiss seit Kriegsbeginn anbietet: Im Berliner Kanzleramt ringen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trumps Gesandte um ein Ende des blutigsten Krieges in Europa seit Generationen. Was dabei herauskam, könnte die Weichen für Frieden stellen – oder die Ukraine teuer zu stehen kommen.

Die USA und die Ukraine verhandeln, Deutschland spielt Gastgeber: Friedrich Merz (r.) sieht zu, wie sich Wolodymyr Selenskyj (M.) und Steve Witkoff (3.v.r.) begrüßen.

Der Paukenschlag kam bereits vor den Gesprächen: Selenskyj erklärte erstmals offiziell, auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichten zu können. „Sicherheitsgarantien der USA sowie europäischer und anderer Partner anstelle einer NATO-Mitgliedschaft seien ein Kompromiss“, sagte der ukrainische Präsident in einem WhatsApp-Chat mit der Presse. Für ein Land, das den NATO-Beitritt in seiner Verfassung verankert hat, ist das ein dramatischer Kurswechsel. „Von Anfang an war es der Wunsch der Ukraine, der NATO beizutreten, denn das sind echte Sicherheitsgarantien“, räumte Selenskyj ein. Doch die Realität zwinge zum Umdenken: „Das ist bereits ein Kompromiss unsererseits.“

Ende des Ukraine-Kriegs: Drei Szenarien stehen im Raum

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner verhandelten am Sonntag über fünf Stunden mit der ukrainischen Delegation. Witkoff bestätigte anschließend, dass „große Fortschritte“ erzielt worden seien. Die Gespräche sollen heute fortgesetzt werden.

Die in den Gesprächen diskutierte Waffenruhe würde den Status quo an der Front festschreiben – ein für die Ukraine schmerzhafter Kompromiss. Rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets blieben unter russischer Kontrolle, darunter strategisch wichtige Industrieregionen im Donbass. Dabei soll die Waffenruhe als erster Schritt zu umfassenderen Friedensverhandlungen dienen. Unklar bleibt jedoch, wie eine solche Feuerpause überwacht und durchgesetzt werden könnte, zumal frühere Versuche, einen Waffenstillstand durchzusetzen, regelmäßig gescheitert sind.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Ist ein Ende des Ukraine-Kriegs möglich? Selenskyj fordert symmetrischen Truppenrückzug

Die Gebietsfrage bleibt der heikelste Punkt der Verhandlungen. Wie UNIAN berichtet, diskutiert Selenskyj drei mögliche Szenarien: Eine Pufferzone entlang der aktuellen Frontlinie, eine entmilitarisierte Wirtschaftszone mit nur polizeilicher Präsenz oder einen beiderseitigen Truppenrückzug.

Besonders brisant ist Selenskyjs Forderung nach Symmetrie: „Wenn sich ukrainische Streitkräfte fünf bis zehn Kilometer zurückziehen, warum sollten sich russische Streitkräfte nicht auch die gleiche Entfernung tiefer in die besetzten Gebiete zurückziehen?“

Ukraine-Krieg vor dem Ende? Schutz für die Ukraine wie in NATO-Artikel 5 ohne Beitritt?

Diese Bedingung macht eine russische Zustimmung unwahrscheinlich, da Moskau die vollständige Kontrolle über die beanspruchten Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson fordert. So verlangt Russland zudem den Abzug ukrainischer Truppen auch aus jenen Teilen des Donbass, die bisher nicht erobert werden konnten – eine Forderung, die Kiew kategorisch ablehnt.

Die Verhandlungen kreisen um einen heiklen Kompromiss bei den Sicherheitsgarantien: Schutz wie in Artikel 5 der NATO, aber ohne die rechtliche Bindung des Bündnisartikels. „Das ist die schmale Brücke, die alle zu überqueren versuchen“, erklärt ein hochrangiger westlicher Beamter gegenüber der Kyiv Post. Das Dilemma zeigt die unterschiedlichen Interessen der Akteure: „Die Ukraine will Gewissheit. Die USA wollen Handlungsfreiheit. Und Russland will ein Vetorecht über beide“. Während Kiew bindende Zusagen für militärischen Beistand im Angriffsfall fordert, wollen die USA sich nicht automatisch zu einem Kriegseintritt verpflichten. Moskau hingegen besteht darauf, jegliche westliche Sicherheitsarchitektur für die Ukraine blockieren zu können. Dieser Dreiklang widersprüchlicher Forderungen macht deutlich, warum die Gespräche so zäh verlaufen.

Militärische Lage im Ukraine-Krieg: Dramatische Situation an der Front in der Ukraine

Während in Berlin verhandelt wird, verschlechtert sich die militärische Lage für die Ukraine dramatisch. Um die strategisch wichtige Bergarbeiterstadt Pokrowsk toben weiterhin schwere Kämpfe – obwohl Russland die Einnahme behauptet, kontrollieren ukrainische Truppen noch den nördlichen Teil der Stadt. Auch in anderen Frontabschnitten geraten ukrainische Einheiten unter Druck.

Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt am Montag (15. Dezember 2025) Selenskyj zu Wirtschaftsgesprächen und einem Austausch über den Friedensprozess. Dabei wird auch über die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte verhandelt. Die EU will diese Gelder für die Ukraine einsetzen – ein Plan, der auf Widerstand aus Washington stößt. Am Abend werden weitere europäische Staats- und Regierungschefs in Berlin erwartet, darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer. Europa versucht, seinen Einfluss in den Friedensverhandlungen geltend zu machen, nachdem es seit Trumps Amtsantritt weitgehend eine Zuschauerrolle eingenommen hatte. (Quellen: DPA, Unian, Kyiv Post) (cgsc)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Handout Bundesregierung/Guido Bergmann/dts Nachrichtenagentur

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