Putsch in Moskau

„Stunde der Wahrheit“ für Putin: Kann Prigoschin Russlands Armee besiegen? 

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Putins Schicksal hängt „an einem seidenen Wagner-Faden“ – ein Verteidigungswall um Moskau könnte seine klügste und letzte Entscheidung sein.

Moskau – Andrij Melnyk, der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland und nun Vize-Außenminister seines Landes, sagt gegenüber dem Nachrichtensender ntv, für Russland sei jetzt „die Stunde der Wahrheit“ gekommen. „Die Gewaltherrschaft Putins und sein Schicksal hängen an einem seidenen Wagner-Faden“, so Melnyk. 

Wagner-Putsch in Russland: So gefährlich ist die Lage für Wladimir Putin

Nach seiner Einschätzung ist die Entmachtung des russischen Präsidenten Wladimir Putin nur noch eine Frage der Zeit. „Mit dem Wagner-Putsch wurde der Rubikon überschritten und eine neue Ära von Machtverfall und Instabilität in Russland eingeläutet“, sagte er gegenüber dem Nachrichtenportal t-online

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Putsch in Russland: Prigoschins Aufstand eine „durchdachte und geplante Operation“

Auch der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sieht einen Staatsumsturz auf den Kreml zukommen. „Es ist offensichtlich, dass es sich um eine gut durchdachte und geplante Operation handelt, deren Ziel es ist, die Macht im Lande zu übernehmen“, sagte er nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Die Aktionen passten demnach „voll und ganz in das Schema eines gut durchdachten und orchestrierten Staatsumsturzes“, so der frühere russische Staatschef.

Medwedew schließt auch nicht aus, dass frühere Mitglieder von Eliteeinheiten des russischen Militärs beteiligt sein könnten – oder auch ausländische Spezialkräfte. Das zeige das hohe Niveau der Vorbereitung und die kontrollierten Truppenbewegungen. Den Chef der privaten Wagner-Armee, Jewgeni Prigoschin, nannte Medwedew jedoch nicht namentlich.

Putsch gegen Putin: Wagner-Chef Prigoschin marschiert Richtung Moskau

Zwar könne es Putin gelingen, den Aufstand blutig niederzuschlagen und „halbwegs Ordnung wieder herzustellen“, doch das werde den Kreml „nicht vor dem sich anbahnenden inneren Chaos bewahren“, so Melnyk. „Der totale Zusammenbruch des bankrotten Putin-Regimes ist nur eine Frage der Zeit.“ Die Wagner-Rebellion sei „eine wahre Götterdämmerung“ für Putin und sein Regime, sagte Melnyk zudem gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)

„Um seinen Sturz zu verzögern, könnte man dem Kremlherrn nur eins empfehlen: alle russischen Truppen aus der Ukraine sofort abzuziehen, um einen Verteidigungswall um Moskau herum gegen die Wagner-Söldner zu errichten. Das wäre wohl die klügste – letzte – Entscheidung Putins“, so Melnyk gegenüber ntv. Der Prigoschin-Aufstand, und zwar egal, wie er ausgehe, sei im andauernden Ukraine-Krieg zudem eine „einmalige Chance für die ukrainische Armee, unsere Gegenoffensive mit neuem Elan voranzutreiben“.

Prigoschin gegen Putin: Kreml könnte Aufstand blutig niederschlagen – seinen Sturz jedoch nur verzögern

Neuen Elan im Zuge des Putsches in Russlands könnte auch der Aufruf des Ex-Oligarchen Michail Chodorkowski bewirken. Der hat nun ebenfalls zum bewaffneten Widerstand gegen den Kreml aufgerufen. Via Telegram erklärte er, dass das aktuelle Chaos genutzt werden müsse. Es brauche dafür jetzt bewaffnete Männer: „Wenn Ihr Euch zutraut, in Zukunft die bewaffneten Leute zu werden, die sich Putin oder Prigoschin entgegenstellen, dann ist es an der Zeit, Euch zu bewaffnen!“

Aus Moskau soll zuletzt von mehreren Evakuierungen berichtet worden sein. Laut BBC wurden daher das Puschkin-Museum, die Tretjakow-Galerie und das GES-2-Museum evakuiert, ebenso zwei Einkaufszentren. (na/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Kirill Zykov/IMAGO

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