Julia Nawalnaja in Berlin

Putin bestätigt Pläne zum Austausch von Nawalny

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Putin wird nach der Russland-Wahl zum Tod Nawalnys befragt. Oppositionelle waren einem Aufruf des Kreml-Kritikers gefolgt – und setzten Zeichen an seinem Grab.

Moskau - Wladimir Putin hat nach Kreml-Angaben die Wahl in Russland mit großem Vorsprung gewonnen. International wird die Wahl als undemokratisch kritisiert. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier etwa wird nicht gratulieren. Auf einer Pressekonferenz musste sich Putin einer Frage zum Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny stellen.

„Alexej Nawalny starb während Ihres Wahlkampfs in einem Ihrer Gefängnisse. Herr Präsident, nennen Sie das Demokratie?“, war Putin von einem britischen Journalisten gefragt worden. „Was Herrn Nawalny betrifft. Ja, er ist gestorben. Das ist immer ein trauriges Ereignis“, hatte Putin laut dem russischen Oppositionsmedium Meduza daraufhin geantwortet. Aber zugleich sehr stark relativiert: „Nun, wir hatten andere Fälle, in denen Menschen im Gefängnis starben. Ist das nicht in den USA passiert? Ist mehr als einmal passiert.“

Behauptungen nach Russland-Wahl: Putin will Gefangenenaustausch für Nawalny zugestimmt zu haben

Auch auf Gerüchte über Pläne zu einem Gefangenenaustausch für Alexej Nawalny war Putin in der Pressekonferenz sehr kurz eingegangen – und hatte diese bestätigt. Man habe „ein paar Tage, bevor Herr Nawalny starb“ die Idee an ihn herangetragen, Nawalny gegen russische Gefangene in westlichen Gefängnisse auszutauschen. „Vielleicht glauben Sie mir, vielleicht auch nicht ... Die Person, die mit mir gesprochen hat, hatte ihren Satz noch nicht beendet, aber ich sagte: ‚Ich stimme zu.‘ Aber leider ist passiert, was passiert ist“, sagte Putin dazu.

Kurz nach Nawalnys Tod verlautete aus dem Kreis seiner Vertrauten, dass er eigentlich gegen den in Deutschland inhaftierten sogenannten Tiergartenmörder hätte frei getauscht werden sollen. Demnach hätte der im Dezember 2021 in Deutschland verurteilte Wadim K. an Russland ausgeliefert werden sollen – im Gegenzug für Nawalny und zwei nicht näher genannte US-Amerikaner. Ein entsprechendes Angebot sei Kremlchef Wladimir Putin Anfang Februar unterbreitet worden, hieß es.

Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern

Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin.
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garri Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin. © Anatoly Maltsev / dpa
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei.
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei. © Valentina Svistunova / dpa
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro.
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro. © Evgeny Feldman / dpa
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.
2017 rief Nawalny im ganzen Land zu Protesten gegen Korruption in Russland auf – und wurde zu 15 Tagen Arrest verurteilt.  © Str/AP/dpa | Str
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition.
2015 wird der Oppositionsführer Boris Nemzow in Russland auf offener Straße erschossen. Nawalny beteiligt sich an den Protesten – hier bei einer Gedenk-Demo 2018 – und wird immer mehr zum neuen Gesicht der Opposition. © Alexander Zemlianichenko / dpa
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen.
2018 plante Nawalny, als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin anzutreten. Allerdings beschloss ein Gericht vorab seinen Ausschluss von den Wahlen. © Evgeny Feldman / dpa
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden.
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden. © Jean-Francois Badias / dpa
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen.
Familie Nawalny: Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M), seine Frau Julija (r), seine Tochter Daria (l) und sein Sohn Sachar stehen nach der Stimmabgabe bei einer Stadtratswahl im Jahr 2019 zusammen. © Andrew Lubimov / dpa
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt.
September 2020: Nach einer Nowitschok-Vergiftung wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt. © Daria Nawalny / dpa
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte.
Nach seiner Genesung und Rückkehr aus Deutschland wurde Nawalny in Russland festgenommen – hier zeigt er in Handschellen das „Victory“-Zeichen, begleitet von einer Polizei-Eskorte. © Sergei Bobylev / dpa
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen.
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen. © Alexander Demianchuk / Imago
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe.
Alexej Nawalny (r) und seine Anwälte im Moskauer Stadtgericht 2021 – ihm droht eine lange Haftstrafe. © Moscow City Court Press Service / dpa
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe.
Alexej Nawalny Anfang des Jahres 2022 hinter Gittern bei einer Anhörung bezüglich Beschwerden zu seiner Unterbringung während der 3,5-jährigen Haftstrafe. © Anna Ustinova / Imago
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im Februar 2022.
Kurzer Glücksmoment in schweren Zeiten: Nawalny und Ehefrau Julija Arm in Arm rund um eine weitere Anhörung des Kreml-Kritikers vor Gericht im März 2022. Wegen angeblicher Veruntreuung von Spendengeldern wurden 13 weitere Jahre Haft gefordert. © Sergei Fadeichev / Imago / ITAR-TASS
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny.
Bilder wie dieses aus dem Mai 2022 von einer weiteren Anhörung schüren Sorgen um den Gesundheitszustand von Nawalny. Der Kritiker trat während seiner Haftzeit immer wieder beispielsweise in Hungerstreik. Seine Haft-Unterbringung soll teils dürftig gewesen sein. © IMAGO/Sergei Karpukhin / ITAR-TASS
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023.
Nawalny wieder vor Gericht im August 2023. Der Oppositionsführer war erneut zu 19 Jahren Haft unter anderem wegen Extremismus verurteilt worden. © IMAGO/Sofya SandurskayaITAR-TASS
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden
Ende 2023 galt Nawalny kurz als verschwunden. Dann hieß es, er sei in ein Strafgefangenenlager nach Sibirien gebracht worden. Das Foto zeigt ihn im Januar 2024 bei einer weiteren Video-Schalte. © Alexander Zemlianichenko / dpa
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben. Weltweit wird um den Kreml-Kritiker getrauert. © IMAGO/Vuk Valcic / ZUMA Wire

Wie die Tagesschau berichtet, bezeichnete Nawalnys langjähriger Vertrauter Leonid Wolkow die Worte Putins als „zynisch“. Putin habe seinen Gegner in Wahrheit getötet, um ihn nicht austauschen zu müssen. Er bezeichnete den Kremlchef als eine „Blut saugende Wanze“, die bald platzen werde.

Protestaktionen bei der Russland-Wahl: Mindestens 40 Menschen festgenommen

Der zu einer langjährigen Haftstrafe Nawalny war Mitte Februar in einem Straflager in Sibirien gestorben. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt. Laut den russischen Behörden ist der schärfste Kritiker von Putin bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben. Seine Witwe Julia Nawalnaja geht davon aus, dass ihr Mann im Lager ermordet wurde.

Sie hatte dazu aufgerufen, eine Idee ihres verstorbenen Mannes in die Tat umzusetzen. Putin-Gegner sollten aus Protest am Sonntag um 12 Uhr zur Wahl gehen und ihren Unmut über die unfreien Wahlen ausdrücken. Das Exilmedium Novaja Gazeta Europe zeigte Warteschlangen, die etwa in Sankt Petersburg um mehrere Häuserreihen gingen. Mindestens 40 Menschen sollen demnach nach Protestaktionen festgenommen worden sein.

Julia Nawalnaja stimmte in Berlin für Alexej Nawalny – Wahlzettel auf seinem Grab

Eine weitere Protestaktion konnte auf dem Borrisow-Friedhof in Moskau beobachtet werden. Dort wurde Alexej Nawalny beerdigt. Auf dem Grab des Kreml-Gegners lagen an diesem Sonntag nicht nur weiterhin zahlreiche Blumen, sondern auch etwas anderes. Putin-Gegner hatten ihren Protest gegen die Wahlen auf eigene Weise zum Ausdruck gebracht. Sie legten Stimmzettel der russischen Präsidentschaftswahl auf Nawalnys Grab ab.

Putin hat nach der Russland-Wahl Pläne zum Austausch von Nawalny bestätigt. Die Anhänger des Kreml-Gegners legten am Sonntag Wahlzettel auf seinem Grab ab. (Montage)

In Berlin waren ebenfalls Putin-Gegner vor der russischen Botschaft zusammengekommen. Darunter auch die Hoffnungsträgerin Nawalnaja, die sich in der Nachfolge ihres Mannes zu einer wichtigen Stimme der russischen Opposition entwickelt. Sie habe, wie sie in Berlin sagte, bei der Wahl den Namen ihres verstorbenen Mannes auf den Wahlzettel geschrieben. „Natürlich habe ich Nawalny geschrieben. Es kann nicht sein, dass einen Monat vor den Wahlen der wichtigste Gegner Putins, der sich ohnehin im Gefängnis befand, umgebracht wurde.“ Aus der Menge waren Rufe laut geworden: „Julia, wir sind mit dir.“ (dpa/AFP/kat)

Rubriklistenbild: © Alexander Zemlianichenko/dpa, Natalia Kolesnikova / AFP

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