VonPatrick Mayerschließen
Moskau vermeldet den erfolgreichen Test einer ballistischen Bulawa-Rakete, die mit nuklearen Sprengköpfen aufgerüstet werden kann. Abgefeuert wurde sie demnach aus einem Atom-U-Boot der Marine.
Moskau – Russland hat vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs eine ballistische Interkontinental-Rakete vom Typ „Bulawa“ getestet. Das teilte am Sonntag (5. November) das Verteidigungsministerium in Moskau mit.
Russland: Atom-U-Boot „Imperator Alexander III“ verschießt „Bulawa“-Rakete
Die „Bulawa“ (Russisch für „Streitkolben“) kann mit nuklearen Gefechtssprengköpfen ausgestattet werden. Den Angaben der russischen Marine zufolge feuerte das Atom-U-Boot „Imperator Alexander III“ die Rakete im Weißen Meer ab, das zwischen den russischen Regionen Murmansk und Archangelsk im äußerten Nordwesten des riesigen Landes liegt.
Die Rakete traf demnach ein nicht näher beschriebenes Ziel in der Oblast Kamtschatka im äußersten Osten und asiatischen Teil der Russischen Föderation. Brisant: Das Weiße Meer ist von seinem Westufer stellenweise nur rund 230 Kilometer von der Grenze von Finnland entfernt, das im April offiziell Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato geworden ist.
Im Weißen Meer: Russland testet ballistische Interkontinental-Rakete „Bulawa“
Die „Bulawa“ hat unbestätigten Berichten zufolge eine Reichweite von geschätzt 8000 bis 9000 Kilometern. Die Oblast Kamatschka liegt vom Weißen Meer rund 5.500 Kilometer entfernt. Die Interkontinent-Rakete kann mit sogenannten MIRV-Mehrfach-Gefechtsköpfen aufgerüstet werden und somit theoretisch mehrere Ziele gleichzeitig angreifen.
Die U-Boot-gestützte ballistische Rakete wurde seit 1998 entwickelt und 2018 bei der russischen Marine in Dienst gestellt. Sie ist also noch recht modern. Die „Imperator Alexander III“ ist eines von sechs russischen Atom-U-Booten der Borei-Klasse (Projekt 955), die ab 2013 in Dienst gestellt wurden. Ein U-Boot dieser Klasse kann bis zu 16 „Bulawa“-Raketen mit sich führen.
Atom-U-Boote der Borei-Klasse
Das Projekt 955/955A „Borei“ ist eine Klasse von Atom-U-Booten der russischen Marine, die als Trägersysteme für seegestützte Interkontinentalraketen dienen. Die Borei-Klasse ist innerhalb der Flotte Moskaus die vierte Generation atomgetriebener U-Boote. Aktuell hat die russische Marine sechs dieser Unterwasserboote im Dienst, die seit 2013 ausgeliefert werden. Russischen Angaben zufolge werden derzeit vier weitere Einheiten der Schiffe gebaut, die eine Länge von 170 Metern und eine Besatzung von 107 Mann haben.
Russland steigt aus internationalem Vertrag zum Verbot von Atomtests aus
Russland war erst Ende Oktober aus dem internationalen Vertrag zum Verbot von Atomtests ausgestiegen. Moskau-Autokrat Wladimir Putin hatte ein Gesetz unterzeichnet, das die Ratifizierung des Atomabkommens durch die Russische Föderation aufhebt und dem Kreml die Möglichkeit gibt, neue Atomwaffentests durchzuführen. Die USA verurteilten diesen Schritt. Der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) stammt aus 1996. (pm)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Russian Defence Ministry

