Nach Putschende

Party bei Prigoschins Abzug: Wagner-Chef lächelt und lässt sich ablichten

  • schließen

Wagner-Chef Prigoschin ist nach dem Putschversuch nach Belarus ins Exil gereist. Beim Aufbruch in Russland wurde er von der Menge gefeiert. Doch seitdem ist er verschollen.

Rostow – Beinahe wie ein Rockstar wurde der in Russland recht beliebte Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin am Samstagabend aus der Stadt Rostow hinaustransportiert. Videos und Fotos der CNN und New York Post zeigen ihn auf dem Rücksitz eines schwarzen Vans. Bei heruntergekurbeltem Fenster winkte er in die Menge. Der Wagen hielt. Prigoschin schüttelte Hände und ließ sich mit den Bewohnern fotografieren. Alle schienen zu diesem Zeitpunkte in bester Laune in jener Stadt, die Prigoschin Stunden zuvor im Zuge des Wagner-Aufstands eingenommen hatte. Mittlerweile ist der Wagner-Chef verschollen.

Party bei Prigoschins Abzug: „Wagner“-Rufe und Umarmungen für Söldner-Gruppe

Nicht nur Prigoschin selbst, auch der Rest der Wagner-Gruppe wurde am Samstagabend in Rostow nach dem Ende des Aufstands offenbar freudig verabschiedet. Weitere Videos der CNN zeigen, wie die Menschen „Wagner, Wagner“ rufen und die Söldner umarmen. Die Wagner-Kolonne trat nach Angaben des Gouverneurs der Region, Wassili Golubew, den Rückzug zu ihren Feldlagern an. Mit Beendigung des Putschversuchs wurde den Wagner-Söldnern Straffreiheit zugesagt.

Beim Abzug Prigoschins aus der Stadt Rostow wurden auch Fotos geschossen.

Prigoschin nach Abzug verschollen: Selbst Wagner-Pressestelle scheint keinen Kontakt mehr zu haben

Unter Vermittlung des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko wurde auch dem Wagner-Chef Prigoschin Straffreiheit ermöglicht. Er könne nach Belarus ausreisen, hatte der Kreml mitgeteilt. Ob er dort ankam, ist jedoch unklar. Seit der Abfahrt aus Rostow und den Abschiedsszenen sind mittlerweile knapp eineinhalb Tage vergangen. Seitdem herrscht Funkstille um Prigoschin. Der 62-Jährige, der sich sonst sehr aktiv in den sozialen Medien zeigt, hat sich dort seit dem Abzug nicht mehr gemeldet.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Nach Berichten unabhängiger russischer Medien erklärte die Wagner-Pressestelle, derzeit keinen Kontakt zu Priogoschin zu haben. Der russischsprachige Sender RTVi erhielt auf Nachfrage allerdings die Auskunft: „Er lässt alle grüßen und wird auf Fragen antworten, wenn er wieder normalen Empfang hat.“

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezweifelte am Sonntag bei der ARD die zugesagte Straffreiheit Prigoschins in Belarus. Sie sagte: „Ob er da alt und glücklich wird, werden wir sehen - oder ob er wie einige andere plötzlich vom Balkon fällt.“ Auch andere Experten rechnen mit dem Tod des Wagner-Chefs in Belarus: „Prigoschin zu eliminieren“ sei „Hauptaufgabe“. (chd)

Rubriklistenbild: © AP/dpa

Kommentare