Militärausbilder in die Ukraine schicken: Macron plant Entsendung
VonRebecca Fulle
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Emmanuel Macron betont Frankreichs Unterstützung der Ukraine. Er möchte Militärausbilder in die Ukraine schicken, um die Streitkräfte zu stärken.
Berlin – Im Zentrum des Staatsbesuchs von Emmanuel Macron in Deutschland stehen nicht nur die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch der Krieg in der Ukraine. Macron, der Präsident Frankreichs, hat klare Positionen bezogen. Er möchte der Ukraine erlauben, mit westlichen Waffen auch russische Ziele anzugreifen. Zudem wird über die mögliche Entsendung französischer Militärausbilder in die Ukraine diskutiert.
Westliche Waffen gegen Ziele auf russischem Boden einsetzen: Klare Worte von Macron
Die Ukraine hat schon seit einiger Zeit gefordert, mit westlichen Waffen auch Ziele auf russischem Territorium angreifen zu dürfen. Trotz strenger Warnungen aus Moskau scheint Frankreich nun bereit, dies zu erlauben. Macron äußerte sich dazu während seines Besuchs auf Schloss Meseberg bei Berlin am Dienstag (28. Mai): „Wir denken, dass wir ihnen erlauben sollten, die Militärstandorte, von denen aus die Raketen abgefeuert werden, und im Grunde genommen die militärischen Standorte, von denen aus die Ukraine angegriffen wird, zu neutralisieren“. Er fügte jedoch hinzu: „Wir sollten nicht erlauben, andere Ziele in Russland zu treffen, zivile Kapazitäten natürlich oder andere militärische Ziele.“
Es ist das erste Mal, dass ein Staatschef eines führenden Nato-Staats den Einsatz westlicher Waffen gegen Stellungen in Russland so deutlich in der Öffentlichkeit befürwortet, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.
Emmanuel Macron (links) und Olaf Scholz auf Schloss Meseberg. Bei seinem Staatsbesuch macht der französische Präsident einige klare Ansagen zur Unterstützung der Ukraine.
Macron begründete seine Position mit der aktuellen Kriegssituation und präsentierte während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Olaf Scholz (SPD) eine Karte der Frontverläufe in der Ostukraine. „Ukrainischer Boden wird de facto von Stützpunkten aus angegriffen, die sich in Russland befinden. Wie erklärt man den Ukrainern, dass sie ihre Städte schützen müssen?“, fragte Macron. „Wenn man ihnen sagt: ‚Ihr dürft den Punkt, von dem aus die Raketen abgefeuert werden, nicht erreichen‘, dann sagt man ihnen im Grunde: ‚Wir liefern euch Waffen, aber ihr dürft euch nicht verteidigen.‘“ Macron betonte dabei, dass Frankreich keine weitere Eskalation wolle.
Bundeskanzler Scholz äußerte sich weniger klar als Macron zu der Frage, ließ aber durchblicken, dass er keine rechtlichen Einwände gegen ein solches Vorgehen hätte. Die Ukraine habe völkerrechtlich alle Möglichkeiten für das, was sie gegen die russischen Angreifer tue. „Sie ist angegriffen und darf sich verteidigen“, sagte der Kanzler.
Verteidigung der Ukraine gegen Russland bleibt im Rahmen des Völkerrechts
Für die Nutzung der von den USA, Frankreich oder Deutschland gelieferten Waffen gebe es Regelungen, „die besagen, dass das sich immer im Rahmen des Völkerrechts bewegen muss. Das ist das, was wir vereinbart haben, das hat bisher praktisch gut funktioniert und wird es auch sicher.“
Das Völkerrecht erlaubt es angegriffenen Staaten nach Ansicht von Experten, Aggressoren auch auf deren eigenem Territorium zu attackieren, um sich zu verteidigen. Woher die Waffen dafür stammen, ist dabei rechtlich gesehen nicht relevant.
„Ernste Folgen“: Putin droht Europa mit militärischen Gegenschlägen
Russlands Präsident Wladimir Putin drohte Europa mit „ernsten Folgen“, sollte die Ukraine die gelieferten westlichen Präzisionswaffen mit großer Reichweite künftig gegen russisches Staatsgebiet einsetzen dürfen. „Diese Vertreter der Nato, besonders in Europa und speziell in den kleinen Ländern, sollten sich darüber im Klaren sein, womit sie spielen“, sagte Putin am Dienstag (28. Mai). Er deutete die Möglichkeit militärischer Gegenschläge an.
Bisher nutzt Kiew für die Angriffe gegen Russland vor allem Drohnen und Raketen aus eigener Produktion. Bislang kann das russische Militär praktisch ungestört Einheiten hinter der Grenze für neue Angriffe auf ukrainisches Gebiet zusammenziehen oder von sicherer Stellung aus mit Flugzeugen grenznahe Städte wie Charkiw bombardieren.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses
Nach Darstellung Putins liefe eine solche Erlaubnis westlicher Staaten auf eine direkte Konfrontation Russlands mit dem Westen hinaus. Der 71-Jährige verwies in dem Zusammenhang einmal mehr auf die strategischen Atomwaffen Russlands. Schon mehrfach hat die russische Führung seit Beginn des Kriegs mit den Nuklearwaffen gedroht, um den Westen von einer stärkeren Unterstützung für die Ukraine abzuhalten.
Aber auch in einer anderen Frage wurde Frankreichs Präsident Macron recht deutlich, was die Unterstützung der Ukraine angeht. Denn derzeit steht auch im Raum, ob möglicherweise französische Militärausbilder in die Ukraine entsandt werden. Dazu möchte Macron nächste Woche einen Plan vorlegen – beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in der Normandie zum Gedenken an die Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg.
Militärausbilder in die Ukraine entsenden: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Plan vorstellen
Macron kündigte an, er werde sich zu diesem Zeitpunkt „sehr genau äußern, um anzukündigen, was wir tun werden“. Zuvor habe es zu den Militärausbildern eine „unkoordinierte und unglückliche Kommunikation“ gegeben, sagte Macron.
Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow hatte nämlich am Montagabend Aussagen des ukrainischen Oberbefehlshabers Olexander Syrskyj zurechtgerückt, wonach eine Mission französischer Ausbilder bereits beschlossene Sache sei. Die Unterlagen seien lediglich bereits im Voraus vorbereitet worden, um später keine Zeit zu verlieren.
Unterlagen im Voraus vorbereitet: Auch andere Nato-Länder könnten dem Beispiel Frankreichs folgen
Nicht ganz unbedeutsam ist außerdem, dass andere Nato-Länder dem Beispiel Frankreichs folgen könnten. Das Maß an Untersstützung für die Ukraine sorgt in vielen Ländern derzeit für Diskussionen.
Die von Russland angegriffene Ukraine verhandele noch mit Frankreich und anderen Ländern über das Entsenden ausländischer Militärausbilder in ihr Land. Kiew schlage seit Februar vor, ukrainische Soldaten nicht mehr zum Training ins Ausland zu schicken, sondern im eigenen Land ausbilden zu lassen. Das teilte das ukrainische Verteidigungsministerium laut dpa-Meldung mit.
Ukrainische Soldaten im eigenen Land ausbilden anstatt im Ausland
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als zwei Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg. Zuletzt wurde immer wieder auch über die mögliche Entsendung westlicher Militärausbilder in das Kriegsgebiet diskutiert, um die unter Druck geratene ukrainische Armee effektiver zu unterstützen. Offiziell gibt es solche Ausbildungsprogramme bislang nicht.
Bereits im Februar hatte Macron das Entsenden von Bodentruppen in die Ukraine ins Spiel gebracht, das er nicht ausschließen wollte, und damit eine lebhafte Debatte unter den westlichen Verbündeten des Landes ausgelöst. Später hatte er konkretisiert, dass damit keine Kampftruppen gemeint seien. Scholz hatte einem solchen Schritt eine klare Absage erteilt.
Schon seit längerem werden ukrainische Soldatinnen und Soldaten auch in Frankreich und in anderen europäischen Ländern ausgebildet. (Rebecca Fulle mit dpa)