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Gehen Russland im Ukraine-Krieg die Kampfpanzer aus? Nach Einschätzung einer hohen US-Beamtin haben die Kontingente von Putins Armee hohe Verluste erlitten.
München – Kommt sie oder kommt sie nicht, die große Offensive im Ukraine-Krieg? Während der Kreml zum Jahrestag der Invasion offenbar die große Putin-Party plant, könnte ein großer russischer Angriff möglicherweise ausbleiben. Nach Einschätzung einer hohen Beamtin des US-Verteidigungsministeriums könnte Russland vor einer großen Hürde stehen, die einen großangelegten Vorstoß erschweren würde. Informationen von Celeste Wallander zufolge hat Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine „wahrscheinlich mehr als die Hälfte seines Bestands an Kampfpanzern verloren“.
Der offenkundige Grund für die Verluste sei ihrer Ansicht nach neben Kampfhandlungen auch die Tatsache, dass die „Ukraine die Panzer erbeutet“ habe. Dieser Umstand lässt daran zweifeln, dass der große Showdown in der Ukraine wirklich zum Jahrestag des Kriegs vonstattengeht.
Ukraine-Krieg: Russland hat „mehr als die Hälfte der Panzer verloren“ – keine „Ressourcen für Offensivoperation“
Abseits der Einschätzung, dass Russlands Machthaber Wladimir Putin mehr als die Hälfte seiner Panzer im Ukraine-Krieg verloren habe, sieht anscheinend auch die Geheimdienstabteilung des ukrainischen Verteidigungsministeriums eine große Offensive in den kommenden Tagen skeptisch. Ein Sprecher erklärte der Kyiv Post, Moskau wolle in den kommenden Wochen seine Aktivitäten in der Ukraine verstärken und suche derzeit mit seinen Angriffen nach Schwachpunkten in der ukrainischen Verteidigung.
„Nach unserer Information verfügt das russische Kommando aber nicht über genügend Ressourcen für eine großangelegte Offensivoperation“, sagte der Sprecher Andrii Cherniak zur befürchteten Offensive im Ukraine-Krieg, auch wenn derzeit unter anderem heftige Kämpfe in den Regionen um Bachmut und Wuhledar toben. Russland brauche dringend Erfolge in der Ostukraine, scheitere aber an den nötigen Mitteln. „Die Russen haben 80 Prozent ihrer Präzisionsraketen verschossen“, so Cherniak weiter. Die Nachproduktion gelinge Moskau bislang nicht.
Ukraine-Krieg: US-Beamtin warnt davor, Russland zu unterschätzen – Moskau lernt aus Rückschlägen
Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass auf russischer Seite derzeit knapp 80 Prozent der Bodenstreitkräfte in den Ukraine-Krieg involviert sind. Dies sei aber kein Grund, so die US-Beamtin weiter, Russland zu unterschätzen – oder gar ein Ende des Ukraine-Kriegs zu erwarten, wie der US-Politologe Francis Fukuyama. Seiner Einschätzung nach ist „Putins Niederlage höchstens eine Frage der Zeit“, während für einen Ex-US-General vielmehr die „Krim der Schlüssel“ zum Ende des Ukraine-Kriegs ist.
Wallander hingegen sieht vermehrt Anzeichen dafür, dass Moskau von den bisherigen Rückschlägen lerne und seine Taktik in dem Krieg anpasse. Als Beispiel für diese Entwicklung verwies die hochrangige Beamtin aus dem US-Verteidigungsministerium auf die derzeitigen Kämpfe im Osten der Ukraine.
Russlands Rüstungsindustrie trotz westlicher Sanktionen immer noch bedeutsam
Zudem habe Russland weiter eine bedeutende Rüstungsindustrie, die derzeit aber mit Probleme zu kämpfen hat. Probleme, die so gravierend sind, dass Präsident Putin wohl Häftlinge heranziehen will, um die bei der Waffen-Produktion unter Druck geratene russische Rüstungsindustrie aufzustocken. Daran haben wohl auch die westlichen Sanktionen ihren Anteil, diese hätten deren Produktion erschwert und verlangsamt, erklärte Wallander bei ihrer Ansprache im US-amerikanischen Thinktank weiter.
Moskau setze daher auch auf Kooperationen, etwa den Ankauf von Drohnen aus dem Iran, um Ziele in der Ukraine anzugreifen. Dieser Partnerschaft soll wohl noch weiter intensiviert werden, Russland und der Iran arbeiten angeblich an einer gemeinsamen Fabrik für die Drohnen-Produktion. Darüber hinaus verfüge Russland weiter über eine ziemlich bedeutende Luftwaffe. „Während Russland weitere Verluste in der Ukraine einstecken muss, lernt es auch, sich anzupassen“, sagte sie. Eine Einschätzung, die möglicherweise der Diskussion um die Lieferung von Kampfjets an die Ukraine neue Munition liefert (mst)
