VonAnika Zuschkeschließen
Enge Vertraute wenden sich ab: Ein russischer Oligarch hat Putins Ukraine-Krieg scharf kritisiert – und sich strafbar gemacht. Ein Regimewechsel ist dennoch fern.
Moskau – Der russische Oligarch Oleg Deripaska hat sich mit deutlichen Worten gegen Wladimir Putin und den von ihm initiierten Ukraine-Krieg gewandt. Das als solches ist schon bemerkenswert, denn Kritik an dem Angriffskrieg gilt aus kremlnahen Oligarchenzirkeln als selten – und kann extrem hart bestraft werden. Dennoch warnt der Gründer des Aluminiumkonzerns „Rusal“ vor einer Zerstörung der Ukraine und bezeichnet dies als „kolossalen Fehler“.
Russischer Oligarch kritisiert Putins Ukraine-Krieg: „Die Ukraine zu zerstören, wäre ein kolossaler Fehler“
Am Dienstag, 28. Juni 2022, äußerte der als enger Vertrauter Putins geltende Oligarch bei einer Pressekonferenz in Moskau: „Ist es in Russlands Interesse, die Ukraine zu zerstören? Natürlich nicht, das wäre ein kolossaler Fehler.“ In dem Zuge bezeichnete Deripaska die Militäroffensive von Putin zudem als „Krieg“ – was in Russland streng verboten ist.
Seit einer Gesetzesänderung im März 2022 drohen bis zu 15 Jahre Haft, sollte man vermeintliche „Falschnachrichten“ über die „militärische Operation“ in der Ukraine verbreiten. Zudem ist es verboten, den Krieg auch nur zu kritisieren – Deripaska machte sich mit seinen Aussagen also gleich doppelt strafbar.
Ukraine-Krieg: Oligarch bemängelt Putins Umgang mit Sanktionen
Außerdem kritisierte der Oligarch die russische Reaktion auf Sanktionen, die von den westlichen Staaten verhängt wurden. Auf der ganzen Welt haben führende Politiker Strafmaßnahmen gegen Putin und sein Land beschlossen, um der Ukraine unter die Arme zu greifen. Die russischen Behörden hätten hingegen „120 Tage nach Beginn des Konflikts immer noch keine notwendigen Entscheidungen getroffen“, um die Folgen dieser Sanktionen abzumildern, bemängelt Oligarch Deripaska laut der Nachrichtenagentur RBC.
Die Strafmaßnahmen seien für Russland „natürlich schmerzhafter“ als für den Westen, führt der Konzern-Gründer aus und widerspricht damit mutig dem Standpunkt seines Präsidenten, der immer wieder versicherte, dass die Sanktionen Russland nichts anhaben könnten und für den Westen schärfere Folgen hätten.
Zahlreiche Oligarchen leiden unter Sanktionen aus dem Westen – auch Oleg Deripaska
Zahlreiche Oligarchen waren von den Sanktionen aus dem Westen betroffen. Luxus-Yachten wie die „Luna“ wurden im Hamburger Hafen eingefroren – eine Oligarchen-Superyacht kommt nun sogar unter den Hammer. Viele Oligarchen können seit der Invasion Russlands nicht mehr nach Belieben ins Ausland fliegen und auch ihr Zugriff auf das eigene Vermögen hat sich teilweise erschwert. Der Superreiche Michail Fridman beschwerte sich in dem Zuge sogar über sein nur noch „schmales“ Taschengeld von 3000 Euro.
Oleg Deripaska steht ebenfalls auf der Sanktionsliste der EU. Laut dem „Forbes“-Magazin beläuft sich das Vermögen des Oligarchen im Jahr 2022 auf 1,7 Milliarden Dollar – im Vorjahr sind es wohl noch 3,8 Milliarden Dollar gewesen. Dennoch lenkte Deripaska ein, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft zwar hart träfen, doch Russland sich überraschend gut an die Lage angepasst habe, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Politische Lage in Russland sei trotzdem stabil – Putin bleibt wohl vorerst, wo er ist
Auch die politische Lage bezeichnete Deripaska laut Nachrichtenagentur RBC als stabil, es gebe in Russland „kein Potenzial für einen Regimewechsel“. Eine schlagkräftige Opposition habe sich längst „aus dem Leben des Landes zurückgezogen“ – oder wurde auf andere Weise außer Gefecht gesetzt. Russische Medien berichten außerdem darüber, dass Putin die „Emotionen der Russen kontrolliert“ und sie damit in Schach hält.
Trotzdem sind Exil-Russen sich sicher, dass der Putsch gegen Putin noch kommen wird – im Kreml wachse bereits die Unruhe. Und auch die Ehefrau eines inhaftierten Oppositionellen ist der Meinung, dass der Kreml-Chef mit dem Krieg sein „eigenes Todesurteil unterzeichnet“ habe.
