Spionage oder Sabotage befürchtet

Verdächtiges Schiff aus Russland vor belgischer Küste gesichtet: „Wir müssen wachsam sein“

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Die belgische Marine hat vor der Küste ein verdächtiges russisches Schiff gesichtet. Die Regierung will Schutzmaßnahmen ergreifen.

Brüssel - Verdacht auf russische Spionage in der Nordsee: Belgiens Justiz- und Nordseeminister Vincent Van Quickenborne bestätigte am Mittwoch, dass die belgische Marine im November vor der Küste ein verdächtiges russisches Schiff gesichtet habe. „Das ist beunruhigend, denn wir kennen das Sabotagerisiko nach den Vorkommnissen um Nord Stream“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die Explosionen an den Gaspipelines im September.

Es handle sich bei dem gesichteten Schiff offenbar um dasselbe, das die Niederlande zuvor in eigenen Gewässern entdeckt hatten, gab der Minister an. „Wir müssen wachsam sein“, sagte Van Quickenborne. Das Schiff habe sein obligatorisches AIS-Funkgerät ausgeschaltet gehabt, das es den Behörden ermöglicht, Schiffe zu identifizieren und zu orten.

Belgischer Justizminister Vincent Van Quickenborne berichtet von verdächtigem russischen Schiff in der Nordsee

Spionageverdacht: Russisches Schiff vor belgischer Küste gesichtet

Auch wenn die Motive der Besatzung nicht bekannt seien, sei die Regierung in Brüssel „nicht naiv“. Die Fahrt des Schiffes müsse „zweifellos im weiteren Kontext des Ukraine-Kriegs betrachtet werden.“ Besondere Wachsamkeit sei gefragt, wenn sich das Schiff „nahe unserer Windparks, Unterwasserpipelines und -datenkabel sowie anderer kritischer Infrastruktur verdächtig verhält“, sagte Van Quickenborne. Dem Minister zufolge arbeiten die belgischen Schifffahrtsbehörden eng mit anderen Nordseeanrainern zusammen, um die Sicherheit zu erhöhen.

„Wir haben beschlossen, mehrere Millionen Euro in den Kauf von Software zu investieren, um solche Aktivitäten besser verfolgen zu können“, so Van Quickeborne. Zudem habe die Regierung es gesetzlich ermöglicht, Offshore-Windräder mit Kameras auszustatten. In Fällen von Sabotage oder Spionage sei es außerdem grundsätzlich möglich, ein Schiff zu beschlagnahmen.

Nato und EU ergreifen Schutzmaßnahmen gegen mögliche russische Spionage

Eine Reihe von Unterwasserexplosionen hatte im September Teile der Nordstream-Pipelines zur geplanten Lieferung von russischem Erdgas nach Deutschland zerstört. Nach Angaben der deutschen Generalbundesanwaltschaft brachten die Ermittlungen bisher keine Beweise, dass Russland dahinter steckt. Moskau selbst wirft dem Westen Sabotage an den Pipelines vor und fordert eine unabhängige Untersuchung.

EU und Nato wollen Europas wichtige Infrastruktur stärker schützen. Dafür gründeten sie im Januar eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Eine eigens eingerichtete Koordinierungsstelle im Nato Hauptquartier in Brüssel soll der deutsche Generalleutnant außer Dienst, Hans-Werner Wiermann, leiten. (leo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Belga / IMAGO/Westend61

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