Polen und Litauen wollen Grenze gegen Belarus sichern: „Auf jegliches Szenario vorbereitet“
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Christian Stör
Robert Wagner
Franziska Schwarz
Russland soll ukrainische Drohnen erfolgreich abgeschossen haben. Der Vormarsch der Ukraine kommt langsamer voran als erhofft. Der News-Ticker zum Ukraine-Krieg.
Seltener Einblick: 8500 russische Fallschirmjäger laut deren Kommandeur bisher verwundet
Die verarbeiteten Informationen zum Ukraine-Krieg stammen von internationalen Medien und Nachrichtenagenturen, aber teils auch von den Kriegsparteien aus Russland und der Ukraine sowie deren Verbündeten. Einige Angaben lassen sich deshalb zum Teil nicht unabhängig überprüfen.
Update vom 3. August, 21.45 Uhr: Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich zu der Forderung der Ukraine nach deutschen Taurus-Marschflugkörpern geäußert. „Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass das jetzt gerade nicht unsere vorrangigste Priorität hat“, sagte Pistorius, wie die dpa berichtet. „Wir sind nicht die einzigen, die nicht liefern. Auch unsere amerikanischen Verbündeten liefern diese Marschflugkörper nicht. Unsere haben eine besondere Reichweite“, sagte er zur Begründung.
Die Ukraine fordert von Berlin Marschflugkörper vom Typ Taurus, um auch Stellungen der russischen Streitkräfte weit hinter der Frontlinie angreifen zu können. Berlin ist zurückhaltend, es gibt aber auch Stimmen innerhalb der Ampel-Koalition, die für eine Lieferung dieser Präzisionswaffen plädieren. Der FDP-Verteidigungsexperte Marcus Faber argumentiert, dass für eine Lieferung jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, da die Gegenoffensive der Ukraine ins Stocken geraten sei. Die Flugkörper könnten helfen, die Logistikketten der russischen Armee zu unterbrechen und somit deren Munitionsversorgung zu stören.
Nach Provokationen durch Belarus: Polen und Litauen sprechen sich ab
Update vom 3. August, 17.16 Uhr: Die Regierungschefs der Nachbarländer Polen und Litauen sind am Donnerstag (3. August) zu einem Treffen im polnischen Grenzort Suwałki zusammengekommen. „Die Anwesenheit von Wagner-Söldnern in Weißrussland stellt ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für Litauen und Polen sowie für die Nato-Verbündeten dar. Wir bleiben wachsam und sind auf jedes mögliche Szenario vorbereitet“, schrieb der litauische Präsident Nausėda auf Twitter.
Das Gespräch mit seinem polnischen Amtskollegen Mateusz Morawiecki sei produktiv gewesen. Dieser hatte am Vortag in einer Videobotschaft gesagt, dass „die Zusammenarbeit zwischen Polen und Litauen angesichts von Bedrohungen und Provokationen von entscheidender Bedeutung ist.“ Polen sei ständig von Provokationen und hybriden Angriffen durch belarussische und russische Geheimdienste bedroht.
Russischer Kommandeur gibt seltenen Einblick – 8500 Fallschirmjäger bisher verwundet
Update vom 3. August, 14.15 Uhr: Ein hochrangiger Offizier hat einen seltenen Einblick in die Kriegsbilanz Russlands gegeben. Demnach sind bisher mindestens 8500 Fallschirmjäger im Ukraine-Krieg verwundet worden. Michail Teplinski, Kommandeur der russischen Luftlandetruppen, machte in einer Videobotschaft vom Mittwoch (2. August) Angaben, aus denen diese Zahl hervorgheht. „Mehr als 5000 verwundete Fallschirmjäger kehrten nach der Behandlung an die Front zurück und mehr als 3500 unserer Verwundeten weigerten sich, die Frontlinie zu verlassen“, sagte er laut der Moscow Times. Das Video entstand anlässlich des „Tages der Fallschirmjäger“ und wurde von einem vom Verteidigungsministerium betriebenen Fernsehsender veröffentlicht.
Wenige Stunden später wurde das Filmmaterial allerdings aus nicht genannten Gründen sowohl von der Internetseite als auch vom Telegram-Kanal des Senders entfernt. Die unabhängige investigative Nachrichtenagentur Agentstvo spekulierte, dass das Material entfernt wurde, weil es „Informationen enthielt, die das Verteidigungsministerium nicht veröffentlicht haben wollte“.
Russland nimmt Cherson unter Beschuss: Kathedrale getroffen
Update vom 3. August, 12.15 Uhr: Russland hat zum wiederholten Mal Cherson im Süden der Ukraine unter Beschuss genommen. Dabei wurde die St.-Katharinen-Kathedrale im Zentrum der Stadt getroffen - und zwar gleich zweimal. Als Rettungskräfte dabei waren, das nach der ersten Attacke in der Kirche entstandene Feuer zu löschen, wurde die Kathedrale erneut angegriffen. Vier Mitarbeiter des Katastrophenschutzes wurden dabei verletzt.
Update vom 3. August, 10.40 Uhr: Russland hat eigenen Angaben zufolge sechs ukrainische Drohnen in der Region Kaluga abgeschossen. Das Verteidigungsministerium erklärte, es habe „einen terroristischen Angriff des Kiewer Regimes mit Drohnen“ vereitelt. In der Nacht auf Donnerstag seien die Drohnen „mit Hilfe von Flugabwehrsystemen“ abgeschossen worden, erklärte der Regionalgouverneur Wjatscheslaw Schapscha auf Telegram. Es habe weder Verletzte noch Schäden gegeben.
Update vom 3. August, 8.20 Uhr: Die US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“ (ISW) schreibt in ihrem aktuellen Bericht, dass Moskau eventuell Militärblogger und andere Medien anweisen, über russische Militärprobleme zu schweigen. Das ISW weist auf Streitigkeiten unter den russischen Kriegsbefürwortern über die Berichterstattung über Rückschläge auf der von Russland besetzten Krim hin.
Kiew meldet 820. Luftalarm seit Kriegsbeginn
Update vom 3. August, 7.10 Uhr: Russland hat in der Nacht erneut Kamikaze-Drohnen auf Kiew abgefeuert. „Wie gestern war es ein massiver Angriff“, berichtete Verwaltungschef Serhij Popko. Der Luftalarm dauerte drei Stunden. Über Opfer oder Schäden ist bisher nichts bekannt. Popko wies darauf hin, dass dies der 820. Luftalarm für Kiew seit Beginn der russischen Invasion im Februar gewesen sei.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Minen halten Ukraine auf: Russische Truppen verschanzen sich
Update vom 3. August, 5.30 Uhr: Die russischen Truppen sind nach ukrainischen Angaben nicht auf dem Vormarsch, sondern haben sich in den von ihnen kontrollierten Gebieten verschanzt und diese vermint. „Der Feind hat sich sehr gründlich auf diese Ereignisse vorbereitet“, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Oleksij Danilow, im staatlichen Fernsehen. „Die Zahl der Minen auf dem Gebiet, das unsere Truppen zurückerobert haben, ist völlig verrückt. Im Durchschnitt gibt es drei, vier, fünf Minen pro Quadratmeter.“
Das mache es den ukrainischen Truppen schwer, nach Osten und Süden vorzudringen. Der Vormarsch sei langsamer als erhofft, aber man könne nichts überstürzen, weil Menschenleben auf dem Spiel stünden. „Niemand kann uns Fristen setzen, außer wir selbst ... Es gibt keinen festen Zeitplan“, sagt er. „Ich habe nie das Wort Gegenoffensive benutzt. Es gibt militärische Operationen, und die sind komplex, schwierig und hängen von vielen Faktoren ab.“
Update vom 3. August, 4.55 Uhr: Das ukrainische Militär warnt vor möglichen Drohnenangriffen auf die Hauptstadt Kiew. Die Luftabwehreinheiten rund um die Stadt seien im Einsatz. In der östlichen Hälfte des Landes herrscht Luftalarm.
„Massenhaft“ russische Soldaten im Ukraine-Krieg vergiftet?
Update vom 2. August, 21.10 Uhr: Offenbar haben proukrainische Aktivisten im russisch besetzten Mariupol gezielt russische Offiziere vergiftet. Das berichtet der Sender Sky News. Laut der Angaben von Petro Andryushchenko, ein Berater des ukrainischen Bürgermeisters der Stadt, seien 17 russische Soldaten in ernstem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden. Zwei von ihnen seien bereits gestorben.
Es wird angenommen, dass die Männer mit Zyanid und Pestiziden vergiftet wurden, die in Lebensmitteln versteckt waren. Womöglich handelt es sich um Anschläge der sogenannten „Y-Gruppe“, einer Gruppe des ukrainischen Widerstands in Mariupol. Andryushchenko sagte, die Soldaten seien „massenhaft“ auf einem russischen Militärstützpunkt in der Stadt vergiftet worden, als sie am Sonntag den Tag der russischen Marine feierten.
Putin soll Erdoğan in der Türkei treffen
Update vom 2. August, 16.00 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin soll bald in die Türkei reisen und dort seinen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan treffen. Das berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı. Die beiden hätten heute telefoniert und über das ausgelaufene Getreideabkommen diskutiert, heißt es. Erdoğan betonte die Wichtigkeit des Abkommens, Lebensmittelpreise gering zu halten und sprach von einer „Brücke des Friedens“. Laut Kreml erklärte Putin, er sei bereit, das Abkommen wiederherzustellen, sobald der Westen „alle Verpflichtungen gegenüber Russland“ erfülle. Erdoğan sieht sich im Ukraine-Krieg in einer Vermittlerrolle.
Laut Ukraine: Angeblich Hunderte russische Soldaten bei Himars-Angriff getötet
Update vom 2. August, 14.23 Uhr: Laut ukrainischen Angaben haben die ukrainischen Streitkräfte Hunderte russische Soldaten mit einem Angriff getötet. Der Angriff galt demnach einem russischen Trainingslager auf der Insel Dscharylhatsch, die zur Region Cherson gehört. Er soll mit Himars-Mehrfachraketenwerfern erfolgt sein. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.
Die Angaben stammen vom Nationalen Widerstandszentrum Kiews, das auf Facebook dazu von einer Drohne gefilmtes Filmmaterial zeigte. Hier der besagte Video-Post. Die Echtheit des Materials ließ sich zunächst ebenfalls nicht verifizieren. Wie die Kyiv Post erfahren haben will, sei der Angriff auf Grundlage von Informationen erfolgt, die Widerständler gegen die russischen Besatzer lieferten. Weiter schrieb sie, dass in ukrainischen Medien die Zahl von 200 russischen Todesopfern kursierte. Das Widerstandszentrum (Center of National Resistance of Ukraine) wurde im März 2022 gegründet.
Russland startet Militärmanöver „Ocean Shield 2023“ in der Ostsee
Update vom 2. August, 13.04 Uhr: Russland hat am Mittwoch (2. August) den Start von Militärübungen in der Ostsee verkündet. Das Manöver „Ocean Shield 2023“ sei unter Beteiligung von mehr als 30 Kampf- und anderen Schiffen, 20 Unterstützungsschiffen, 30 Flugzeugen und rund 6000 Militärangehörigen gestartet, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Das Ziel der Übungen sei die Überprüfung der „Fähigkeit der Militärflotte, Russlands nationale Interessen zu verteidigen“.
Das Manöver findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit europäischen Ländern hinsichtlich des Konflikts in der Ukraine statt. Die Ostsee ist hauptsächlich von Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses Nato umringt, das Moskau als existentielle Bedrohung ansieht.
Bericht: USA erwarten Gegenoffensive bis zum Herbst
Update vom 2. August, 11.53 Uhr: Die USA gehen davon, dass die Gegenoffensive der Ukraine vielleicht bis zum Winter, aber mindestens bis zum Herbst andauern wird. Das berichtete Politico unter Berufung auf Pentagon-Beamte. Etwa 150.000 ukrainische Soldaten kämpften im Rahmen der Gegenoffensive aktuell in drei Richtungen, hieß es in dem Bericht weiter: Bachmut, Melitopol und Berdjansk. Dort erzielten sie „schrittweise Fortschritte“, würden jedoch auf „erbitterten Widerstand“ der Russen treffen.
Polen sieht gezielte Provokation Belarus‘ gegen die Nato
Update vom 2. August, 10.42 Uhr: „Das ist absolut gefährlich“: Das polnische Verteidigungsministerium stuft die Verletzung des Luftraums durch Hubschrauber aus Belarus als „gezielte Provokation“ gegen Polen und die Ostflanke der Nato ein. „Wenn solche Situationen vorkommen und eskalieren, wird unsere Reaktion dem Gefahrenpotenzial angemessen sein“, zitierte die Nachrichtenagentur PAP den Vizeverteidigungsminister Wojciech Skurkiewicz weiter.
Das belarussische Verteidigungsministerium in Minsk wies indes den Vorwurf der Luftraumverletzung zurück, wie die Staatsagentur Belta meldete. Polen ist besorgt wegen Aktivitäten der russischen Privatarmee Wagner im Nachbarland. „Wir haben gesagt, dass wir mit Provokationen rechnen, und das war eine kurzzeitige Provokation“, sagte Vizeinnenminister Maciej Wasik. Es habe in den vergangenen Jahren von Belarus aus schon mehrere provokative Zwischenfälle gegeben.
Polen verstärkt Truppen an Grenze zu Belarus nach Zwischenfall
Update vom 2. August, 9.54 Uhr: Die Grenze Polens zu Belarus ist etwa 400 Kilometer lang. Seit 2022 sind dort gut 186 Kilometer mit einem 5,5 Meter hohen Zaun versehen worden. Die polnische Regierung hat nun die Zahl ihrer Soldaten dort erhöht – zunächst wegen Truppenbewegungen von Wagner-Söldnern in Belarus, nun wegen zwei belarussischen Hubschraubern, die in Grenznähe trainiert hätten.
Polen befindet sich aktuell im Wahlkampfmodus, denn im Herbst wird in dem EU-Mitgliedstaat ein neues Parlament bestimmt. Vertreter der polnischen Armee sprachen angesichts der Wagner-Söldner in Belarus von einer russischen Propaganda-Aktion, die Unruhe stiften solle.
Russland baut im Ukraine-Krieg neue Kampfeinheiten auf
Update vom 2. August, 9.30 Uhr: Russland baut für Ukraine-Krieg in größerem Maßstab neue Kampfeinheiten auf. In den vergangenen zwei Monaten seien wahrscheinlich mehrere Formationen gebildet worden, schätzen britische Geheimdienste. Darunter auch die 25. Armee, teilte das britische Verteidigungsministerium nun mit.
Seit Kriegsbeginn habe Russland vor allem bestehende Einheiten mit mobilisierten Reservisten aufgefüllt und keine völlig neuen Truppenteile aufgestellt. „Eine Ausnahme war das im Sommer 2022 geschaffene 3. Armeekorps, das allgemein schlechte Leistungen zeigte“, hieß es.„Russland wird wahrscheinlich jede neue Formation als Reservetruppe in der Ukraine einsetzen. Längerfristig strebt Russland jedoch eine Stärkung seiner Streitkräfte gegenüber der Nato an.“
Das britische Verteidigungsministerium zeigte sich jedoch skeptisch: „Ohne eine große neue Welle einer verpflichtenden Mobilmachung wird Russland wahrscheinlich nicht genug neue Truppen finden, um auch nur eine neue Armee zu versorgen.“
Wagner-Söldner in Belarus beunruhigen im Ukraine-Krieg Polen
Erstmeldung: Kiew – Als die Wagner-Söldner von Jewgeni Prigoschin nach Belarus umsiedelten, schickte Warschau mehr Truppen an die Grenze. Nun war ein belarussischer Hubschrauber im polnischen Luftraum unterwegs – und Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak reagiert sofort.
Polen verstärkt Truppen an Grenze zu Belarus und informiert Nato
Polen wirft Belarus mit Machthaber Alexander Lukaschenko vor, in den polnischen Luftraum eingedrungen zu sein und hat daraufhin die Zahl der Soldaten an der Grenze zum Nachbarland erhöht. Zwei belarussische Hubschrauber hätten in der Nähe der Grenze trainiert, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP das Verteidigungsministerium.
Der Grenzübertritt habe am Dienstag (1. August) in der Gegend von Bialowieza in einer sehr geringen Höhe stattgefunden, sodass er von Radarsystemen nur schwer habe erfasst werden können. Verteidigungsminister Blaszczak habe außerdem angeordnet, zusätzliche Ressourcen – darunter Kampfhubschrauber – an der Grenze bereitzustellen. Polen habe die Nato über den Vorfall informiert.
China will im Ukraine-Krieg Drohnen-Exporte stärker kontrollieren
Unterdessen hat China Exportkontrollen für chinesische Drohnen und drohnenbezogene Ausrüstung angekündigt. Die Exportkontrollen, die auch bestimmte Drohnen für den Privatgebrauch betreffen sollen, würden am 1. September in Kraft treten, teilte das Pekinger Handelsministerium mit.
Zwar hieß es in der Mitteilung, die neuen Regeln richteten sich nicht gegen ein bestimmtes Land. Analysten vermuteten jedoch, dass China mit der Maßnahme auf Kritik reagieren könnte, wonach chinesische Drohnen von Russland in dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt würden. Peking hat Berichte zurückgewiesen, es liefere Moskau Material für den Krieg. (mit Material von Nachrichtenagenturen)