Angst in Putins Russland: „Irgendetwas stimmt nicht in unserem Königreich“
VonTadhg Nagel
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Die militärischen Rückschläge im Ukraine-Krieg sorgen in Russland für Unbehagen. Viele haben Angst und wünschen sich mehr Stärke von Putin.
Moskau – Wladimir Putin konnte seinen Bürgern lange Zeit erfolgreich suggerieren, dass alles in bester Ordnung sei. Zumindest oberflächlich gab es kaum Kritik am Ukraine-Krieg. Die russische Bevölkerung schien der Darstellung von Faschismus in der Ukraine und einer Befreiung durch Russland zu vertrauen und unterstützte ihren Führer. Trotz des großen Leids in der Bevölkerung und der vielen Soldaten, die nicht zurückkehrten, schien der Krieg gerechtfertigt zu sein. Zumindest gab es keine öffentliche Kritik.
Mittlerweile bricht das sorgfältig konstruierte Image Putins zusammen und damit seine Glaubwürdigkeit. Die Dauer des Krieges, die ständige Einberufung neuer Soldaten und nicht zuletzt der versuchte Putsch der Wagner-Gruppe haben ihre Spuren hinterlassen. Obwohl die Gegenoffensive der Ukraine bisher nicht entscheidend erfolgreich war, scheint der Krieg immer weiter in das von Russland besetzte Gebiet vorzudringen. Kaum hatte der Kreml begonnen, den Verlust der ukrainischen Gas- und Ölförderplattformen von Bojko zu verarbeiten, folgte der nächste Schlag: ein Raketenangriff auf die Schiffswerft S. Ordschonikidse auf der Krim, bei dem ein U-Boot und ein Landungsschiff der Schwarzmeerflotte schwer beschädigt wurden.
Unzufriedenheit unter Putins Leuten: Russen wollen „diese großen Dinge“ nicht länger ignorieren
Viele Russen beginnen nun zu hinterfragen, ob die Geschäfte im Land wirklich wie gewohnt laufen, wie die ukrainische Zeitung Kyiv Post berichtet. In einem Kommentar zu russischen Nachrichtenartikeln stellte eine Person die Frage, wie lange man „diese großen Dinge“ noch ignorieren wolle. Die Antwort: „Bis zum Ende. Nur weiß niemand, wessen Ende [das Russlands oder das der Ukraine] größer sein wird“, zeigt deutlich die wachsende Unzufriedenheit.
Allerdings scheint die Erzählung vom Faschismus in der Ukraine bisher ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Als eine Person sich fragte, ob es angesichts der 24 Toten bei dem Angriff auf die Schiffswerft nicht an der Zeit sei „diese Spezialoperation zu beenden“, wurde sie laut Kyiv Post zurückgewiesen. Ob die Person glaube, dass die Terroranschläge dann aufhören würden, war die Gegenfrage. Das wurde verneint, schließlich sei die Ukraine voll von „zombifizierten Faschisten“, die ausgelöscht werden müssten.
Angst vor Drohnen und westlichen Waffen: Russen befürchten „große Schande“ im Ukraine-Krieg
Obwohl dieses Narrativ tief verwurzelt zu sein scheint, kann es die aufkommende Skepsis nicht unterdrücken. Hinzu kommt, dass die Angst vor den Kriegsfolgen in Russland zunimmt. Obwohl die Kamikaze-Drohnen, die die Ukraine seit einiger Zeit Richtung Moskau schickt, bisher keinen großen Schaden angerichtet haben, bereiten sie den Menschen Unbehagen. Auch die technische Überlegenheit westlicher Waffensysteme bereitet den Russen Sorgen. „Und wenn sie diese F-16 oder 17 bekommen, was wird dann passieren? Es wird eine große Schande sein“, brachte eine Person das zum Ausdruck.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Teilweise schlägt die Stimmung in Zynismus um, so die Zeitung. Auf den Kommentar hin, ob die „spezielle Militäroperation“ in der Ukraine gegen das Volk oder das Regime gerichtet sei, wurde geschrieben: „Kein Unterschied. Die Leute wollen mehr Spektakel, denn das Brot wird jeden Tag teurer und das Spektakel ist immer noch kostenlos“. Nach einem Angriff Anfang dieser Woche fasste ein Beitrag das Gefühl so zusammen: „Irgendetwas stimmt nicht in unserem Königreich“.
Russen frustriert von Wladimir Putin – die Ukraine macht derweil weiter Druck
Die russische Bevölkerung ist zunehmend frustriert von Wladimir Putin und der Führung des Landes. Aussagen wie „Wann wird Moskau auf diese Angriffe reagieren? Werden alle auf der Bremse stehen?“ oder „Wir warten auf aktive Maßnahmen nach diesen Terroranschlägen“ zeigen deutlich, wie bewusst den Menschen ist, dass ihre Regierung hinter den eigenen Versprechungen zurückbleibt. Die Hoffnung auf einen Sieg bleibt dennoch bestehen. „Wann wird Russland die gesamte [ukrainische] Regierung und ihre Besucher, einschließlich Blinken und so weiter, vernichten“, fragte ein User.
Nicht in absehbarer Zeit, scheint es, denn während die Russen weiter auf eine Reaktion des Kremls warten, hat die Ukraine bereits weitere Angriffe angekündigt. Die Bewohner der Halbinsel Krim sollten sich auf weitere Überraschungen einstellen, so die Ankündigung aus Kiew. (tpn)
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Lukas Rogalla sorgfältig überprüft.