Party bei Prigoschins Abzug: Wagner-Chef lächelt und lässt sich ablichten
VonChristina Denk
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Wagner-Chef Prigoschin ist nach dem Putschversuch nach Belarus ins Exil gereist. Beim Aufbruch in Russland wurde er von der Menge gefeiert. Doch seitdem ist er verschollen.
Rostow – Beinahe wie ein Rockstar wurde der in Russland recht beliebte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin am Samstagabend aus der Stadt Rostow hinaustransportiert. Videos und Fotos der CNN und New York Post zeigen ihn auf dem Rücksitz eines schwarzen Vans. Bei heruntergekurbeltem Fenster winkte er in die Menge. Der Wagen hielt. Prigoschin schüttelte Hände und ließ sich mit den Bewohnern fotografieren. Alle schienen zu diesem Zeitpunkte in bester Laune in jener Stadt, die Prigoschin Stunden zuvor im Zuge des Wagner-Aufstands eingenommen hatte. Mittlerweile ist der Wagner-Chef verschollen.
Party bei Prigoschins Abzug: „Wagner“-Rufe und Umarmungen für Söldner-Gruppe
Nicht nur Prigoschin selbst, auch der Rest der Wagner-Gruppe wurde am Samstagabend in Rostow nach dem Ende des Aufstands offenbar freudig verabschiedet. Weitere Videos der CNNzeigen, wie die Menschen „Wagner, Wagner“ rufen und die Söldner umarmen. Die Wagner-Kolonne trat nach Angaben des Gouverneurs der Region, Wassili Golubew, den Rückzug zu ihren Feldlagern an. Mit Beendigung des Putschversuchs wurde den Wagner-Söldnern Straffreiheit zugesagt.
Prigoschin nach Abzug verschollen: Selbst Wagner-Pressestelle scheint keinen Kontakt mehr zu haben
Unter Vermittlung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko wurde auch dem Wagner-Chef Prigoschin Straffreiheit ermöglicht. Er könne nach Belarus ausreisen, hatte der Kreml mitgeteilt. Ob er dort ankam, ist jedoch unklar. Seit der Abfahrt aus Rostow und den Abschiedsszenen sind mittlerweile knapp eineinhalb Tage vergangen. Seitdem herrscht Funkstille um Prigoschin. Der 62-Jährige, der sich sonst sehr aktiv in den sozialen Medien zeigt, hat sich dort seit dem Abzug nicht mehr gemeldet.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland
Nach Berichten unabhängiger russischer Medien erklärte die Wagner-Pressestelle, derzeit keinen Kontakt zu Priogoschin zu haben. Der russischsprachige Sender RTVi erhielt auf Nachfrage allerdings die Auskunft: „Er lässt alle grüßen und wird auf Fragen antworten, wenn er wieder normalen Empfang hat.“
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezweifelte am Sonntag bei der ARD die zugesagte Straffreiheit Prigoschins in Belarus. Sie sagte: „Ob er da alt und glücklich wird, werden wir sehen - oder ob er wie einige andere plötzlich vom Balkon fällt.“ Auch andere Experten rechnen mit dem Tod des Wagner-Chefs in Belarus: „Prigoschin zu eliminieren“ sei „Hauptaufgabe“. (chd)