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Wagner-Chef Prigoschin soll in Belarus sein. Die Opposition befürchtet, er könnte dort einen neuen Aufstand planen. Ein Ex-General sieht die Ukraine in Gefahr.
Minsk – Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland, soll sich Jewgeni Prigoschin in Belarus aufhalten. Damit steigen die Sorgen im Nachbarland Russlands. Könnte Prigoschin auch in Belarus eine Revolte anzetteln? Seine Söldner sind wohl bereits auf dem Weg.
Wagner-Chef in Belarus: Prigoschin könnte bereits die nächste Revolte vorbereiten
Mithilfe von Belarus Präsident Alexander Lukaschenko hatten Wagner-Chef Prigoschin und der russische Präsident Putin am Samstag eine Einigung erzielt. Der Aufstand in Russland und Vormarsch der Wagner-Gruppe nach Moskau wurde gestoppt. Gleichzeitig sicherte Putin den Wagner-Söldnern Straffreiheit zu, wenn ihr Chef, Prigoschin, ins Exil nach Belarus ausreist. Mittlerweile hat Putin auch den übrigen Söldnern drei Optionen genannt: sich dem Militär anschließen, nach Hause gehen oder ebenfalls nach Belarus verschwinden. Berichten zufolge sollen bereits Unterkünfte für 8000 Wagner-Soldaten in Belarus gebaut werden.
Seitdem wachsen die Sorgen der Opposition im osteuropäischen Land. Sie befürchtet, dass die Wagner-Gruppe einen ähnlichen Aufstand wie in Russland vollziehen könnte, berichtet die Nachrichtenseite The Daily Beast. „Viele Menschen in Belarus, einschließlich des Militärs, werden sehr nervös sein, wenn sie Prigoschins Leute auf unserem Territorium sehen“, sagte Valery Kavaleuski, ein Vertreter der belarussischen Opposition, gegenüber der Nachrichtenseite.
Der Einschätzung Kavaleuskis zufolge könnte die Söldnertruppe – eine Armee von „Halsabschneidern, die sehr gut ausgebildet sind, die rücksichtslos sind, die effektiv töten, die in Kriegsverbrechen verwickelt sind“ – Belarus „leicht überrennen.“ Das sei eine Bedrohung für die Gesellschaft. Kenneth Yalowitz, ein ehemaliger US-Botschafter in Belarus, warnt zudem, es sei nicht klar, wie viel Kontrolle der belarussische Präsident Lukaschenko über den Wagner-Chef habe.
Könnte Wagner Kreml-Ziele in Belarus verfolgen? Ex-General warnt vor Einmarsch in die Ukraine
Im Gegenteil könnte Prigoschin weiterhin Ziele des Kremls verfolgen, mahnt der Oppositionsangehörige Kavaleuski. Prigoschin hatte sich zwar in den letzten Monaten immer wieder gegen das Verteidigungsministerium Russlands aufgelehnt, doch seine militärischen Ziele könnten dennoch mit denen des Kreml zusammenhängen, so Kavaleuski. Die demokratische Opposition in Belarus bezeichnet Lukaschenko schon länger als „Putins Marionette“ und ist der Auffassung, dass die Nutzung des weißrussischen Territoriums durch Russland zur Stationierung von Truppen eine Art Teilbesetzung geworden ist.
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Inwieweit Prigoschin eine Gefahr für Belarus ist, wollte John Kirby, Koordinator des Nationalen Sicherheitsrates, gegenüber The Daily Beast nicht einschätzen. „Es ist einfach zu früh, um das zu wissen“, so Kirby. Der britische Ex-General Richard Dannatt warnte indes die Ukraine. Er hält einen eigenwilligen Angriff der Privatarmee Wagner auf die Ukraine aus Belarus für möglich, sollten viele seiner Söldner ihm ins Exil folgen. Aktuell ist weder bekannt, wie viele der Wagner-Soldaten eine Ausreise nach Belarus planen, noch ob sich ihr Chef bereits dort aufhält. Jewgeni Prigoschin ist seit der Abreise aus Russland verschollen. (chd)
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