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Der neue britische Premierminister Rishi Sunak schwänzt die UN-Klimakonferenz COP27 und zieht damit Ärger auf sich. Wie begründet er das Fernbleiben?
London – Der neue Premierminister Rishi Sunak hat erklärt, dem UN-Klimagipfel (COP27) in Ägypten fernzubleiben. Länder weltweit reagierten verärgert auf die Entscheidung des britischen Regierungschefs, die Fragen nach der Ernsthaftigkeit Großbritanniens in der Bekämpfung der Klimakrise aufwirft. COP-Präsident Alok Sharma etwa nannte Sunaks Absage „enttäuschend“. Umweltverbände, Opposition und auch Teile der Tories hatten vor einem Ansehensverlust Großbritanniens gewarnt, zu Recht: Der Ärger über Sunak ist groß.
Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak zieht mit Fernbleiben von COP27 Ärger auf sich
Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak wird ebenso wie König Charles III nicht auf dem UN-Klimagipfel COP27 erscheinen. Sunak zieht damit Unmut auf sich: Der Guardian berichtet von mehreren Entwicklungsländern, die der Zeitung ihre Verstimmung signalisiert haben sollen. Carlos Fuller, Belizes Botschafter bei der UNO, sagte der Zeitung: „Ich kann verstehen, dass man den König gebeten hat, nicht teilzunehmen, um ihn aus dem Geschehen herauszuhalten. Als wichtigster politischer Entscheidungsträger des Vereinigten Königreichs und als Präsident der COP26 hätte der Premierminister den Gipfel jedoch leiten müssen.“
Sunak hatte sein Fernbleiben unter anderem mit drängenden Wirtschaftsfragen in Großbritannien begründet. Der Sprecher des Parlaments der Malediven und ehemaliger Präsident, Mohamed Nasheed, sagte laut Guardian: „Es ist sehr besorgniserregend, dass das Vereinigte Königreich dachte, es gäbe etwas Wichtigeres als den Klimawandel. Man kann die Pfennige zählen, aber man kann die Pfunde verlieren.“ Kritischen Beobachtern erscheinen Sunaks erste Entscheidungen als weltpolitischer Fauxpas. Nach Boris Johnson und Liz Truss ist man auf der Insel in puncto diplomatische Fehltritte indes Leid erprobt. Apropos Boris Johnson: Der Ex-Premier erwägt seinerseits den Gipfel zu besuchen, zum Schrecken von Sunaks Beraterstab.
Rishi Sunak: Liz Truss Nachfolger begründet Fernbleiben von UN-Klimagipfel mit innenpolitischen Fragen
Rishi Sunak, Liz Truss Nachfolger in der Position des Premierministers, trifft mit der Absage der COP27 eine umstrittene Entscheidung. Sunak hatte in seiner Begründung auf „drängende innenpolitische Fragen“ verwiesen, wie unter anderem das RND berichtet. Wahr ist: Auf den neuen Premierminister warten innenpolitische Herkulesaufgaben. Kritische Beobachter bezweifeln, dass Sunak, der wirtschaftspolitisch rechts von Boris Johnson steht, mit einer erwartbaren Rückkehr zur Austerität wirklich Lösungen im Land anbieten kann.
Auf dem UN-Klimagipfel COP27 werden die Regierungschefs zahlreicher weiterer Länder erwartet. Der COP-Präsident und ehemalige britische Wirtschaftsminister Alok Sharma fürchtet, Großbritannien könne eine Führungsrolle in Klimafragen verspielen. Sharma, der im Kabinett von Rishi Sunak keine Berücksichtigung gefunden hat, äußerte laut der österreichischen Zeitung Der Standard: „Seine Teilnahme wäre ein Signal unseres Engagements gewesen.“ Beobachter befürchten, Sunaks Absage könnte ein Vorgeschmack auf seine zukünftige Zurückhaltung in Klimapolitischen Fragen sein.
Wofür steht Rishi Sunak klimapolitisch? Premierminister mit schlechter Bilanz beim Klimaschutz
Doch wofür steht Rishi Sunak tatsächlich klimapolitisch? Dem neuen Regierungschef wird eine Nähe zu Öl- und Gasfirmen nachgesagt, von denen er in Wahlkämpfen in der Vergangenheit nennenswerte Spendensummen erhielt. Labours Energiesprecher Edward Miliband sagte laut Standard: „Der Premierminister schlägt sich auf die Seite großer Öl- und Gasfirmen, nicht auf die Seite des Volkes.“ Insgesamt ist der neue Premier nicht für ein scharfes Profil im Kampf gegen den Klimawandel bekannt. Anders als seine Vorgängerin möchte Sunak immerhin am Fracking-Verbot in Großbritannien festhalten. In der Vergangenheit hatte er allerdings wiederholt gegen Maßnahmen zur Senkung der Emissionen gestimmt, Mittel für Energieeffizienzmaßnahmen gekürzt und überschaubare Begeisterung für saubere Energie gezeigt.
Tatsächlich wäre Sunak nicht der einzige politische Hochkaräter, der dem UN-Klimagipfel fernbleiben will: Auch Greta Thunberg hatte zuletzt erklärt, nicht zur COP27 anzureisen. Sie wirft den Regierungen der Welt Tatenlosigkeit vor. Inzwischen gibt es aus Tory-Kreisen indes Signale, dass Sunak es sich doch noch anders überlegen könnte. Bei BBC Breakfast öffnete Umweltminister Mark Spencer aus dem neuen Sunak-Kabinett zumindest eine Hintertür. Er sagte: „Ich bin mir sicher, dass er, wenn es sein Terminkalender zulässt, gerne dorthin reisen würde, aber im Moment weiß ich nicht, ob er die Zeit dazu haben wird.“
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