Besondere Marinetaktik

Russlands Angst vorm Schwarzen Meer? Putins Flotte in Bedrängnis

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Russische Schiffe drehen überraschend kurz vorm Schwarzen Meer um. Gefahrenmeldungen werden als Ursache vermutet. Liegt es an der Taktik der Ukraine?

Istanbul – Russische Schiffe sollen vor Kurzem die Bosporus-Straße zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer angefahren haben, nur um dann plötzlich wieder umzudrehen. Das teilte der Marinesprecher der Ukraine, Dmitry Pletentschuk, laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian mit. Die Schiffe aus Russland seien eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit und die fehlende russische Präsenz im Schwarzen Meer zeige, dass „der Feind sich der Gefahr vollkommen bewusst ist“.

Laut Pletentschuk sollten die Einheiten bei dem kürzlichen Vorfall Schiffe aus der Meeresenge eskortieren. „Das passiert unregelmäßig, ungefähr ein Mal pro Monat“, so Pletentschuk gegenüber Unian. Der Marinesprecher vermutete eine Gefahrenmitteilung als Auslöser für die Umkehr, erklärte jedoch auch die genaue Ursachen-Feststellung sei schwierig.

„Positiver Trend“ im Schwarzen Meer: die Ukraine überzeugt mit unkonventioneller Marinetaktik

Pletentschuk schlussfolgerte aus der Situation für den Ukraine-Krieg, dass „ein positiver Trend für uns im Schwarzen Meer sichtbar ist.“ Der Ukrainer erklärte, dass die Schiffe sich entlang der türkischen Grenze bewegt hätten, um in türkischen Hoheitsgewässern zu bleiben. „Sie nahmen also nicht den kürzesten Weg, den sie normalerweise nehmen würden, sondern flohen zu ihren Verstecken“, so Pletentschuk.

Auch der britische Geheimdienst berichtete von Defiziten in der russischen Strategie „gegen den unkonventionellen Ansatz der Ukraine zur maritimen Kriegskunst“. Die Ukraine hat keine besonders große Marine, aber nutze zuletzt erfolgreich Marinedrohnen. Dennoch könne Russland relativ sicher aus dem östlichen Schwarzen Meer angreifen, so der britische Geheimdienst. Zuletzt soll laut dem ukrainischen Verteidigungsministerium auf X die Zerstörung des Iwanowez-Raketenschiffs mit Magura-V5-Marinedrohnen einen Rückschlag für die russische Marine dargestellt haben, woraufhin laut Ukranews die russische Aktivität im Schwarzen Meer reduziert wurde. Auch die Versenkung der „Caesar Kunikow“ verstärkte den Effekt.

Das angebliche Iwanowez-Schiff in dem Videomaterial des Verteidigungsministeriums, das die Drohnenattacke beweisen soll.

Natalija Humenjuk, die Leiterin des Gemeinsamen Koordinierungspressezentrums der Verteidigungskräfte der Südukraine berichtete, Russland habe kürzlich auch versucht, strategische Flugzeuge vom Schwarzen Meer aus einzusetzen. Auch dort soll der Angriff abgebrochen worden zu sein. „Etwas ist schief gelaufen“, erklärte Humenjuk.

Kaum noch Schiffe in Meeren um Ukraine: Hat Russland Angst vor dem Schwarzen Meer?

Auch wenn in dem Gespräch keine spezifischen Schiffe genannt wurden, fanden OSINT-Analysen immer auffällige Bewegungen russischer Schiffe. OSINT ist kurz für „Open Source Intelligence“ und meint öffentlich zugängliche, sicherheitsrelevante Informationen. So war es auch bei dem durch die USA sanktionierte Frachtschiff „Sparta IV“ und dem oft Flugbenzin transportierenden Frachtschiff „Yaz“, die beide am 26. Februar, drei Tage vor Veröffentlichung des Interviews, eine Kehrtwende kurz vor dem südlichen Bosporus-Kanaleingang vollzogen.

Yörük Işık, der den Vorfall auf X teilte, ist OSINT-Beobachter für die Bosporus-Straße. „Gefälschte zivile Schiffe, die es nicht wagen, das Schwarze Meer zu befahren?“, fragte Işık in der Beschreibung des Posts zur „Yaz“.

Pletentschuk berichtete: „Jetzt gibt es nur noch eine Einheit im Schwarzen Meer.“ In einer bei Inferfax publizierten Nachricht der ukrainischen Marine wurde ebenfalls „ein feindliches Schiff im Schwarzen Meer“ festgestellt, sowie „ein feindliches Schiff in dem Asowschen Meer und zwei feindliche Schiffe im Mittelmeer. Es gibt keine Träger von Kalibr-Marschflugkörpern.“, so heißt es in der Mitteilung. Während die Ukraine an der ländlichen Front bei Awdijiwka zuletzt Verluste machte, zeichnen die Berichte ein erfolgreicheres Bild für den Kampf auf See. (lismah)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Cover-Images

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