„Natürlich hat er verloren:“ DeSantis verfolgt neue Trump-Strategie
VonJudith Goetsch
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Ron DeSantis grenzt sich im Interview von Trumps Behauptungen zur US-Wahl 2020 ab. Kann er mit einer neuen Strategie punkten?
Washington, D.C. – Es sieht nicht gut aus für Ron DeSantis. In Umfragen ist Donald Trumps Herausforderer zurückgefallen. Laut der New York Times liegt Trump zurzeit bei 54, DeSantis bei 17 Prozent. Bisher hatte seine Strategie, Trump als ultrakonservativen Kandidaten zu übertreffen, weniger Erfolg. Aktuell steht die DeSantis-Regierung in Florida auch wegen eines Lehrplans für Schulen in der Kritik, der die Sklaverei in den USA verharmlost.
DeSantis extreme Positionen schaden offenbar seinem Wahlkampf. Kürzlich hatte der Hotelier Robert Bigelow, einer der größten Geldgeber von DeSantis Kampagne, den Geldhahn zunächst zugedreht, wie Vanity Fair berichtet. DeSantis müsse auch die gemäßigten Wähler im Auge behalten. In seinem ersten Interview seit Bekanntgabe seiner Kandidatur bezieht der Gouverneur Floridas gegenüber dem Sender NBC nun Stellung zur US-Wahl 2020.
US-Wahl 2020: DeSantis grenzt sich von Trump ab
„Wer auch immer am 20. Januar alle vier Jahre seine Hand auf die Bibel legt, ist der Gewinner“, versuchte DeSantis die Frage der NBC News-Korrespondentin Dasha Burns nach Trumps Niederlage zunächst zu umschiffen. Auf wiederholtes Nachhaken reagierte er dann aber mit klaren Worten: „Natürlich hat er [Trump] verloren. Biden ist Präsident.“ Bereits bei einer Parteiveranstaltung der Republikaner Ende Juli in Iowa hatte DeSantis gesagt, dass die von Trump verbreiteten Theorien über Wahlbetrug sich nicht bewahrheitet hätten.
Trump hatte im Anschluss an seine Wahlniederlage von einer gestohlenen Wahl gesprochen und versucht, gegen das Ergebnis vorzugehen. Unter anderem wegen versuchter Wahlfälschung in Bezug auf den Sturm aufs Kapitol seiner Anhänger:innen muss sich der ehemalige US-Präsident jetzt vor Gericht verantworten.
DeSantis kritisiert Fokus auf Trump
Mit seiner Aussage wendet sich DeSantis jetzt zwar gegen das beliebte republikanische Narrativ der gestohlenen Wahl von 2020, kritisiert die Niederlage aber aus einer anderen Perspektive. „Ich glaube nicht, dass es eine gut gelaufene Wahl war“, sagte er. „Aber ich denke auch, dass die Republikaner nicht zurückgeschlagen haben. Wenn so etwas passiert, muss man sich wehren.“
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern
Große Fehler im Vorfeld der Wahl sieht DeSantis bei Trump und seiner Corona-Politik. Trump habe die Regierungsarbeit Anthony Fauci, dem führenden US-Immunologen, überlassen. In Reaktion auf Covid-19 unterzeichnete laut NBC Trump das CARE-Gesetz, ein 2,2 Milliarden schweres Konjunktur-Programm. Etwa 400 Milliarden Dollar daraus konnten die Bundesstaaten für Wahlverwaltung nutzen. Viele bauten ihr Briefwahlsystem aus, berichtet NBC. Die meisten Briefwähler:innen in den USA unterstützen die demokratische Partei. So hätte Trump indirekt den politischen Gegner unterstützt, klagt DeSantis.
DeSantis inszeniert sich als gemäßigte Alternative zu Trump
DeSantis ist überzeugt, dass es bei der Wahl nicht um Trump und seine Skandale gehen dürfe. „Wenn die Wahl ein Referendum über den 6. Januar 2021 oder Mar-a-Lago wird, werden wir verlieren“, sagte er. Im Gegensatz zu Trump stellt sich DeSantis so als die verlässlichere Alternative dar, die langfristig besser für den Erfolg der Partei sei. Ob DeSantis bei dieser Strategie bleibt und eigene Kontroversen so abwiegeln kann, werden die Monate bis zur Wahl zeigen.