Gegenoffensive

Russland im Ukraine-Krieg unter Druck: Putin schickt Elite-Soldaten an die Front

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Die Gegenoffensive der Ukraine hinterlässt ihre Spuren bei Russland. Putins Streitkräfte sehen sich gezwungen, Verstärkungen an die Front zu schicken.

Kiew – Russland versucht offenbar mit allen Mitteln die Gegenoffensive im Ukraine-Krieg abzuwehren. Nach Informationen des britischen Geheimdienstes habe das russische Militär damit begonnen, Verstärkungen aus anderen Gebieten der Front nach Robotyne zu verlegen, um dem Druck der ukrainischen Offensive auf die Verteidigungslinien standzuhalten.

Doch während die Streitkräfte von Wladimir Putin scheinbar alles in die Waagschale werfen, um den Vormarsch der Ukraine zu stoppen, beraube sich Russland nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums seines eigenen Handlungsspielraums, um an anderen Teilen der Front selbst in die Offensive zu gehen.

Gegenoffensive im Ukraine-Krieg: Russland verlegt Truppen nach Robotyne

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Russland Kräfte aus anderen Bereichen der Frontlinie verlegt hat, um die geschwächten Einheiten um Robotyne zu ersetzen“, erklärt das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Update, was zeigt, dass die Taktik der Ukraine bei der Gegenoffensive offenbar aufgeht. Diese Verlegungen schränken wahrscheinlich die Fähigkeit Russlands ein, eigene Offensivoperationen in anderen Gebieten der Frontlinie durchzuführen. Die Umgruppierungen sind höchstwahrscheinlich auch ein Indikator für den Druck auf ihre Verteidigungslinien, insbesondere um Robotyne“.

Der Grund hierfür sind Berichte darüber, dass die ukrainischen Streitkräfte in die russische mehrstufige Verteidigungslinie östlich von Robotyne eingedrungen sind. Darüber hinaus setzen die ukrainischen Infanteristen in der Gegenoffensive ihren allmählichen taktischen Vorstoß fort und scheinen dabei einige der russischen Truppen aufzureiben oder zumindest zum Rückzug zu zwingen.

Des Weiteren würden der Geheimdienst-Einschätzung zufolge die russischen Stellungen südlich von Bachmut unter Druck stehen. Vor allem scheinen die ukrainischen Streitkräfte zwischen Klischtschiwka und Andriiwka an Boden zu gewinnen und allmählich vorzurücken. Ein mögliches weiteres Indiz dafür, dass es zu einem Wendepunkt im Ukraine-Krieg kommt und die Offensive sich für Russland zum „Rückzugsgefecht“ entwickelt.

Gegenoffensive der Ukraine: Russland verlegt Elite-Truppen an bröckelnde Front

Die Einschätzung über die möglichen Truppenverlegungen aus den britischen Geheimdienstkreisen bestätigen möglicherweise auch die Bewegungen der 76. Garde-Luftsturm-Division im Ukraine-Krieg. Lange wurde darüber spekuliert, wo Russlands Elite-Soldaten sich aufhalten würden. Zu Beginn der Woche veröffentlichte laut bild.de die ukrainische Armee Bilder der Division an der Front in der Region Saporischschja.

Russland schickt Verstärkung an die bröckelnde Front und muss damit wohl die Option auf eigene Offensivaktionen begraben. (Symbolbild)

Dort sollen sie wohl die ukrainische Gegenoffensive stoppen, obwohl ursprünglich darüber spekuliert wurde, ob die Putins Elite-Soldaten die Speerspitze für eine neue Offensive von Russland in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine bilden sollten. Doch nach mehreren ukrainischen Durchbrüchen im Süden entschied der Kreml vor wenigen Wochen, seine fähigsten Truppen in den Süden zu verlegen, um den ukrainischen Vormarsch dort aufzuhalten.

Offensive im Ukraine-Krieg: Nur eine Bresche in Russlands Verteidigungslinie geschlagen

Einen Vormarsch, der laut dem im Exil lebenden Bürgermeister von Melitopol, Ivan Fedorov, und diversen ukrainische Soldaten zu lange auf sich hat warten lassen. Ihren Aussagen im Wall Street Journal zufolge hätte die Ukraine zu lange mit der Gegenoffensive gewartet und es Russland so ermöglicht, derart massive Verteidigungsanlagen aufzubauen. Um den strategischen Fehler nicht zu wiederholen, müsse Druck auf die russische Defensive im Süden nun dauerhaft hochgehalten werden.

„Wenn die Ukraine keinen Durchbruch erreicht, kann die Russen nichts mehr daran hindern, einfach weiterzugraben und Gegenangriffe zu starten“, sagt Pasi Paroinen, ein finnischer Analyst, der sich seit Monaten mit den russischen Verteidigungsanlagen beschäftigt, dem „Wall Street Journal“. Aus seiner Sicht, und auch der weiterer Experten, ist den Ukrainern an der sogenannten „Surowikin-Linie“ noch kein „Durchbruch“ gelungen – noch sei es nur eine Bresche, die sie hineinschlagen konnten.

Im Süden ist Werbowe der derzeitige Mittelpunkt der Gegenoffensive im Ukraine-Krieg

Nach dem Durchbruch in der Gegenoffensive der Ukraine bei Robotyne konzentrieren sich die Anstrengungen der ukrainischen Armee derzeit auf den wenige Kilometer entfernten Ort Werbowe. Von dort aus erhofft sich Kiew den schnellen Vorstoß auf die nächste Verteidigungslinie.

Fraglich ist weiterhin, ob die Ukraine den gewünschten Erfolg gegen Russland noch in diesem Jahr erzielt oder sich jene Fehleinschätzung bewahrheitet, die ein US-Offizieller bereits angedeutet hat, dass die Ukraine-Offensive in „6 bis 7 Wochen“ gescheitert sein könnte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Evgeny Biyatov / Sputnik

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